Solar-Interviews:

Das aktuelle Solarserver-Interview:

Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Initiativen
geben Auskunft

In zunächst loser Folge befragen wir Experten zu technischen und politischen Neuerungen im Umfeld der Solarenergie.
Neu ist die Form der Befragung: Unsere Interviewpartner erhalten den Fragenkatalog per E-Mail, können ohne Zeitdruck formulieren, ihre Aussagen überprüfen, und dennoch schnell zu drängenden Problemen Stellung nehmen.

Den Anfang macht Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins e.V. (SFV) in Aachen. Themen sind das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) und das 100.000 Dächer-Programm.

Die rund 2000 Mitglieder des SFV setzen sich seit 1986 für die umweltfreundliche Nutzung der Solarenergie ein. Ihr Ziel ist die vollständige Umstellung der Stromerzeugung auf die erneuerbaren Energien. Der Verein, der sich auf Solarstrom spezialisiert hat, will mit Solarkraftwerken keine neuen Flächen versiegeln; er fordert die dezentrale Stromerzeugung auf Dächern, Fassaden und Lärmschutzwänden.

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Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarengerie-Fördervereins SFV und engagierter Streiter für die Photovoltaik

Wolf von Fabeck

 

"Das Ziel ist die Energiewende"

Der Solarserver:
Herr von Fabeck, der Solarenergie-Förderverein e.V. (SFV) tritt seit langem und konsequent für die kostendeckende Vergütung von Strom aus Photovoltaik-Anlagen ein. Bedeutet das EEG - auch wenn sich Verzögerungen ergeben werden - nun den endgültigen Durchbruch?

Wolf von Fabeck:
Kostendeckende Vergütung ist kein Selbstzweck. Das Ziel des SFV ist die Energiewende, der vollkommene Ersatz von Kohle, Erdgas, Öl und Atomenergie durch die erneuerbaren Energien. Diese Aufgabe ist eine der größten Aufgaben dieser Zeit. Ihre Verwirklichung benötigt einen gewaltigen Kapitaleinsatz. In der freien Wirtschaft fließt das Kapital dorthin, wo die höchsten Renditen winken.
Wir fordern deshalb eine Rendite, die für Kapitalgeber in der Wirtschaft lohnend ist. Dieser Durchbruch wurde noch nicht erreicht. Andrerseits sollte man anerkennen, daß das EEG weltweit mit Abstand das beste Gesetz zur Förderung der Photovoltaik ist.

Der Solarserver:
Neben der kostenorientierten Vergütung nach dem EEG wird Photovoltaik auch über das 100.000 Dächer-Programm gefördert - sind wir auf dem Weg zu einer echten Kostendeckung?

Wolf von Fabeck:
Auf dem Weg sind wir schon, doch es ist ein Weg in die falsche Richtung. Für solarinteressierte Umweltfreunde, die auf eine Verzinsung ihres Eigenkapitals verzichten, d.h. die keinen Gewinn erzielen wollen, stellt das EEG in Kombination mit einem zinslosen Kredit über 100 % der Investitionssumme zwar einen schönen Anreiz dar, jetzt aktiv zu werden. (Voraussetzung ist, daß genügend Eigenkapital zur Verfügung steht, um den Kredit zurückzahlen zu können.)
Doch im Prinzip ist das 100.000 Dächer-Programm ein falscher Weg. Der bürokratische Aufwand ist immens, und schon jetzt zeigt sich wieder in den Verhandlungen mit dem Finanzministerium, daß eine Bezahlung aus Steuermitteln immer an ihre Grenzen stößt.

Der Solarserver:
Sie haben vergangene Woche in einer E-Mail-Aktion darauf hingewiesen, dass Bauwillige sich mit dem Antrag auf einen Kredit beeilen sollten - was steckt dahinter?

Wolf von Fabeck:
Zur Zeit gibt es im 100.000 Dächerprogramm einen Kredit im Umfang von 100 % der Investitionssumme. Außerdem werden die letzten beiden Halbjahresraten erlassen. Außerdem sind auch kleine und mittlere Unternehmen antragsberechtigt. Ob diese günstigen Bedingungen noch bestehen bleiben, wenn das EEG Gesetzeskraft erlangt hat, ist nach meiner Einschätzung unsicher. Es heißt, daß bis Mitte April die neuen Förderbedingungen bekanntgegeben werden.

Der Solarserver:
In den Rundmails des SFV werden im Zusammenhang mit dem EEG wieder Solarkraftwerke "auf der grünen Wiese" lebhaft diskutiert. Was hat es damit auf sich?

Wolf von Fabeck:
Meine persönliche Meinung: Ich gehe davon aus, daß es genügend freie Dach- und Fassadenflächen sowie Lärmschutzwände gibt. Deshalb sehe ich keine Notwendigkeit, Landschaft für PV-Anlagen zu verbrauchen. Ich sehe auch keine wirtschaftliche Notwendigkeit, denn der Preisunterschied zwischen Anlagen auf Bauwerken und Anlagen auf der grünen Wiese ist nur gering. Würde man wirklich Solaranlagen in größerem Umfang in die freie Landschaft stellen, so befürchte ich erhebliche Akzeptanzprobleme. Mein Vorschlag: man sollte die Vergütung für Anlagen auf Bauwerken deutlich verbessern, damit die Versuchung wegfällt, Anlagen auf der grünen Wiese zu errichten.

Der Solarserver:
Zwei letzte Fragen: Wie schätzen sie die Entwicklung des Marktes für Solarthermie und Photovoltaik in den nächsten Jahren ein? Und was muss geschehen, damit sich Solarstrom wirklich durchsetzt?

Wolf von Fabeck:
Für Solarthermie wage ich keine Voraussage. Der Markt für Photovoltaik wird einen großen Aufschwung nehmen. Solarstrom wird sich dann endgültig durchsetzen, wenn einerseits der konventionelle Strom mit den von ihm verursachten externen Kosten belastet wird und wenn die Photovoltaik andrerseits in vielen Jahren ungestörter Massenproduktion gestützt durch jeweils kostendeckende Vergütung ihr Preissenkungspotential nutzen kann.

Der Solarserver:
Herzlichen Dank für Ihre Auskünfte.
Die Fragen für den Solarserver stellte Rolf Hug.

März 2000

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  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Mechtild Rothe (MEP), Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europa
  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Frithjof Staiß, Autor des "Jahrbuchs Erneuerbare Energien 2000"
  • Bernhard Dimmler, technischer Geschäftsführer der Würth Solar GmbH & Co
  • Fritz Link , Bürgermeister der "Solar-Kommune" Königsfeld
  • Max Deml, Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST
  • Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins
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