Solar-Interviews:

Das aktuelle Solarserver-Interview:

Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Initiativen
geben Auskunft

Nach dem Interview mit Wolf von Fabeck, dem Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins e.V. (SFV) in Aachen, den wir zur Förderpolitik und zum EEG befragt haben, stehen nun ökologische Geldanlagen im Mittelpunkt.

Max Deml, Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST, skizziert im Interview die Auswirkungen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) an der Börse. Weitere Themen sind "Solaraktien" und Kraftwerksfonds.


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Max Deml










Max Deml,
Chefredakteur
ÖKO-INVEST


"Die Solarenergiebranche steht erst am Beginn
eines sehr dynamischen Wachstums"

Der Solarserver: Herr Deml, als Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST verfolgen und kommentieren Sie die Entwicklung der Solar-Branche. Was hat das Erneuerbare Energien Gesetz, das am 1.4. in Kraft trat, bisher bewirkt?

Max Deml: Ähnlich wie bei der Einspeiseregelung für Windkraft, die vor 10 Jahren einen Boom bei deutschen Windparkbeteiligungen ausgelöst hat, ist nun ein Boom im Solarinvestmentbereich zu erkennen - auch international, da amerikanische PV-Herstellerfirmen ihre Umsätze (AstroPower z.B. rund ein Drittel) auch mit deutschen Grosskunden erzielen.

Der Solarserver: Die Aktien der börsennotierten Photovoltaik-Hersteller sind bereits Ende Februar deutlich gestiegen, z. B. die SolarWorld-Papiere - handelt es sich hier um ein kurzes Kursfeuerwerk oder ist ein neuer Trend auszumachen?

Max Deml: Der erste Kursschub war schon im Dezember/Januar erkennbar, nach dem sich die Regierungsparteien auf den Wortlaut des Gesetzes geeinigt hatten. Die SolarWorld-Aktie beispielsweise kostete im Dezember noch 12 Euro, jetzt liegt sie bei fast 50 Euro, Solon stieg von 4 auf zwischenzeitlich über 24, um dann wieder auf ein Niveau von 12 Euro zurückzufallen.

Das erste "Kursfeuerwerk" ist zwar abgebrannt, aber die Solarenergiebranche steht erst am Beginn eines sehr dynamischen Wachstums. Auch wenn die Zeit derart steiler Kurssteigerungen wie in den die letzten Monaten mit 300 oder 400 Prozent Gewinn jetzt erstmal vorüber ist, werden einige dieser Aktien langfristig noch weiter steigen.

Zum Vergleich: mit Windkraftaktien wie der vom ÖKO-INVEST zur Zeichnung empfohlenen Vestas konnte man schon - seit Mai 1998 - über 900% Gewinn erzielen, den Grossteil davon erst im zweiten Börsenjahr.

Der Solarserver: Mit der garantierten Einspeisevergütung nach dem EEG erhalten regenerative Energien eine solidere finanzielle Basis; für Solarstrom wird nun die kostenorientierte Vergütung von 99 Pfg/kWh bezahlt. Bedeutet das auch sichere Renditen für die Anleger?

Max Deml: Nein, wie überall gibt es auch im Solarinvestment einen breiten Spielraum: vom Totalverlust bis zu mehreren Tausend Prozent Gewinn ist alles möglich!

Aktienkursgewinne sind dabei eine Sache, aber zunächst sollte man die Renditen aus dem operativen Geschäft betrachten. Ein Kraftwerk ­ sei es nun für Wind oder Sonne ­ hat eine relativ leicht kalkulierbare Rendite von beispielsweise 5 bis 10 Prozent auf das eingesetzte Kapital. Mit diesem Maß sollte man eine Aktie (wie die der SAG) messen, wenn der Hauptgeschäftszweck das Betreiben solcher Kraftwerke ist.

Aber Solaraktie ist nicht gleich Solaraktie! SolarWorld beispielsweise hat ganz unterschiedliche Geschäftsbereiche und Einkommensquellen, bei denen man - wie bei der Geschäftsführung der geplanten Sonnenfonds-Kommanditgesellschaften - kaum eigenes Aktienkapital investieren muss. Im Vergleich dazu ist die SAG Solarstrom AG beispielsweise als Solarstromlieferant tätig. Das bindet sehr viel Kapital über lange Jahre bei einer relativ mageren Rendite trotz des Einspeisegesetzes. Eine Aktie wie die SAG notiert daher mit dzt. 8-9 Euro aus meiner Sicht noch zu hoch, während ich z.B. der Berliner Solon-Aktie, die von 4 auf derzeit über 12 Euro (das ist wie bei der SAG ebenfalls die Hälfte des bisherigen Höchstkurses) gestiegen ist, eine weitere Kursverdopplung zutraue. Mittelfristig dürfte die Solon-Aktie sogar mehr als das 10-fache der SAG-Aktie wert sein.

Der Solarserver: Immer wieder wird für Kraftwerksfonds geworben, zum Teil mit Renditen von weit über 10 % - der SPIEGEL witterte hier bereits "Gefahr für Gutmenschen" (SPIEGEL-ONLINE, 15.5.99). Was sollten die sogenannten Kleinanleger zu ihrer eigenen Sicherheit beachten?

Max Deml: Information ist alles! Ich kann nur jedem raten, sich nicht nur Firmenprospekte, sondern auch soviel wie möglich unabhängige Informationen zu besorgen, z.B. das Jahrbuch "Grünes Geld" (DM 39), die "Solaraktien-Kennzahlentabelle" im ÖKO-INVEST-Heft Nr. 209 vom 17. April (DM 11,-) oder ein aktuelles Probeexemplar des ÖKO-INVEST (kostenlos unter email oeko-invest@teleweb.at). Daneben gibt es noch eine Reihe von interessanten Diskussionsforen im Internet, die auch Solaraktien behandeln (z.B. die Runrik "Grüne Aktien" bei www.wallstreetonline.de oder www.ecoreporter.de). Und man sollte sich die Mühe machen, Kennzahlen wie das sog. Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zu vergleichen, das z.B. bei Solon (KUV ca. 5 auf Basis des voraussichtlichen Umsatzes 1999) derzeit rund 16-mal günstiger ist als bei der SAG (KUV ca. 80), die an der Börse mit über 40 Millionen Euro bewertet ist, obwohl sie schätzungsweise nur rund 0,5 Millionen Euro Umsatz gemacht hat.

Der Solarserver: Sie führen bei Öko-Invest eine "grau-grüne Liste", welche Unternehmen sind dort vertreten, und sind die schwarzen Schafe auch vollständig versammelt?

Max Deml: Auf dieser Liste (siehe www.oeko-invest.de) stehen derzeit rund 2 Dutzend "Öko"-Firmen, die uns als Fachredaktion Informationen auf unsere Anfragen verweigern, was ein erstes Alarmzeichen dafür ist, dass vielleicht etwas nicht stimmen könnte (einige dieser "grau-grünen" Unternehmen, vor denen wir gewarnt haben, mussten zwischenzeitlich Konkurs anmelden).
Den Umkehrschluss, dass alle Firmen, die nicht darauf stehen, seriös oder ohne grössere Risiken wären, darf man jedoch nicht ziehen. Erstens gibt es laufend neue Angebote, die wir erst prüfen müssen, zweitens gibt es aus der Sicht der Investoren hochriskante Firmen, die zwar bereitwillig informiert haben (und deshalb nicht auf der Liste gelandet sind), aber im ÖKO-INVEST entsprechend negativ analysiert worden sind.

Der Solarserver: Herr Deml, wir danken Ihnen für die bereitwilligen Auskünfte!
Die Fragen für den Solarserver stellte Rolf Hug.

Weitere Solar-Interviews:

  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Mechtild Rothe (MEP), Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europa
  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Frithjof Staiß, Autor des "Jahrbuchs Erneuerbare Energien 2000"
  • Bernhard Dimmler, technischer Geschäftsführer der Würth Solar GmbH & Co
  • Fritz Link , Bürgermeister der "Solar-Kommune" Königsfeld
  • Max Deml, Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST
  • Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins

April 2000

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