Solar-Interviews:

Solarserver-Interview mit Dyesol-Vorstand Sylvia Tulloch
über Farbstoff-Solarzellen

Sylvia Tulloch, Vorstand der Dyesol Aktiengesellschaft mit Sitz in Queanbeyan (Australien).

Im Solarserver-Interview berichtet Sylvia Tulloch, Vorstand der Dyesol Aktiengesellschaft mit Sitz in Queanbeyan (Australien) über die Entwicklung und den derzeitigen Stand der Farbstoff-Solarzellen (Photovoltaik der Dritten Generation).

Der Solarserver: Frau Tulloch, Ihr Unternehmen Dyesol will Farbstoff-Solarzellen zum kommerziellen Durchbruch verhelfen. Um was für eine Technologie handelt es sich dabei?

Sylvia Tulloch: Die Solarzellen von Dyesol zählen zur dritten Generation der Photovoltaik. Die erste Generation waren Solarzellen aus kristallinem Silizium, für die als Ausgangsmaterial Scheiben (Wafer) aus Silizium-Blöcken geschnitten wurden. Die zweite Generation sind Dünnschicht-Halbleiter, die zunächst aus amorphem Silizium und später auch aus anderen Halbleitern gefertigt wurden, beispielsweise CIGS (Kupfer, Indium, Gallium Selenid). Die dritte Generation ahmt die natürliche Photosynthese der Pflanzen nach, bei der das Chlorophyll (Blattgrün) Sonnenlicht aufnimmt. Dabei werden Elektronen vom nanostrukturierten Gewebe des Blatts aufgenommen.

Farbstoff-Solarzellen: Effizienz-Vorteile bei nicht optimaler Sonneneinstrahlung.

In Solarzellen der dritten Generation wird das Blattgewebe durch Nanopartikel aus Titandioxid ersetzt, einem Pigment, das auch in weißer Farbe und Zahnpasta verwendet wird.

Farbstoff-Solarzellen: Effizienz-Vorteile bei nicht optimaler Sonneneinstrahlung, zum Beispiel bei Nebel, Verschattung, unüblichen Neigungswinkeln sowie in Innenräumen.
Foto: Dyesol

Der Solarserver: Die nach ihrem Erfinder "Grätzel-Zelle" genannte nanokristalline Farbstoff-Solarzelle wird seit Anfang der 90er Jahres des vergangenen Jahrhunderts entwickelt. Welche Probleme mussten gelöst werden und welche Fortschritte sind inzwischen erzielt worden?

Sylvia Tulloch: Zunächst mussten Farbstoffe entwickelt werden, die über Jahrzehnte stabil sind, denn das Chlorophyll ist nicht sehr haltbar, wie wir am Beispiel von Blättern im Herbst sehen können.

Die Dyesol-Zelle ist eine elektrochemische Zelle und ähnelt im Gegensatz zu anderen Solarzellen eher einer Batterie. Das bedeutet, dass ein Elektrolyt nötig ist – und die ersten und noch immer effizientesten Elektroloyte sind flüssig. Deshalb wurden Zell- und Modulkonzepte entwickelt, die den Verlust dieser Flüssigkeiten vermeiden. Heute sind diese beiden Probleme gelöst und die Forschung und Entwicklung konzentriert sich auf andere Aufgaben:

Erstens soll ein höherer Wirkungsgrad erzielt werden, das gilt für alle drei Generationen der Photovoltaik. Zweitens werden Designs für spezielle Anwendungen entwickelt, etwa die Gebäudeintegration oder die Verwendung von Solarzellen in elektronischen Geräten. Schließlich gilt es, das Produkt im großen Stil industriell zu fertigen.

Der Solarserver: Noch liegt der Wirkungsgrad einer Farbstoff-Solarzelle deutlich unter jenem der "klassischen" Silizium-Module, die rund 90 % des Marktes ausmachen. Kann Ihre neue Technologie mit der Silizium-Technik mithalten oder gar gleichziehen?

Sylvia Tulloch: Der Wirkungsgrad der Dyesol-Zelle ist eher mit dem einer Solarzelle aus amorphem Silizium zu vergleichen als mit jenem einer Zelle aus kristallinem Silizium. Doch das wesentliche Ziel ist nicht die Effizienz an sich, sondern es sind die Kosten der Solarstromproduktion. Unsere Farbstoff-Solarzelle hat den Vorzug, bei nicht optimaler Sonneneinstrahlung effizienter zu sein, zum Beispiel bei Nebel, Verschattung, unüblichen Neigungswinkeln sowie in Innenräumen.

Der Solarserver: Eine letzte Frage, Frau Tulloch: Wann werden Dyesol-Zellen auf dem Markt sein und was werden sie kosten?

Sylvia Tulloch: Unser Kunde G24i hat angekündigt, dass er Farbstoffsolarzellen noch innerhalb eines Jahres verkaufen will, und wir erwarten, dass andere folgen werden. Dyesol hat keinen Einfluss auf die Preisgestaltung der FSZ-Module, doch ich denke, dass der Preis von Solarmodulen künftig nicht unmittelbar von der Technologie abhängen wird, sondern sich daraus ergibt, was der Markt für Solarstrom hergibt.

Der Solarserver: Frau Tulloch, wir danken Ihnen für diese Informationen.

Sylvia Tulloch wird vom 11.-13. September in St. Gallen auf der Messe "nanoeurope" präsent sein.

Das Solarserver-Interview führte Rolf Hug.

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