Solar-Interviews:


Das aktuelle Solarserver-Interview:

Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Initiativen
geben Auskunft

In loser Folge befragen wir Experten zu technischen und politischen Neuerungen im Umfeld der Solarenergie. Neu ist auch die Form der Befragung: Unsere Interviewpartner erhalten den Fragenkatalog per E-Mail, können ohne Zeitdruck formulieren, ihre Aussagen überprüfen, und dennoch schnell zu drängenden Problemen Stellung nehmen.


Hans-Josef Fell (MdB), forschungspolitischer Sprecher und Energieexperte der Bundestagsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN sowie Vorstandsmitglied des "Weltrats für Erneuerbare Energien" gibt Auskunt über die Berliner Konferenz zur Einrichtung einer internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) und den neu konstituierten Weltrat (World Council for Renewable Energies).

 

Hans-Josef Fell
Hans-Josef Fell (MdB)


Der Solarserver:
Sehr geehrter Herr Fell,

die Fraktionen von CDU/CSU und FDP sowie der Bundesverband der Deutschen
Industrie (BDI) haben die am 7. Juni beschlossene Anhebung der Photovoltaik-Förderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf 1.000 Megawatt heftig kritisiert.
Worum ging es bei der Neufassung dieses Teils des EEG? Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung?
Fell: Die Vergütung für Strom aus Solaranlagen wäre nach der bisherigen Regelung ein Jahr nach dem Jahr ausgelaufen, in dem 350 MW installierter Leistung über das EEG vergütet worden wären. Ursprünglich waren wir davon ausgegangen, dass die Nachfolgeregelung länger Zeit hat. Wegen der großen Nachfrage wurde das 100.000 Dächerprogramm um ein Jahr verkürzt, damit die Anträge auch bewilligt werden konnten. Folglich werden die 350 MW bereits 2003 und nicht erst 2004 erreicht werden. Dies führte zu Unsicherheit in der Branche. Einige Unternehmen bekamen bereits keine Kredite mehr von den Banken. Selbst Konkurse konnten nicht mehr ausgeschlossen werden. Die Politik musste dringend handeln. Mit der Anhebung auf 1000 MW haben wir jetzt wieder einige wichtige Jahre gewonnen. BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN wollten den Deckel ganz beseitigen. Für diesen großen Schritt fehlte der SPD leider der Mut. Wir werden alles tun, um dies in der nächsten Legislaturperiode nachzuholen. Wir hoffen dies gemeinsam mit der Unterstützung aus der Gesellschaft zu erreichen.

Der Solarserver: Weshalb sprechen sich der BDI und die Opposition gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus?
Fell: BDI und Opposition sind gegen das EEG im Allgemeinen und gegen die hohe Photovoltaik-Vergütung im besonderen. Als Argument werden höhere Stromkosten für den Verbraucher vorgeschoben. Diese sind aber vollkommen marginal, insbesondere was die Photovoltaik angeht. Letztlich geht es hier vor allem darum, die Pfründe der Energiekonzerne zu verteidigen. Im übrigen kann jeder, der dies will, die Argumentation der Opposition auf meiner Internetseite nachlesen: www.hans-josef-fell.de Pfad: EEG/Bundestagswahl 2002
Ich kann dazu nur einladen, da es nur selten vorkommt, dass so offen gegen die Solarenergie front gemacht wird. Zumeist versucht die Opposition ihre Gegnerschaft in Worte zu umhüllen, die nur Eingeweihte nachvollziehen können.

Der Solarserver: Kann die Opposition die am 07.06. verabschiedete Änderung des Mineralölsteuergesetzes inklusive der Steuerbefreiung für Biokraftstoffe blockieren?
Fell: Dies wäre nur möglich, wenn der Bundesrat das Gesetz in den Vermittlungsausschuss überweisen würde und das Gesetz dort liegen bleiben würde, so dass dem Bundestag die Möglichkeit vorenthalten bliebe, den Bundesrat zu überstimmen. Dies ist aber nicht zu erwarten.

Der Solarserver: Wie wirkt sich das EEG auf die Stromkosten der Industrie und der Endverbraucher aus?
Fell: Die Industrie wird fast gar nicht belastet, da die Energieversorger die Kosten primär den andern Kunden zuordnen. Diese werden dann jährlich etwa in der Höhe eines Bierglases belastet. Die Photovoltaikförderung macht hiervon derzeit nochmals etwa 1 Prozent aus. Das Kostenargument der Union und der FDP gegen die Photovoltaik ist aus meiner Sicht sehr peinlich. Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) hat übrigens eine Strompreiserhöhung von 0,032 Cent je kWh ausgerechnet.

Der Solarserver: Wie lange garantiert ein "1.000 Megawatt-Deckel" die Vergütung von Solarstrom nach dem EEG?
Fell: Das hängt natürlich von der Ausbaugeschwindigkeit der Photovoltaik ab. Möglicherweise würde der Deckel 2007 erreicht werden und die Vergütung dann für Anlagen gezahlt werden, die bis Ende 2008 in Betrieb gehen. Aber wie gesagt: Der Deckel muss weg!!!
Zunächst geht es aber darum, die Wahl zu gewinnen und damit das EEG zu retten. In der nächsten Legislaturperiode wollen wir dann den Deckel ganz beseitigen, die Vergütungshöhe für kleine Biogasanlagen verbessern und den Zeitraum der gesonderten Offshore-Windenergie-Vergütung auf 10 Jahre verlängern.

Der Solarserver: Was hat die kostenorientierte Einspeisevergütung nach dem EEG bislang
bewirkt?
Fell: Seit 1999 hat sich die Zahl der Arbeitsplätze bei Erneuerbaren Energien auf 120.000 verdoppelt. Das sind mehr Arbeitsplätze als in der Atom- und Kohleindustrie zusammengenommen.
Ebenfalls verdoppelt hat sich der Umsatz bei Erneuerbaren Energien. Mittlerweile fließen jährlich 7 Mrd. € - größtenteils private Investitionen - in Erneuerbare Energien. Damit ist die Branche der Erneuerbaren Energien der wachstumsstärkste Wirtschaftszweig in Deutschland.
Der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch steigt jedes Jahr deutlich. Er liegt bereits bei über 8 Prozent. Damit können rein rechnerisch Berlin, München und Stuttgart vollständig mit Erneuerbaren Energien versorgt werden. Alleine 2002 kommt eine Stadt der Größe Kölns dazu.
Wenn die Entwicklung so weiter geht, werden wir den Anteil nicht erst bis 2010 auf 12 Prozent verdoppeln - wie ursprünglich geplant. Wir können dieses Zwischenziel bereits 2005 erreichen, wenn die heutige Wachstumsdynamik beibehalten wird.
Die Zahl der installierten Windkraftleistung hat sich von 1999 bis 2001 verdoppelt. 2001 wurden mehr als viermal so viele Photovoltaik und fast sechsmal so viele Biogasanlagen installiert wie noch 1999.
Das EEG ist das weltweit erfolgreichste Gesetz für Erneuerbare Energien. Wenn der Wähler die Erfolgsgeschichte fortsetzen will, muss er seine Stimme am 22. September für das EEG abgeben.

Der Solarserver: Herzlichen Dank für Ihre Auskünfte.

Die Fragen für den Solarserver stellte Rolf Hug.

Juni 2001

Weitere Solar-Interviews:

  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Mechtild Rothe (MEP), Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europa
  • Hans-Josef Fell, (MdB) forschungspolitischer Sprecher; Bündnis 90/DIEGRÜNEN
  • Frithjof Staiß, Autor des "Jahrbuchs Erneuerbare Energien 2000"
  • Bernhard Dimmler, technischer Geschäftsführer der Würth Solar GmbH & Co
  • Fritz Link , Bürgermeister der "Solar-Kommune" Königsfeld
  • Max Deml, Chefredakteur des Informationsdienstes ÖKO-INVEST
  • Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins
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