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BSi-Geschäftsführer Stryi-Hipp: kurz- bis mittelfristig deutliche Preissenkungen bei Solarstromanlagen

Gerhard Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Bundesverbands Solarindustrie (BSi)

Gerhard Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarindustrie (BSi)zur Lage auf dem Markt für Solar-Silizium, über den Stand der Diskussion ordnungspolitischer Vorgaben für die Solarwärmenutzung sowie über den Zusammenschluss der Solarverbände BSi (Bundesverband Solarindustrie) und UVS (Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft).

Gerhard Stryi-Hipp im Berliner Energieforum. Quelle: BSi

Solarserver:
Herr Stryi-Hipp, in einem Hintergrundpapier hat die UVS den gegenwärtigen Engpass bei der Siliziumproduktion und dessen Folgen für die Hersteller von Solarzellen und -modulen analysiert. Wird Solarstromtechnik knapp und deshalb teurer?

Stryi-Hipp:
Solarstrommodule sind bereits im vergangenen Jahr etwas teurer geworden und zwar ca.10 %. In diesem Jahr wird der Preis vermutlich nochmals um ca. 5% steigen. Dies hat im wesentlichen drei Ursachen: Erstens führen die sehr umfangreichen Investitionen in den Neubau und Ausbau von Produktionslinien als auch in größere und neue Vertriebsstrukturen zuerst einmal zu Mehrkosten, zweitens waren die Margen für viele Unternehmen der Solarstrombranche lange Zeit nicht ausreichend um langfristig überleben zu können und drittens sind die Rohstoffpreise für Silizium und andere Materialien teilweise drastisch gestiegen. Die Preissteigerungen für die Module waren also notwendig, um das Angebot weiter auszubauen und die Unternehmen auf eine wirtschaftlich gesunde Basis zu stellen. Sie konnten jetzt realisiert werden, weil die Rahmenbedingungen und die große Nachfrage dies zugelassen haben.

Entscheidend ist nun, dass alle drei Gründe vorübergehender Natur sind und deshalb kurz- bis mittelfristig deutlichen Preisreduktionen folgen werden. Denn erstens ist die Produktion auf den neuen, effizienteren und größeren Produktionslinien kostengünstiger möglich, sobald diese aufgebaut und eingefahren sind. Zweitens haben die Photovoltaik-Unternehmen mittlerweile die Gewinnschwelle und damit ein Preisniveau erreicht, das auskömmlich ist und drittens wird nach dem derzeitigen deutlichen Ausbau der Siliziumproduktionskapazitäten das Angebot groß genug sein, dass auch die Rohstoffpreise vermutlich wieder sinken können. Wir gehen davon aus, dass 2006, spätestens 2007 ein ausreichendes Angebot vorhanden ist und wir dann zurückkehren auf den Pfad einer durchschnittlich 5%igen Preisreduktion, die im EEG vorgegeben wurde und zu dem sich die Branche auch bekannt hat.

Solarserver:
Gibt es Alternativen für Bauwillige, die keine längeren Lieferzeiten für Module und Wechselrichter in Kauf nehmen wollen? Zum Beispiel Solarwärmeanlagen?

Stryi-Hipp:
Die Nutzung anderer erneuerbarer Energien und insbesondere der Solarwärme ist eine gute Alternative für alle Hausbesitzer und insbesondere für diejenigen, die nicht warten wollen. Der BSi arbeitet derzeit intensiv daran, den Stellenwert der Solarwärme deutlich zu erhöhen, z.B. mit der AKTION WÄRME VON DER SONNE (www.waerme-von-der-sonne.de). Denn das Problem der Wärmeversorgung wird allgemein unterschätzt. Mit Photovoltaikanlagen kann man explodierenden Öl- oder Gaspreisen nicht beikommen. Im Schnitt wird 87% des Endenergiebedarfs im Privathaushalt zur Wärmeerzeugung genutzt und nur 13% sind Stromanwendungen. Deshalb ist für uns klar, dass in Zukunft auf allen Hausdächern Solarwärme- und Solarstromanlagen nebeneinander liegen werden.

Wer also eine zukunftsfähige Energieversorgung haben und sich vor steigenden Energiepreisen schützen will, tut gut daran, zuerst eine Solarwärmeanlage zu installieren und mit der PV-Anlage nachzuziehen, wenn diese derzeit nicht lieferbar ist. Wichtig ist zu wissen, dass der Investor damit auch nichts verpasst. Denn mit sinkenden PV-Preisen wird auch künftig die Rendite für PV-Anlagen attraktiv bleiben.

 

Solarwärmeanlagen und Solarstromanlagen auf einem Dach
Die Zukunft: Solarwärme- und Solarstromanlagen auf einem Dach. Quelle: DFS.

Solarserver:
Der Photovoltaik-Boom und die kosten-orientierte Einspeisevergütung für Solarstrom haben die bewährte Technik der solaren Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung in den Hintergrund gedrängt. Wie bewertet die Branche den Solarwärmemarkt in Deutschland?

Stryi-Hipp:
Wie gesagt wird die wichtige Rolle der Solarwärme, die sie in Zukunft zweifellos spielen wird, derzeit unterschätzt. 2004 wurden 750.000 m² Solarwärmekollektoren, aber 3,3 Mio m² Solarstrommodule installiert. Das liegt natürlich auch daran, dass die Photovoltaik heute finanziell attraktiver ist bzw. eine sicherere Rendite erbringt als die Solarwärme. Das Problem ist, dass die Rendite für Solarwärmeanlagen nicht eindeutig vorausgesagt werden kann, denn heutige Investitionskosten müssen mit den künftig eingesparten Energiekosten verglichen werden. Steigt der Öl- und Gaspreis in den nächsten Jahren weiterhin mit 10% pro Jahr so wie in den letzten 5 Jahren, so sind Solarwärmeanlagen finanziell attraktiver als PV-Anlagen. Doch sicher ist dieser Preisanstieg nicht, nur die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch. Viele Hausbesitzer setzen derzeit eher auf die sicherere Geldanlage Photovoltaik.

Nachdem jedoch der erste Photovoltaik-Boom auf Basis der neuen Vergütungsregelung abgearbeitet ist, wird unseres Erachtens die Photovoltaik wieder gelassener gesehen und die Solarwärme dagegen wieder stärker wahrgenommen werden als wichtiger Baustein einer nachhaltigen Energieversorgung im Wärmebereich. Wir sehen einen kontinuierlich wachsenden Solarwärmemarkt, der mittelfristig gegenüber der der Photovoltaik wieder aufholen wird.

Solarserver:
Im vergangenen Jahr wurde immer wieder die Forderung nach einem Gesetz zur solaren Wärme laut, vergleichbar mit dem erfolgreichen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Auch Solar-Pflichten für Neubauten nach dem Beispiel Israels oder der "Ordenanca Solar" in Barcelona Solaranlagenverordnung wurden in die Diskussion eingebracht. Sind dies gangbare Wege zu einer Energiewende im Wärmemarkt?

Stryi-Hipp:
Wir brauchen eindeutig andere Förderinstrumentarien, um die Wärme aus erneuerbaren Energien mit größerer Dynamik in den Markt zu bringen. Dazu ist sowohl die Baupflicht als auch ein Wärme-EEG geeignet, Alternativen dazu sehen wir nicht. Deshalb arbeiten wir mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) und der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) auch an der Realisierung dieser gesetzlichen Regelungen. Wir sind fest überzeugt, dass die Einführung eines der beiden Instrumente zu einem ähnlichen Boom führen wird wie in der Photovoltaik im vergangenen Jahr oder der Windkraft in früheren Jahren.

Wenn die Politik also endlich erkennt, dass gegen die unverantwortlich hohe Abhängigkeit unserer Wärmeversorgung von Öl- und Gasimporten mit den zu erwartenden weiteren drastischen Preisanstiegen nur eine klare Politik "Weg vom Öl" hilft, dann werden solche Instrumente auch umgesetzt werden. Bis dahin hilft das Marktanreizprogramm und die intensive Marktbearbeitung durch die Unternehmen und die Verbände, um den Markt langsam zu entwickeln. Denn auch ohne gesetzliche Regelungen gibt es ein gutes Wachstumspotential, nur wird dies nicht ausreichen, die Marktdynamik zu entfalten, die eigentlich notwendig wäre.

Solarserver:
Im November 2004 haben die Vorstände und Geschäftsführungen der beiden führenden deutschen Solarverbände BSi und UVS die Einleitung eines Fusionsprozesses empfohlen. Mit dem Zusammenschluss beider Unternehmensverbände sollen die Kräfte gebündelt werden, um den weiter wachsenden gesellschaftlichen Anforderungen zu entsprechen. Wie weit ist der Zusammenschluss fortgeschritten?

Stryi-Hipp:
Der starke Wille zur Fusion wurde bereits im Herbst letzten Jahres von den BSi- und UVS-Vorständen bekräftigt und gemeinsame Gespräche geführt. Im November hatte die BSi-Versammlung den Vorstand beauftragt, den Prozess weiter voranzutreiben. In der folgenden Diskussion hat sich gezeigt, dass die BSi-Mitgliederversammlung noch über die Zusammensetzung des künftigen Vorstands entscheiden muss, bevor die Gespräche weiter gehen können. Am 6. April 2005 wurden nun von Seiten des BSi Hr. Dr. Hoffmann, Hr. Jäger, Hr. Salvamoser und Hr. Reitzenstein für den Vorstand des fusionierten Verbandes nominiert. Damit wurden alle Voraussetzungen geschaffen, dass die Fusion nun konkret vorbereitet und zum 1. Juli wirksam werden kann.

Solarserver: Herr Stryi-Hipp, wir bedanken uns für diese umfangreichen Auskünfte.

Solarserver-Interview: Rolf Hug

Lesen Sie zum Thema auch Solarstrom: Silizium-Alternativen auf dem Vormarsch (Solar-Report März 2005)

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  • Frithjof Staiß, Autor des "Jahrbuchs Erneuerbare Energien 2000"
  • Bernhard Dimmler, technischer Geschäftsführer der Würth Solar GmbH & Co
  • Fritz Link , Bürgermeister der "Solar-Kommune" Königsfeld
  • Max Deml, Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST
  • Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins
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