Solar-Interviews:

BBC-Interview mit Dr. Gerhard Knies (TREC):
Vergessen Sie Öl, vergessen Sie Gas, vergessen Sie Kernkraft.
Die Energiequelle der Zukunft ist die Sonne

Dr. Gerhard Knies

Dr. Gerhard Knies gehört der Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) an, einer Initiative des Club of Rome. TREC wurde im September 2003 gegründet und entwickelte ein Konzept zur Energie-, Wasser- und Klimasicherheit in Europa, dem Nahen Osten und Nord-Afrika (kurz: EU-MENA). Das Netzwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Konzept nun zusammen mit Vertretern aus Politik, Industrie und Finanzwelt umzusetzen. Als Solar-Interview veröffentlicht der Solarserver einen Mitschrieb des Interviews mit Dr. Knies, gesendet von BBC Radio 4 am 27.11.2006

Zur Umsetzung des Konzepts organisiert der Club of Rome die Konferenz DESERTEC im Jahr 2007 unter der Schirmherrschaft von SKH Prinz Hassan bin Talal, Präsident des Club of Rome. Auch deutsche Politiker engagieren sich bereits für die Ziele von TREC. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sprach sich auf mehreren Auftritten in Montreal und Kairo für den Import von Strom aus erneuerbaren Energien in Nord-Afrika aus. Hans Josef Fell, Technologie- und Energieexperte von Bündnis 90/Die Grünen, erwirkte einen entsprechenden Fraktionsbeschluss und auf dem Bundesparteitag der Grünen wird TREC ebenfalls ein Thema sein (Änderungsantrag U-01-82).


BBC [CLAIRE BOLDERSON]: Vergessen Sie Öl, vergessen Sie Gas, vergessen Sie Kernkraft. Die Energiequelle der Zukunft ist die Sonne. Wir sprechen nicht von ein paar Panels auf dem Dach, um Badewasser zu erhitzen – wir sprechen von einer Wüste voller Spiegel. Dies ist Teil eines Planes, der heute der deutschen Regierung in einer Studie über alternative Energiequellen für Europa vorgelegt wurde. Die Studie schlägt einen massiven Ausbau der solarthermischen Kraftwerkstypen vor, wie sie derzeit in Spanien, Australien und Nevada gebaut werden. Jedoch würden diese in Nord-Afrika platziert, um Europa mit Strom zu versorgen. Die Technologie nennt sich "Concentrating Solar Power" – und Dr. Gerhard Knies, einer der an der Studie beteiligten Wissenschaftler, erklärte mir, wie sie funktioniert.

DR. GERHARD KNIES: Also, wenn man Licht bündelt – mit einer Linse oder durch Spiegel – dann entsteht ein Brennpunkt, an dem man mit Sonnenlicht sehr hohe Temperaturen erzeugen kann: 200, 300, 400 Grad Celsius. Und dies genügt, um Wasser zum Sieden zu bringen. Wenn man Wasser zum Sieden bringt, erhält man Dampf, mit dem man eine Turbine antreiben kann. Verbindet man diese Turbine mit einem Generator, so kann man Strom erzeugen.

BBC: Wie würde das aussehen? Felder voller Spiegel

KNIES: Ja, es handelt sich um Spiegelfelder. Stellen Sie sich große Parabolrinnen vor mit 10 Meter langen Spiegeln. Das Licht, das auf diese Rinnen fällt, wird durch Reflektion auf ein Absorberrohr gebündelt. Auf diese Weise wird das gesamte Sonnenlicht absorbiert und bringt Wasser zum Sieden.

BBC: Wie viel Platz würde dies benötigen?

KNIES: Nun, die typische Größe eines solchen Spiegelfeldes mag bei etwa 300 mal 1000 Metern liegen. Wenn man nun, sagen wir mal, ganz Deutschland durch solche Kraftwerke versorgen wollte, würde man für die Spiegelfelder eine Gesamtfläche von der Größe der beiden Städte Berlin und Hamburg benötigen.

BBC: Wir sprechen davon, dies zum Beispiel in Nord-Afrika zu machen. Da es um den Energiebedarf Europas geht, müssen Sie den Strom von dort nach Europa transportieren.

KNIES: Ja. Nun, Nord-Afrika ist bereits durch Stromkabel mit Europa verbunden. Dies müsste lediglich ausgebaut werden. Diese Kabel gehen durch das Meer (durch das Mittelmeer oder die Straßen von Gibraltar) und wir nutzen den Hochspannungstrick: Wenn man Energie durch ein Stromkabel transportiert und man erhöht die Spannung um das Zehnfache, dann sinken die Verluste auf ein Zehntel.

Skizze einer möglichen Infrastruktur für eine nachhaltige Stromversorgung in Europa, dem Nahen Osten und Nord-Afrika.

Skizze einer möglichen Infrastruktur für eine nachhaltige Stromversorgung in Europa, dem Nahen Osten und Nord-Afrika.

Schwerpunkt des Projekts EU-MENA ist die Erzeugung von Solarstrom durch solarthermische Kraftwerke in Wüstengebieten und von Windstrom in den Regionen der Passatwinde, so der Club of Rome in einer Pressemitteilung. Ein Teil des umweltfreundlich erzeugten Stroms soll mittels verlustarmer Hochspannungs-Gleichstromleitungen nach Europa geliefert werden.

BBC: Ist dies kommerziell nutzbar?

KNIES: Ja. Solche Kabel existieren bereits: sie werden zwischen Norwegen und Deutschland eingesetzt und an dutzenden anderen Stellen auf der Erde. Wenn man Strom entweder durch das Meer leiten oder über Strecken von mehr als 500 bis 1000 Kilometern transportieren will – dann rechnet es sich. In diesen Fällen sind solche “Hochspannungs-Gleichstromleitungen“ die bessere Wahl.

BBC: Vermutlich ist der Bau von riesigen Spiegelfeldern und die damit zusammenhängende Technologie jedoch sehr teuer?

KNIES: Natürlich ist dies teuer, aber fossile Brennstoffe werden ebenfalls teuer. Es geht also darum, zu schauen, ob die Hitze aus der Sonne wettbewerbsfähiger ist, als die Hitze aus fossilen Brennstoffen. Und bereits jetzt kostet es etwa 50 bis 60 Dollar, um soviel Sonnenhitze zu erzeugen, wie sie durch die Verbrennung eines Barrels Öl entstehen würde. Diese Technologie kann zu diesem Preis mit Öl konkurrieren. Nun spürt jeder, dass die Preise der fossilen Brennstoffe nicht nur höher sind, sondern auch weiter in unbekannte Höhen steigen werden. Und aus diesem Grund ist es um einiges sicherer, auf Solarenergie zu setzen.

Weitere Informationen unter http://www.TRECers.net/de/

 

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  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Mechtild Rothe (MEP), Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europa
  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Frithjof Staiß, Autor des "Jahrbuchs Erneuerbare Energien 2000"
  • Bernhard Dimmler, technischer Geschäftsführer der Würth Solar GmbH & Co
  • Fritz Link , Bürgermeister der "Solar-Kommune" Königsfeld
  • Max Deml, Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST
  • Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins
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