Solar-Reports:

Photovoltaikindustrie erzielt Rekord-Gewinne, Diskussion über hohe Modulpreise hält an, chinesische Module drängen auf den Markt

von Rolf Hug und Martin Schachinger
15.08.2006

Solarstrom ist gefragt wie noch nie: Weltweit werden immer mehr Photovoltaik-Kraftwerke gebaut, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln, der nach Einschätzung von Experten mittelfristig auch wirtschaftlich mit herkömmlich erzeugter Elektrizität mithalten kann. Am Ende des besonders heißen Juli 2006 kletterte der Tagespreis für Spitzenlast-Strom aus Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken an der Leipziger Strombörse auf 54 Cent je Kilowattstunde und lag damit erstmals über dem Erzeugungspreis von Solarstrom. Dieser wird im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit 40,6 bis 51,8 Cent je Kilowattstunde vergütet. Grund für die Preisexplosion waren Kühlwasserprobleme einiger Atom- und Kohlekraftwerke sowie der gestiegene Strombedarf von Klimaanlagen.

Doch auch die Preise für den Solar-Rohstoff Silizium explodierten in den vergangenen Monaten, bescherten den Kunden steigende Preise und setzten neue Akzente auf den internationalen Märkten. Der Solar-Report beleuchtet die Diskussion um die Modulpreise in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift Photon. Im zweiten Teil des Beitrags berichten wir gemeinsam mit dem Photovoltaik-Handelsportal pvXchange über die Marktpräsenz von Solarmodulen "made in China".

10 MW-Solarpark in Pocking. 4 kW-Solarstromanlage auf privatem Dach.
10 MW-Solarpark in Pocking; 4 kW-Solarstromanlage auf privatem Dach. Quellen: Martin Bucher; Solarkonzept

Photovoltaik-Nachfrage und Preise unverändert hoch; Industrie verdoppelt Gewinnspanne

Die indirekte staatliche Unterstützung der Solarstrom-Produktion erweist sich nicht nur in Deutschland als energie- und wirtschaftspolitisches Erfolgsmodell: Gesetzlich garantierte Einspeisevergütungen für Solarstrom nach dem Vorbild des EEG schaffen auch in Frankreich, Spanien, Italien oder China die Voraussetzungen für ein neuen Wirtschaftzweig mit weit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Die Photovoltaik-Industrie investiert kräftig, die globale Nachfrage ist ungebrochen, die Gewinne der Produzenten von Solar-Silizium, -Wafern und Solarzellen können sich sehen lassen, ebenso die Börsenkurse der großen Photovoltaik-Konzerne. Laut einer Studie der Zeitschrift Photon hat sich die Gewinnmarge der Photovoltaik-Industrie in den letzten beiden Jahren von 15 auf 30 Prozent verdoppelt, bei deutlich sinkenden Produktionskosten. Die vom Gesetzgeber beabsichtigten Preissenkungen bei Solarstromanlagen blieben in Deutschland jedoch bislang aus.


" Traumhafte Gewinne" für Silizium-, Wafer- und Solarzellenhersteller

"Dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes in Deutschland sanken die Produktionskosten für Solarstromanlagen massiv. Da die weltweite Nachfrage das Angebot übersteigt, konnten die Firmen die Preise in den letzten zwei Jahren allerdings kontinuierlich erhöhen. Die Photovoltaikindustrie fährt mittlerweile traumhafte Gewinne ein - vor allem die Firmen, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen", so Photon-Chefredakteurin Anne Kreutzmann. Komplette Photovoltaikanlagen wurden hier zu Lande in den letzten beiden Jahren bis zu 10 % teurer, obwohl die Preise der Wechselrichter – sie wandeln den Solar-Gleichstrom in Wechselstrom für das Netz um – wie im EEG vorgesehen, um 5 % sanken. Als Grund nennen die PV-Produzenten die gestiegenen Kosten für den Rohstoff Silizium, aus dem zunächst Solar-Wafer, daraus dann Solarzellen und aus diesen wiederum Solarmodule hergestellt werden.

Preisentwicklung für Solarmodule seit 2003.

Preisentwicklung für Solarmodule seit 2003. Quellen: Navigant Consulting; Photon.

 

Grafik: Heindl Server GmbH

Wenn die Preise für Komplettsysteme und Komponenten nicht bald sinken, könnte sich die bislang relativ sichere Investition in Deutschland künftig nicht mehr lohnen, befürchtet Anne Kreutzmann. Das gelte besonders für kleinere Solarstromanlagen und weniger sonnige Standorte. Denn die gesetzlich vorgeschriebene Solarstromvergütung sinkt pro Jahr um 5 %. Einige Politiker und Medien machen bereits "Lange Schatten" über der Solar-Landschaft aus (Der Spiegel) – und sehen die Hersteller in der Pflicht. Aufgrund der mit der EEG-Förderung angestrebten und auch erreichten Produktivitätssteigerungen sowie Kostensenkungen durch steigende Produktionsmengen erwarten die Kunden, dass die Systempreise sinken – ganz im Sinne der "Väter" des EEG, das Ende des Jahres überprüft werden soll, um eine Überförderung zu vermeiden.


DGS: Preisanstieg für Photovoltaikanlagen muss schnellstmöglich gebremst werden

Kritische Stimmen aus den Reihen der Unionsfraktion hinsichtlich der EEG-Vergütungssätze sollten die Branche nachdenklich machen, beispielsweise die der stellvertretenden CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Katherina Reiche oder des wirtschaftspolitischen Sprechers der Union, Laurenz Mayer, den der Spiegel in dem Beitrag "Lange Schatten" zitiert. Mehr oder weniger dezent mahnen auch die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), deren mit geringer Beteiligung im Internet durchgeführte Online-Befragung keine Entwarnung hinsichtlich der Modulpreisentwicklung gab, sowie der SPD-Abgeordnete und EEG-Initiator Hermann Scheer.

"Alle Beteiligten im PV-Markt in Deutschland wissen, dass der Preisanstieg für Photovoltaikanlagen in den letzten Jahren schnellstmöglich gebremst und zu einem Preisrückgang werden muss", so die DGS. Angesichts der nächsten Senkung der Einspeisevergütung von 5 % beziehungsweise 6,5 % zum 1. Januar 2007 sei dies absolut notwendig, um einen Markteinbruch zu verhindern, betont die DGS. Die Warnungen aus Berlin und München haben bereits erste Reaktionen hervorgerufen: Im Juni hatte der Börsenstar SolarWorld AG deutliche Preissenkungen für Photovoltaik-Komplettsysteme angekündigt – allerdings erst für 2007. Der Freiburger PV-Großhändler SolarMarkt AG beispielsweise senkte seine Preise für Module von Schott und Solon nach eigenen Angaben zum 01.08.2006 um zwei bis drei Prozent.

Nach Erhebungen des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) hingegen sind die Großhandelspreise für Photovoltaik-Systeme (nicht Module) bereits im ersten Halbjahr 2006 um rund fünf Prozent gesunken. Die Ursachen hierfür sieht BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig in Produktivitätszuwächsen, einer sich abzeichnenden Entspannung bei der Siliziumversorgung und dem gestiegenen Wettbewerb. Aber auch die jährliche Senkung der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung zeige inzwischen Wirkung.

Gewinnmargen am Anfang der Wertschöpfung am höchsten

Bereits im März 2006 berichtete Photon über die aus der Verknappung resultierenden hohen Siliziumpreise. Die Fachzeitschrift zeigte, dass Silizium-Knappheit allein nicht der Grund für die teuren Module ist, denn mit dem Preisanstieg des gefragten Rohstoffs gingen Produktionsfortschritte einher, die den Bedarf an Solar-Silizium zur Herstellung immer dünnerer Wafer halbierten.

Anteil des Siliziumpreises an den Kosten einer Solarstromanlage, aufgeschlüsselt nach den einzelnen Komponenten.

Photon fragte zu Recht, ob auf dem Weg bis zur fertigen Solararstromanlage "noch der eine oder andere Extra-Euro hängen bleibt". Die Antwort liefert die Studie "Solar Annual 2006". Sie belegt, dass die Gewinnmargen um so höher ausfallen, je näher sich der Produzent am Anfang der Wertschöpfung - also der Siliziumherstellung - befindet.

Anteil des Siliziumpreises an den Kosten einer Solarstromanlage, aufgeschlüsselt nach den einzelnen Komponenten: Solar-Silizium, Wafer, Solarzelle, Modul und Gesamtsystem (im Wesentlichen Module, Wechselrichter und Montagesystem).

Grafik: Photon

Die Studie von Photon Consulting belegt, dass die Gewinnmargen um so höher ausfallen, je näher sich der Produzent am Anfang der Wertschöpfung - also der Siliziumherstellung - befindet. Den "Schwarzen Peter" an die Modulhersteller zu geben ist demnach unberechtigt.

Zudem sind auch die kräftigen Gewinne der Solarindustrie keinesfalls anrüchig oder gar kontraproduktiv, wenn sie in die Forschung und den Ausbau der Kapazitäten fließen - und wenn Produktionsfortschritte und Skaleneffekte (Kostenvorteile bei der Herstellung größerer Mengen) zumindest teilweise an die Kunden weitergegeben werden.

Studie "Solar Annual 2006". Granulares Solarsilizium.
Studie "Solar Annual 2006"; Granulares Solarsilizium. Fotos: Photon; Wacker Chemie AG

Photon-Studie prognostiziert 10,4 Gigawatt Produktion im Jahr 2010

Die Autoren der Photon-Studie, ein Analystenteam um Michael Rogol, gehen davon aus, dass die Preise für Solarmodule in den nächsten Jahren leicht sinken werden. Allerdings würden die Kostensenkungen der Industrie voraussichtlich deutlich höher ausfallen, wodurch sich ein weiterer Anstieg der Gewinnspanne ergebe. Laut Studie senkt die Photovoltaikindustrie ihre Kosten jährlich um sieben bis zehn Prozent. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein starkes Marktwachstum. Die Photon-Studie geht von durchschnittlich 44 Prozent bis 2010 aus. Wenn diese "grobe Schätzung" zutreffen sollte, erwartet Rogol für 2010 eine Produktion von 10,4 Gigawatt bei einem Umsatz von 57,6 Milliarden Euro und einem Gewinn vor Steuern von 21,6 Milliarden Euro.

Während das Interesse an Solarstromanlagen in Deutschland gegenwärtig rückläufig zu sein scheint, wird in Spanien, Italien und Frankreich aufgrund neuer, vorteilhafter Bestimmungen mit steigender Nachfrage gerechnet. Branchenkenner gehen davon aus, dass die gesamteuropäische und weltweite Nachfrage auch in den kommenden Jahren auf hohem Niveau bleiben wird. Das belegen unter anderem neue Megawatt-Projekte wie beispielsweise in Spanien, wo hohe Einspeisevergütung und Sonneneinstrahlung die Renditeerwartungen beflügeln. Dort wollen die Unternehmen Ecostream beziehungsweise City Solar mit 14 beziehungsweise 20 Megawatt die größten Solarstromparks der Welt bauen.

In großen Solarkraftwerken kommen auch in Europa zunehmend Module aus China zum Einsatz.
In großen Solarkraftwerken kommen auch in Europa zunehmend Module aus China zum Einsatz. Im Bild ein Solardach mit Yingli Solar-Modulen. Quelle: Baoding Tianwei Yingli New Energy Resources Co., Ltd.

Obwohl die deutschen Hersteller mit der Produktion kaum nachkommen, haben sie zugleich Probleme, die gestiegenen Einkaufspreise an Installateure und Endkunden weiterzugeben. Gleichzeitig werden vermehrt Solarmodule aus China auf dem hiesigen Markt angeboten, sei es von deutschen Systemintegratoren oder als Direktimport. "In Asien zahlen nicht ausgelastete Modulhersteller fast jeden Preis für Zellen, nur um ihr Photovoltaikgeschäft zum Laufen zur bringen", zitiert Photon Lars Podlowski, Vorstandsmitglied des Berliner Modulherstellers Solon AG (Photon, Juli 2006, S. 38). Welche Auswirkungen die chinesische Offensive auf den deutschen Markt hat, beleuchtet der zweite Teil des Solar-Reports.

Chinesische Module drängen auf den deutschen Markt

von Martin Schachinger und Rolf Hug

Während des Versorgungsengpasses der Jahre 2004 und 2005 orientierten sich große und kleine Photovoltaik-Unternehmen aus Deutschland nach China. Unternehmerreisen wurden organisiert, um Deutsche durch chinesische Produktionsstätten zu schleusen. Oft waren die Verhältnisse in den Fabriken alles andere als Vertrauen erweckend, technische Dokumentation oder IEC-Zertifizierung seien Fremdworte gewesen, berichteten die Teilnehmer. Dennoch war der Enthusiasmus seitens einiger Importeure ungebremst, und deren Kunden waren in ihrer Not bereit, auch qualitativ fragwürdige Module abzunehmen. Die Preise für Solarmodule aus China kletterten von deutlich unter 4 US-Dollar pro Watt peak im Jahr 2004 rasch in Richtung 4,40 - 4,45 $/Wp im November/Dezember 2005.

Die hohe Nachfrage nach Modulen aus dem Reich der Mitte erlaubte den chinesischen Herstellern, beinahe jeden Preis für Rohstoffe wie Wafer, Zellen, Solarglas oder Folien zu bezahlen. Europäische Produzenten gerieten dadurch zunehmend unter Druck und mussten die verbleibenden Rohstoffkontingente teuer bezahlen oder sich gar auf dem Spotmarkt eindecken. Preiserhöhungen ließen auch bei den deutschen Unternehmen nicht lange auf sich warten. Sie wurden immer häufiger nicht nur mit dem Mangel an Solarzellen, sondern auch mit allgemein gestiegenen Beschaffungskosten begründet.

Deutsche Solarparks mit Modulen "made in China"

Solarstromanlage mit Yingli Solar-Modulen auf dem Dach des Fußballstadions in Kaiserslautern Solarstromanlage mit Yingli Solar-Modulen auf dem Dach des Fußballstadions in Kaiserslautern
Solarstromanlage mit Yingli Solar-Modulen auf dem Dach des Fußballstadions in Kaiserslautern. Quelle: Solar-Energiedach GmbH.

In beiden Solarparks wurden Module des chinesischen Produzenten Baoding Tianwei Yingli New Energy Resources Co., Ltd (Yingli Solar) eingesetzt. Yingli zählt zu den größten Modulherstellern in China und ist Chinas erster Modulproduzent, der selbst multikristalline Kristallblöcke zieht und zu Zellen weiterverarbeitet. Die jährliche Gesamtproduktion beziffert Yingli mit 100 MW. Die Wafer-, Zell- und Modulproduktion des Unternehmens ist etwa 140 km südlich von Peking angesiedelt.

Produkte von Yingli, Suntech, Trina und Co. auf dem deutschen Markt

Im Jahr 2006 stellt sich die Situation etwas anders dar, als in den Vorjahren: Chinesische Produzenten sind größer und deutlich professioneller geworden. Viele Modultypen sind mittlerweile zertifiziert, was nicht zuletzt dem Engagement der deutschen beziehungsweise europäischen Importeure und Großhändler zu verdanken ist. Viele der ganz Großen haben sich seit Anfang 2005 intensiv mit China beschäftigt und sich ihr Stück vom Kuchen mit großvolumigen Lieferverträgen gesichert. Dass chinesische Module für die deutschen Systemintegratoren interessant sind, belegen aktuelle Kooperations- und Liefervereinbarungen. So hat beispielsweise die Maaß Regenerative Energien GmbH, Tochter der Reinecke + Pohl Sun Energy AG, mit Yingli im Juni 2006 einen Liefervertrag über 162 MW bis 2010 abgeschlossen. Die Phönix Sonnenstrom AG will im laufenden Jahr 6 MWp von Yingli beziehen und bis 2010 sogar 143 MW.

Suntech sichert sich Silizium-Nachschub für weitere Expansion

Auch die expansionshungrige Suntech Power Holdings Co., Ltd., die mit dem geplanten Kauf des japanischen Modulherstellers MSK auch in den japanischen Markt eintreten will, ist in Deutschland mit Modulen vertreten. Suntech, nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Produzenten von Solarzellen und –modulen, hat im Juni 2006 berichtet, es habe mit dem US-Siliziumhersteller MEMC Electronic Materials eine Übereinkunft über die Lieferung von Solar-Wafern mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Volumen mit fünf bis sechs Milliarden US-Dollar getroffen. Suntech-Produkte finden sich im Portfolio der IBC Solar AG und der SolarWorld AG. Module der Changzhou Trina Solar Energy Co., Ltd (Trina-Solar) vertreiben Conergy AG/AET sowie die Phönix Sonnenstrom AG. Trina Solar produziert nach eigenen Angaben derzeit jährlich Ingots, Wafer und Module mit einer Kapazität von jeweils je 30 MWp. Bis 2010 ist ein Ausbau der Modulkapazitäten auf 100 MWp geplant.

PV-Produktion in China.
PV-Produktion in China. Quelle: Changzhou Trina Solar Energy Co., Ltd

Der Einstieg europäischer Systemintegratoren mit ihrer Finanzmacht verursachte bei den chinesischen Produzenten und Handelsfirmen eine Art Goldgräberstimmung. Immer mehr Kapazitäten wurden und werden aufgebaut, der Produktionsoutput um jeden Preis gesteigert. Ein Großteil der Produktion verschwand zunehmend in Lieferverträgen, der Rest wurde an den Meistbietenden verkauft. Das hat 2005 oft zu Verwirrung geführt, denn kleinere Importeure mussten darum bangen, dass die ihnen zugesicherten Mengen auch wirklich bereitgestellt werden.

Der deutsche Markt hat sich im Verlauf des ersten Halbjahres 2006 jedoch wieder deutlich abgekühlt. Echte Markenware ist nicht mehr ganz so rar, da die Nachfrage nicht mehr schneller wächst als das Angebot. Südeuropa ist als Photovoltaikmarkt zwar im Kommen, doch erweisen sich beispielsweise spanische Unternehmen als noch markenbewusster als Händler und Installateure in Deutschland. Viele deutsche Installateure wendeten sich aufgrund schlechter Erfahrungen von China-Importen ab. Grund war weniger die mangelnde Qualität der Produkte als unseriöses Geschäftsgebaren mancher Newcomer der Branche. Zeitweise habe in Deutschland jeder "Teppichhändler" im Photovoltaikgeschäft das große Geld gewittert, erinnert sich Martin Schachinger von pvXchange.

Leistungsgarantien und Zertifikate

Nach Recherchen von pvXchange liegen die Preise der großen deutschen und europäischen Systemintegratoren für China-Module zirka 3-5 % über den Preisen von Direktimporten. Qualitativ sind die Module aus China überwiegend auf der Höhe der Zeit und zeichnen sich durch ein günstiges Preis-Leistungsverhältnis aus. Allein die Dokumentation lässt häufig zu wünschen übrig.

Der höhere Preis der deutschen Großhändler geht einher mit langfristiger Sicherheit, denn in der Regel sind Zertifikate nach IEC 61215 und TÜV Schutzklasse II in Arbeit oder teilweise bereits vorhanden. Die renommierten Großhändler bieten überwiegend eine Leistungsgarantie von 90 % der Minimalleistung für 10 bis 12 Jahre und von 80 % für bis zu 25 Jahren. Die Schüco International KG (Bereich Solartechnik) zum Beispiel verkauft das Yingli-Modul "YL 160" unter der Bezeichnung "S 158-SP/4" und betont, das Produkt entspreche sämtlichen internationalen Qualitätsstandards. Bauarteignung und Bauartzulassung sind vorhanden nach DIN EN 61215 (IEC 61215), ebenso die elektrische Klassifizierung "Schutzklasse II". Schüco gibt eine Produktgarantie für zwei Jahre, eine Leistungsgarantie auf 90% für 10 Jahre und eine Leistungsgarantie auf 80% für 25 Jahre.

Markt unübersichtlich, Herkunft der Module nicht leicht zu durchschauen

Im Gegensatz zu Direktimporten sowie Modulen wenig bekannter chinesischer Hersteller oder gar No-Name-Produkten stehen die großen deutschen Anbieter - nicht nur mit ihrem guten Namen - für langfristige Ertrags- und damit Investitionssicherheit. Wie die höheren Preise für identische Module bei sinkenden Solarstromvergütungen die Rendite beeinflussen, oder ob der Aspekt der Gewährleistung im Vordergrund steht, müssen die Investoren im Einzelfall entscheiden. Laut pvXchange tauchen am deutschen Markt immer wieder duzende unbekannter Modultypen auf, bei denen es schwer fällt, zu beurteilen, ob es sich tatsächlich um ein neues Produkt aus eigener Fertigung handelt oder um ein "umgelabeltes" Modul der bekannteren Hersteller. Besonders schwierig wird es bei chinesischen Anbietern beziehungsweise Großhändlern, denn fast jeder Produzent präsentiert sich in Europa als "leading chinese manufacturer". Martin Schachinger von pvXchange rät, Zertifikate und Leistungsgarantien bei Direktimporten kritisch zu prüfen. Genaue Angaben über den Marktanteil der chinesischen Module kann auch er nicht machen, schätzt aber, dass bereits jedes zehnte Modul aus dem Reich der Mitte stammt.

Solarstromanlagen mit China-Modulen Solarstromanlagen mit China-Modulen
Solarstromanlagen mit China-Modulen in Rheinfelden und Ehrenkirchen. Fotos: RV Energietechnik KG

Auch bei chinesischen Modulen hat der große Preiskampf begonnen: Fast jeden Tag würden containerweise Module angeboten, selbst von den bekannteren Marken, berichtet pvXchange. Die Preise würden bei zertifizierter Ware wieder unter 4,20 $/Wp fallen, bei nicht zertifizierten Modulen in Richtung 4 $. Einige deutsche Großhändler ziehen sich nach eigener Aussage aus diesem Segment wieder zurück und wollen verstärkt europäische Markenware propagieren. Die großen Systemintegratoren versuchen dem Preisverfall durch eigene Labels und das Durchsetzen ihrer anspruchsvollen Qualitätsrichtlinien bei ihren chinesischen Partnern zu begegnen und ein Preisniveau knapp unterhalb der renommierten Marken aus Japan und Europa zu etablieren. Ob diese Rechnung aufgeht und die Endkunden diese "geadelten" Module akzeptieren, bleibt abzuwarten.

Dubiose Label und Zertifikate kleiner Anbieter

Kuriose Randerscheinungen des Runs auf chinesische Module entdeckt Schachinger bei kleinen deutschen und europäischen Händlern, die oft nicht länger als zwei Jahre in der PV-Branche aktiv sind, es den Großen gleich tun wollen und ihr eigenes Label entwickeln. Sie würden dabei vergessen, dass vorhandene IEC- und Schutzklasse-2-Zertifikate des Herstellers dadurch ungültig werden können, unter Umständen auch Garantieaussagen. Um das zu vermeiden, müssten Angebote unter eigenem Namen auf jeden Fall autorisiert und bereits geprüfte Module nachzertifiziert werden. Dafür reiche aber das Geld oft nicht, so dass letztlich ausschließlich nicht zertifizierte Ware gehandelt werden kann. Dies auf dem selbst erstellten Datenblatt zuzugeben, falle einigen Akteuren sehr schwer. Viele dieser "No-Names" werden spätestens 2007 wieder vom Markt verschwinden, erwartet Schachinger.

Zertifikate made in China als Herausforderung:
Zertifikate made in China als Herausforderung: Das Typenschild rechts stammt beispielsweise von einem Ingenieurbüro, das in China EMV-Prüfungen an Modulen durchführt und das CE-Zeichen vergibt. Die Richtlinien für diese Prüfung werden der IEC-Norm entnommen. Auf dem Typenschild des ST-Moduls wird durch undokumentierte Verwendung des IEC-Kürzels suggeriert, dass ein vollständiges IEC 61215-Zertifikat vorliege. Im Hinblick auf die Kosten der Zertifizierung ist dieses Verfahren rund 20 Mal billiger: eine günstige, wenn auch unzulässige Methode, zertifizierte Produkte zu schaffen. Foto: pvXchange.
Weitere Informationen:

Zusammenfassung der Photon-Studie (englisch) unter: www.photon-consulting.com/executive_summary.htm

Fachbeitrag: "Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen: Nicht nur eitler Sonnenschein" im Solar-Magazin

 

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