Solar-Interviews:

Bürkle-Geschäftsführer Hans-Joachim Bender:
"Wir wollen vom Geschäft mit der Sonne profitieren"

Die Photovoltaik boomt weltweit, die großen Solarzellen- und Modulhersteller sind immer häufiger in den Schlagzeilen, wie beispielsweise SHARP und Q-Cells. Immer wieder tauchen neue Namen auf wie Suntech (China) oder Motech (Taiwan). Und auch die Hersteller von Photovoltaik-Produktionsanlagen, die ganze Solar-Fabriken oder schlüsselfertige Produktionslinien zur Solarzellen- und Modulproduktion liefern stehen im Rampenlicht. Darunter befinden sich traditionelle Anlagenhersteller, von denen etliche dem deutschen Mittelstand angehören.

Dipl.-Ing. Hans-Joachim Bender ist seit 1993 Geschäftsführer der Robert Bürkle GmbH.

Dipl.-Ing. Hans-Joachim Bender ist seit 1993 Geschäftsführer der Robert Bürkle GmbH und seit 1997 Sprecher der Geschäftsleitung bestellt. In dem Schwarzwälder Urlaubsort Freudenstadt hat beispielsweise die Robert Bürkle GmbH ihren Sitz. Der weltweit aktive Anlagenbauer investiert derzeit in ein neues Standbein: die erneuerbaren Energien.

Geschäftsführer Hans-Joachim Bender will den Umsatz des Holz- und Elektronik-Anlagenbauers bis 2010 um 50 Prozent auf 150 Millionen Euro steigern. Dabei setzt der Chef von weltweit rund 700 Mitarbeitern auf die Sonne. Zum Jahreswechsel stellte Bürkle die erste Photovoltaik-Produktionsanlage her. Im Solarserver-Interview berichtet Bender über die Pläne und Perspektiven des Unternehmens.

Von Holzmaschinen und Parkett-Anlagen zur Photovoltaik. Herr Bender, wieso verlassen Sie Ihre Kernkompetenz?

HANS-JOACHIM BENDER: Das tun wir nicht. Im Gegenteil: wir bauen eine zusätzliche Kernkompetenz auf.

Sie bauen aber doch bislang Maschinen und Anlagen für die Holz- und Parkett-Industrie sowie für die Elektronik-Industrie.

BENDER: Wir sind Spezialisten für alles, was laminiert oder gepresst wird. Und genau diese langjährige Kompetenz übertragen wir nun auf die Anlagen, mit denen Solarfirmen in Zukunft Photovoltaikmodule herstellen. Das Schöne dabei ist, dass uns dieses neue Standbein erlaubt, in den Stammmärkten Holz und Elektronik aggressiver zu agieren.

Wie das?

BENDER: Ganz einfach: Auf drei Beinen steht man besser als auf zwei. Unsere Gemeinkosten verteilen sich künftig auf drei, statt wie bisher auf zwei große Sparten: Holz, Elektronik und nun neu Photovoltaik.

Was bedeutet das konkret?
BENDER: Durch den Umsatzzuwachs, der mit den Photovoltaik-Anlagen entsteht, können wir unsere Produktzyklen von bisher zwei bis drei Jahren deutlich verkürzen. Damit werden wir im Holzbereich deutlich flexibler und können somit stärker im Markt agieren statt reagieren zu müssen.


Sarasin-Studie prognostiziert steigende Nachfrage nach Photovoltaikmodulen

Wer hatte die Idee, den neuen Markt und dessen Technologie aufzugreifen?

BENDER: Wir sind seit Jahren auf der Suche nach neuen Märkten. Ausschlaggebend war die Prognose einer Schweizer Bank. Die so genannte Sarasin-Studie, mit der wir uns 2003 zum ersten Mal beschäftigt haben, prognostizierte eine steigende Nachfrage nach Photovoltaikmodulen. Der von uns errechnete Bedarf an entsprechenden Anlagen lag für Bürkle bei drei bis vier Stück pro Jahr. Zu wenig, um richtig zu investieren. Zwei Jahre später war der Bedarf, gerechnet auf den Daten einer neuen Sarasin-Studie, deutlich gestiegen. Für uns der Startschuss, ins Solargeschäft einzusteigen.

Wie lange mussten Sie forschen und entwickeln?

BENDER: Die Photovoltaik-Branche beobachten wir seit gut sechs Jahren. In dieser Zeit haben wir den Markt analysiert und geprüft, was machbar ist. Intensiv geforscht und entwickelt haben wir gut drei Jahre und unterstützt hat uns zu Beginn das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg.

Können Sie beziffern, wie hoch Ihr Invest ist?

BENDER: Zunächst hatten wir nur Personalkosten in der Konstruktion und Kosten für Studien von Forschungseinrichtungen. Später haben wir in Versuchs- und Pilot-Anlangen knapp 2,5 Millionen Euro investiert. Um die Projekte, die in Zukunft auf uns zukommen, abarbeiten zu können, sind in den nächsten zwei bis drei Jahren nochmals sieben bis acht Millionen Euro erforderlich.

Photovoltaik-Laminatoren ab 400.000 Euro

Und wie viel muss ein Kunde für eine neue Anlage bezahlen?

BENDER: Die Photovoltaik-Laminatoren mit einer Etage starten bei 400.000 Euro. Werden mehrere Etagen verlangt, landen wir bei zwei Millionen Euro. Aber das Entscheidende ist, dass wir uns nicht als Maschinenbauer verstehen. Unser Ziel ist es, Lösungen zu liefern. Im Verbund mit anderen Firmen sind wir in der Lage, das komplette Backend für die Modulherstellung zu liefern.

Mehretagen-Laminiersystem für große Produktionskapazitäten
Foto: Mehretagen-Laminiersystem für große Produktionskapazitäten. Quelle: Robert Bürkle GmbH

Stehen Ihnen Geldgeber für die Neuausrichtung zur Seite?

BENDER: Die Entwicklungskosten finanzieren wir ohne Kredite nur über unseren Cash-flow. Für das Zukunftsinvest haben wir mit unserer Hausbank geredet, die unsere Vorhaben unterstützt.

Stichwort Break-Even: Ab wann verdienen Sie mit den Photovoltaikanlagen Geld?
BENDER:
Schnell. Es gehört zu unserer Firmenphilosophie, einen Teil des Ertrags immer in Neuentwicklungen zu stecken. Da somit ein Großteil der Entwicklungskosten schon aus den Ergebnissen der Vorjahre finanziert wurde, müssen wir jetzt nur noch Zusatzeffekte berücksichtigen.

Umsatzsteigerung soll nahezu ausschließlich aus der Photovoltaik stammen

Dieses Jahr steht also im Zeichen des Wachstums. Welches Umsatzziel haben Sie 2008?

BENDER: Insgesamt rechnen wir mit 125 Millionen Euro Gesamtumsatz für 2008. Diese Steigerung kommt nahezu ausschließlich aus der Photovoltaik. Wir haben heute schon einen Exportanteil von 90 Prozent und damit generell den Weltmarkt im Fokus. Für Photovoltaik zielen wir zunächst auf den europäischen Markt – aber auch Asien und dann den Rest der Welt.

Multifunktionsbeschichtungstechnologie für die Massenproduktion in der Photovoltaikindustrie.
Multifunktionsbeschichtungstechnologie für die Massenproduktion in der Photovoltaikindustrie. Bildquelle: Robert Bürkle GmbH

Die Robert Bürkle GmbH beschäftigt 465 Mitarbeiter, davon 38 Auszubildende, haben an den Standorten in Freudenstadt und im westfälischen Mastholte. Bürkle erwirtschaftet 2007 einen Umsatz von 105 Millionen Euro.Weitere 206 Mitarbeiter arbeiten bei Tochtergesellschaften in Paderborn, Los Angeles, Shanghai, Hongkong, Bratislava und Taiwan.

Die Exportquote des Anlagenbauers liegt bei 85 Prozent will im kommenden Jahr ein neues Innovationszentrum beziehen sowie 40 Fachingenieure und -arbeiter einstellen.

14 Jahre lang, fast ohne Risiko richtig Geld verdienen

Wo werden die Solarmodule eingesetzt?

BENDER: Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unerschöpflich: Riesige Solarfelder oder Schallschutzwände an Autobahnen. Solaranlagen dienen sogar zur Alterssicherung. Es gibt Investoren, die mieten Dächer von Tennishallen an und montieren darauf Solarmodule. Die gewonnene Energie wird ins Netz eingespeist. Nach sechs Jahren ist die Investition bezahlt. Weil es auf die Module 20 Jahre Garantie gibt, wird 14 Jahre lang, fast ohne Risiko, richtig Geld verdient.

Gab es Probleme bei der Entwicklung?

BENDER: Unsere Kernkompetenz ist das Laminieren von Holz und Kunststoff. Der Einstieg in die Photovoltaik-Branche bedeutet für uns nur, diese Kompetenz auf das Laminieren von Glas und Glas auf Folie zu übertragen. Sicherlich gab es einige Neuentwicklungen aber keine grundsätzlichen technologischen Probleme.

Welche Rolle spielen Kundenvorgaben bei den neuen Anlagen?

BENDER: Wir wollen in Richtung Prozesstechnologie Standards setzen. Diese Vorreiter-Rolle nehmen wir gerne an, um gemeinsam mit den Kunden Neues zu testen. Etwa in Richtung Klebetechnik oder bei der Optimierung der Prozesse. Da ist noch eine Menge Musik drin.

Sind weitere Produktlinien geplant?

BENDER: Wir wollen bei Automobilzulieferern einsteigen. Aktuell arbeiten wir mit einem Karlsruher Start-Up-Unternehmen, an dem wir mit 51 Prozent beteiligt sind, an neuartigen Anlangen zur Herstellung von Interieurteilen für Automobile. Unser Ansatz ist, dass wir Teile, wie den Himmel oder Armaturen, die bisher aus PUR-Schaum hergestellt werden, aus recycelbaren Faserstoffen herstellen müssen. Da die Automobilindustrie künftig die Autos zurücknehmen muss, werden wir hier sicher punkten.

Das Interview führte Michael Sudahl.


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  • Mechtild Rothe (MEP), Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europa
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  • Frithjof Staiß, Autor des "Jahrbuchs Erneuerbare Energien 2000"
  • Bernhard Dimmler, technischer Geschäftsführer der Würth Solar GmbH & Co
  • Fritz Link , Bürgermeister der "Solar-Kommune" Königsfeld
  • Max Deml, Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST
  • Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins
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