Solar-Interviews:

Solarserver-Interview mit Bernhard Dimmler, Geschäftsführer der Würth Solar GmbH und Mark Farber, Mitgründer und Vizepräsident Strategische Planung bei Evergreen Solar Inc.

Bernhard Dimmler und Mark Farber referieren auf dem Photovoltaik-Industrieforum am 21. 06. 2006 in Freiburg über Dünnschicht-Solartechnik und Silizium sparende Verfahren zur Produktion von Solarzellen. Der Solarserver befragte die beiden Experten zu Markt, Entwicklungen und Perspektiven der Dünnschicht-Photovoltaik beziehungsweise zu Alternativen zur herkömmlichen Siliziumwafer-Technologie. (07.06.2006)

Würth Solar: Dünnschichttechnologie
auf Augenhöhe mit Silizium-Modulen

Der Solarserver: Herr Dimmler, wie sieht der Markt für Dünnschichttechnologie in Deutschland und international aus? Welche Chancen sehen Sie für die Dünnschicht-Photovoltaik?

Bernhard Dimmler: Dünnschichtmaterialien rücken im Bereich der Photovoltaik immer mehr in den Fokus. Die Tatsache, dass in der Photovoltaikbranche zunehmend in Dünnschichttechnologie investiert wird, stellt dies unter Beweis. Mit seinen CIS-Modulen ist es Würth Solar mittlerweile als erstem Unternehmen gelungen, eine Dünnschichttechnologie hinsichtlich Wirkungsgrad und Energieertrag auf Augenhöhe mit Silizium-Modulen zu bringen und gleichzeitig noch in diesem Jahr in die Großserienfertigung einzusteigen. CIS-Module sind besonders ressourcenschonend in der Herstellung, kommen ohne das Engpassmaterial Silizium aus und haben das Potenzial, die vom Markt vorgegebenen Kostenreduzierungen der nächsten Jahre auch umsetzen zu können.
Der Markanteil von Dünnschichtmodulen wird aus unserer Sicht bis zum Jahr 2015 auf 20-25% anwachsen. Dabei sind die Chancen relativ unabhängig vom Land.

Solarfassade mit CIS-Modulen in München Parkscheinautomat mit CIS-Modul in Dubai.
Solarfassade mit CIS-Modulen in München. Rechts: Parkscheinautomat mit CIS-Modul in Dubai. Fotos: Fotograf Michael Voit, München (links); Baumann Automatentechnik (rechts).

Der Solarserver: Welche neuen Produkte und Entwicklungen gibt es bei Würth Solar?

Bernhard Dimmler: Neben den Standardmodulen der Größe 60cm x 120cm mit einer weiter gestiegenen Leistung zwischen 75 und 80 Watt werden Spezialmodule nach Kundenwunsch sowohl für den produktintegrierten (meist Kleinmodule) als auch im Architektur-Bereich in großer Vielfalt angeboten.
Ein Highlight des Jahres 2006 wird die Inbetriebnahme der weltweit ersten Großserienfertigung für CIS-Module, der sogenannten CISfab von Würth Solar in Schwäbisch Hall sein. Damit sind wir dem Wettbewerb einen klaren Schritt voraus.

Der Solarserver: Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen Perspektiven von Würth Solar?

Bernhard Dimmler: Mit der CISfab verfügt Würth Solar über eine Produktionskapazität von 14,8 MW. Im Jahr 2007 werden voraussichtlich 200.000 CIS-Module in Schwäbisch Hall vom Band laufen. Weitere Ausbaustufen sind bereits vorgesehen. Wir sind überzeugt, mit CIS ein enorm zukunftsfähiges Produkt am Markt zu haben und durch unsere Technologieführerschaft auch langfristig in eine positive Zukunft blicken zu können.

Der Solarserver: Vielen Dank für diese Informationen, Herr Dimmler


Evergreen Solar: Produktionsmengen
trotz Siliziumengpass steigern


Der Solarserver:
Wie beurteilen Sie den gegenwärtigen Lieferengpass beim Solar-Silizium, Herr Farber? Können Silizium sparende Produktionsverfahren zu einer raschen Preissenkung für Solarstromanlagen beitragen?

Mark Farber: Silizium sparende Technologien waren schon immer interessant, ganz besonders, weil sie die Herstellungskosten senken können. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ressourcenknappheit bieten diese Technologien darüber hinaus die Chance, die Produktionsmengen trotz des vom Silizium anhängigen Marktes zu steigern. Das Silizium wird zwar nicht ausgehen, doch Reinsilizium wird auch in den kommenden zwei bis fünf Jahren knapp sein, was die neuen Technologien noch wichtiger macht.

Blick in die vollständig integrierte Solar-Wafer, Solarzellen- und Modulproduktion bei EverQ in Thalheim (Sachsen-Anhalt ).

Blick in die vollständig integrierte Solar-Wafer, Solarzellen- und Modulproduktion bei EverQ in Thalheim (Sachsen-Anhalt), ein gemeinsames Unternehmen der Q-Cells Ag und der Evergreen Solar Inc.

Foto: Evergreen Solar Inc

Der Solarserver: Warum lohnt sich der Besuch des PV Industry Forum in Freiburg?

Mark Farber: Das Industrieforum bietet die einmalige Gelegenheit, die Perspektiven von Forschung und Wirtschaft zu verbinden. Das PV Industry Forum ist nicht ausschließlich technisch ausgerichtet, wie die wissenschaftlichen Konferenzen, doch diese Tagung wird die darauf folgende Solar-Fachmesse Intersolar 2006 um wesentliche technische Inhalte ergänzen.

Der Solarserver: Herr Farber, wir danken für diese Auskünfte.

Weitere Informationen zum PV Industry Forum 2006 unter http://www.pvindustry.de
Informationen zur Intersolar 2006 unter http://www.intersolar.de/

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  • Mechtild Rothe (MEP), Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europa
  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Frithjof Staiß, Autor des "Jahrbuchs Erneuerbare Energien 2000"
  • Bernhard Dimmler, technischer Geschäftsführer der Würth Solar GmbH & Co
  • Fritz Link , Bürgermeister der "Solar-Kommune" Königsfeld
  • Max Deml, Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST
  • Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins
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