Solar-Reports:

Photovoltaik-Trends 2010: Weltweites Wachstum;
Verunsicherung auf dem deutschen Markt

von Rolf Hug
10.03.2010

Nachdem sich die Regierungskoalition aus Union und FDP in der letzten Februarwoche 2010 im Koalitionsausschuss über die künftige Photovoltaik-Förderung in Deutschland verständigt hat, zeichnet sich eine deutliche zusätzliche Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom zum 1. Juli ab. Zudem sollen Photovoltaik-Großanlagen auf Ackerflächen nach dem Willen der Bundesregierung künftig nicht mehr gefördert werden. Wie sich der bislang äußerst dynamische deutsche Photovoltaik-Markt unter den veränderten Rahmenbedingungen entwickeln wird, und ob das noch im November 2009 in der Sarasin-Studie prognostizierte Wachstum von 15 bis 20 % erreicht werden kann, ist ungewiss. So rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) mit einem irreparablen Schaden für Deutschlands Solar-Industrie und sieht die Existenz tausender der in den letzten Jahren neu geschaffenen 60.000 Arbeitsplätze gefährdet. Der Chef der Bonner Solarworld AG, Frank H. Asbeck, hingegen erwartet laut einem Bericht der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine Zeitung (HNA) keine Nachteile durch die geplante Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom. Asbeck rechnet für dieses Jahr sogar mit der Neuinstallation von 5.000 Megawatt (MW) Photovoltaik-Leistung in Deutschland, nach 3.500 MW im bisherigen Rekordjahr 2009.
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Solarpark Straßkirchen, mit 54 MWp die größte 2009 fertiggestellte Photovoltaik-Anlage. Photovoltaik-Kraftwerk in den USA.
Links: Solarpark Straßkirchen, mit 54 MWp die größte 2009 fertiggestellte Photovoltaik-Anlage. Rechts: Photovoltaik-Kraftwerk in den USA. Quellen:Q-CELLS International GmbH; Greentech Media Research.

Globale Nachfrage kann deutsches Marktvolumen nicht kompensieren

Dass der deutsche Markt im Sommer ins Stocken geraten könnte, befürchtet auch das US-Marktforschungsunternehmen iSuppli. Die Spitzenstellung, die Deutschland mit 50 Prozent Anteil am Photovoltaik-Zubau 2009 hält, ist nach Ansicht der Marktforscher so bedeutend, dass die gesamte Photovoltaik-Nachfrage aus anderen Ländern nicht ausreiche, um die eventuellen Folgen einer um 15 Prozent gesenkten Solarstrom-Einspeisevergütung in Deutschland auszugleichen.

Photovoltaik-Weltmarkt: Die Zeichen stehen auf Wachstum

Indes eröffnen die Photovoltaik-Märkte in den USA, China, Indien und Japan, aber auch in Süd- und Osteuropa neue Wachstumspotenziale. Der Solar-Report beleuchtet im März 2010 aktuelle Marktentwicklungen, ein Solar-Report zu weltweiten Technologie-Trends ist für April geplant.

Rasanter Preisverfall sorgt für attraktive Rahmenbedingungen

Nach der Stagnation des globalen PV-Marktes im vergangenen Jahr geht die Nachhaltigkeitsstudie der Bank Sarasin mit dem Titel "Solarwirtschaft – grüne Erholung in Sicht" für 2010 von einem weltweiten Photovoltaik-Wachstum von bis zu 45 % aus, da sich die Solarenergie mehr und mehr von staatlichen Anschubförderungen emanzipiere und sich schnell in Richtung Netzparität von Solarstrom bewege. Deutschland erlebte 2009 eine regelrechte Überflutung von neuen Photovoltaik-Anlagen, da durch den rasanten Preisverfall die Rahmenbedingungen ab dem zweiten Quartal immer attraktiver wurden. Insbesondere chinesische Solarmodule wurden immer günstiger, und die Preisdifferenz zu den europäischen Modulen wuchs. Während europäische PV-Produzenten den enormen Kosten- und Margendruck besonders zu spüren bekommen, profitieren die asiatischen Solarzellen- und Modulhersteller von ihren niedrigen Produktions- und Finanzierungskosten.

Photovoltaik-Produktion bei Inventux in Berlin. Photovoltaik-Produktion von Evergreen Solar in Devens (USA).
Links: Photovoltaik-Produktion bei Inventux in Berlin. Quelle: Inventux Technologies AG. Rechts: Photovoltaik-Produktion von Evergreen Solar in Devens (USA). Quelle: Evergreen Solar, Inc.

Produktionskapazitäten wachsen weiter, vor allem in Asien

Laut einer Studie des US-Beratungsunternehmens IMS Research wird der Weltmarkt für Photovoltaik-Produktionsanlagen bis 2013 gegenüber 2008 um rund 80% wachsen. Hatte der globale Markt für Anlagen zur Photovoltaik-Produktion im Jahr 2008 noch einen Umfang von rund fünf Milliarden US-Dollar, so soll sein Volumen 2013 die neun Milliarden Dollar-Marke überschreiten. Asien, insbesondere China, wird laut IMS Research voraussichtlich der wichtigste Wachstumsmotor sein und bis 2013 mehr als die Hälfte der Umsätze mit Photovoltaik-Produktionsanlagen generieren.  Die Zulieferer der Modulhersteller sähen in naher Zukunft eine deutliche Verlagerung des Marktes nach Asien, und ihr wesentliches Ziel sei die Minimierung der Lohnkosten, welche mit der Auslagerung der Produktion nach Asien leicht erreicht werden könne, so die Marktforscher. Da außerdem mehr und mehr Nutzer der PV-Produktionsanlagen in Asien sitzen, trage auch dies zur Senkung der Logistik-Kosten bei.

iSuppli rechnet mit 8,3 Gigawatt Zubau und 64 Prozent Wachstum

Für Photovoltaik-Endverbraucher hat die Minimierung der Kosten von Solarzellen und Photovoltaik-Modulen pro Watt höchste Priorität. PV-Hersteller setzen deshalb verstärkt auf die Automatisierung und Effizienzsteigerung, die wesentlich zur Senkung von Kosten beitragen können. Dieser enorme Preisverfall hat für die Branche auch weiterhin zur Folge, dass Anbieter vermehrt die Kosten senken müssen, um mit den Preissenkungen mitzuhalten und verkleinerte Gewinnspannen auszugleichen. "Wenn die Preissenkungs-Programme schließlich die Preissenkungsrate einholen, kann mit einer generellen Verbesserung der Gewinne gerechnet werden", erläutert Henning Wicht, Photovoltaik-Chefanalyst des globalen Marktforschungsunternehmens iSuppli. "Die weltweit installierte Photovoltaik-Leistung wird 2010 um 64 Prozent steigen und 8,3 Gigawatt erreichen. Das bringt uns zurück zum Wachstum vor dem Absturz im Jahr 2008, da die weltweite Rezession zurückgeht und neue Märkte und Nachfrage entstehen", fügt Wicht hinzu.
Photovoltaik-Produktion bei Solarfun. Der Stammsitz von Suntech in Wuxi, China.
Links: Photovoltaik-Produktion bei Solarfun. Foto: Solarfun Power Holdings Co. Rechts: Der Stammsitz von Suntech in Wuxi, China. Quelle: Suntech Power Holdings Co.

"Einige neue Wachstumsmärkte kommen 2010 ins Spiel, darunter an erster Stelle USA, Italien und der Spätzünder China. Zusammen machen diese drei Märkte die Hälfte des für 2010 prognostizierten Wachstums aus", sagt Wicht. Auf dem Photovoltaik-Markt würden dieses Jahr zudem mehr und neue Akteure aktiv, angeführt von den südkoreanischen Unternehmen Samsung und LG Electronics, den weltgrößten Herstellern von Flachbildschirmen, die große Erfahrung bei der Übernahme neuer Geschäftsbereiche haben.

Photovoltaik-Markt in den USA gewinnt rapide an Dynamik

In den kommenden vier Jahren wird die PV-Nachfrage in den USA im Vergleich zu allen anderen größeren Märkten am schnellsten wachsen, erwartet das Marktforschungsunternehmen Greentech Media Research. Nach einem Basis-Szenario wird die Nachfrage nach Solarstromanlagen 2012 auf 1.515 MW wachsen, mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von 48 Prozent zwischen 2008 und 2012. Ein optimistisches Szenario geht sogar von einer Nachfrage von bis zu 2.022 MW im Jahr 2012 aus. In diesem Zeitraum könnten die Vereinigten Staaten Spanien überholen und nach Deutschland zum zweitgrößten PV-Markt der Welt werden.

Investitionen im US-Photovoltaikmarkt verdreifachen sich bis 2012; Sekundäre Nachfragemärkte gewinnen an Bedeutung

Nach dem Basis-Szenario werden die Investitionen in US-amerikanische PV-Projekte im Jahr 2012 rund sechs Milliarden US-Dollar erreichen, ausgehend von 2,35 Milliarden Dollar im Jahr 2009. Das durchschnittliche jährliche Wachstum liegt bei 37,6 Prozent. Die Investitionen in Photovoltaik-Projekte im Kraftwerksmaßstab wachsen am stärksten, um 56 Prozent pro Jahr, und erreichen 2012 ein Volumen von 1,48 Milliarden US-Dollar. Allein SunEdison, Tochterunternehmen des Photovoltaik-Konzerns MEMC, meldet volle Auftragsbücher für Solarkraftwerke mit einer Leistung von mehr als 100 MW im Jahr 2010. Im optimistischen Szenario erreichen die Gesamtinvestitionen 8,17 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012, bei einer jährlichen Steigerung um 41,1 Prozent.

Computersimulation des Tri-State Solarkraftwerks im Nordosten von New Mexico. Photovoltaik-Module in Albuquerque.
Links: Computersimulation des Tri-State Solarkraftwerks im Nordosten von New Mexico. Quelle: First Solar Inc. Rechts: Photovoltaik-Module in Albuquerque. Quelle: SCHOTT Solar.

Obwohl Kaliforniens Marktanteil mit rund 50 Prozent der US-Gesamtleistung relativ stabil bleiben wird, gewinnen neue Absatzmärkte in anderen Bundesstaaten zunehmend an Bedeutung. Hierzu zählen Arizona, New Jersey, New Mexico, New York, Nevada und Massachusetts.

Solar-Boom in Ontario

Seit Ontario am 14. Mai 2009 den "Green Energy Act" mit Einspeisetarifen für Solarstrom verabschiedet hat, entwickelt sich die kanadischen Provinz zu einem neuen Schwerpunkt der Solarindustrie in Nordamerika. Zahlreiche internationale Unternehmen wollen vor Ort produzieren und am dortigen Solar-Boom teilhaben. Das ehrgeizigste Vorhaben präsentierte der Energieminister von Ontario, Brad Dugui, gemeinsam mit der Samsung C&T Corporation, die Photovoltaik-Kraftwerke mit einer Nennleistung von 500 MW bauen will. Q-Cells International Canada, eine Tochtergesellschaft des deutschen Photovoltaik-Unternehmens Q-Cells SE (Bitterfeld-Wolfen), hat den Zuschlag für den Bau von zwei Photovoltaik-Anlagen mit einer Nennleistung von jeweils zehn Megawatt (MW) in Sault Ste. Marie in der kanadischen Provinz Ontario erhalten. Der vertikal integrierte Anbieter von Solarwafern, Solarzellen und Solarmodulen, Candian Solar Inc., plant eine Modulfabrik mit einer Produktionskapazität von 200 Megawatt (MW) in Ontario.
Photovoltaik boomt in Ontari

Photovoltaik boomt in Ontario:

Baustelle des 20 Megawatt-Solarkraftwerks, das Enbridge und First Solar nahe Sarnia (Ontario) entwickeln.

Foto: First Solar Inc.

China auf dem Weg zu einem der größten Solarmärkte der Welt

Dass sich der Umstieg auf erneuerbare Energien sowohl ökologisch als auch ökonomisch lohnt, hat die Politik in China längst entdeckt und fördert die Photovoltaik im Rahmen des "Golden Sunlight"-Programms mit kräftigen Subventionen und garantierten Einspeisevergütungen. Vor diesem Hintergrund rechneten Analysten damit, dass China rasch eine installierte Photovoltaik-Leistung von mehreren Hundert Megawatt erreichen könnte. Im Jahr 2008 wurden lediglich 50 Megawatt installiert.

Das Solar-Kraftwerk Xunzhou erstreckt sich auf 400.000 Quadratmetern Hügelland nahe der Stadt Xuzhou in der chinesischen Provinz Jiangsu

Foto: Das Solar-Kraftwerk Xunzhou erstreckt sich auf 400.000 Quadratmetern Hügelland nahe der Stadt Xuzhou in der chinesischen Provinz Jiangsu. Das Photovoltaik-Kraftwerk mit einer Nennleistung von 20 MW soll jährlich rund 26.000.000 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom produzieren. Laut Satcon handelt es sich hierbei um das aktuell größte Solar-Kraftwerk Chinas.
Quelle: Satcon Technology Corporation

Im Frühjahr 2010 wurde angekündigt, dass die Hauptstadt Peking symbolträchtig zu einer der ersten Solar-Städte des Landes werden soll. Einige Vorhaben seien bereits von der zuständigen städtischen Kommission genehmigt worden. Dennoch wird die heimische Produktionskapazität die Nachfrage in China weiterhin deutlich überwiegen. Laut GTM Research wird im Jahr 2011 vermutlich rund ein Gigawatt Photovoltaik-Leistung in China installiert sein, wovon der Großteil durch die Einführung des landesweiten Solarstrom-Einspeisetarifs angestoßen werden wird.

Photovoltaik-Nachfrage in China (netzgekoppelt und netzunabhängig) im Vergleich zur Entwicklung der heimischen Produktionskapazität in MW.
Photovoltaik-Nachfrage in China (netzgekoppelt und netzunabhängig) im Vergleich zur Entwicklung der heimischen Produktionskapazität in MW (laut Basis-Szenarium bzw. bei engagiertem PV-Ausbau). Quelle: GTM

Japan beschleunigt Photovoltaik-Zubau durch Anreizprogramme

Die japanische Regierung führte im April 2009 die Förderung für Photovoltaik-Installationen in Privathaushalten wieder ein, verkündete feste Solarstrom-Einspeisetarife ab dem 01.11.2009 und verdoppelte damit den inländischen Photovoltaik-Umsatz gegenüber 2008. Nach Angaben des japanischen Photovoltaik-Verbandes JPEA wurden 2009 Solarstromanlagen mit einer Leistung von rund 0,5 Gigawatt (GW) installiert. Nach offiziellen japanischen Quellen betrug die durchschnittliche Bezuschussung für Photovoltaik-Anlagen im Jahr 2009 rund 2.200 Euro pro installiertem Kilowatt Nennleistung (kWp), bei Gesamtkosten zwischen 5.000 und 5.700 EUR/kWp. Nach den Abnahmeregelungen für Strom aus PV-Systemen erwerben Japans zehn regionale Energieversorgungsunternehmen Solarstrom von privaten Hauseigentümern zu einem festen Preis von 0,35 Euro / kWh. Solarstrom von gewerblichen Einrichtungen wird mit 0,18 Euro / kWh vergütet. Aufgrund der attraktiven Förderbedingungen kann in Japan auch 2010 mit einem PV-Zubau in der Größenordnung von mehreren hundert Megawatt gerechnet werden.

Die japanischen PV-Produzenten Kyocera, Showa Shell und Mitsubishi Electric haben den massiven Ausbau ihrer Produktionskapazitäten angekündigt, um sowohl den heimischen als auch die internationalen Märkte zu bedienen.

Indien "Solar-Mission" für 20 Gigawatt bis 2022

Im Zuge einer weit  reichenden Initiative und mit neuen Gesetzen zur Entwicklung der Solarenergie-Nutzung will Indien bis zum Jahr 2022 rund 20.000 Megawatt Solar-Kapazität  installieren. Für die erste Phase der Mission mit einem Gesamtvolumen von 13 Milliarden Euro hat die Regierung netzgekoppelten Projekten mit einer Nennleistung von 1.100 MW und Insellösungen mit 200 MW zugestimmt. Zusätzlich wird die Mission sich auf Forschung und Entwicklung sowie auf die Schulung von Arbeitskräften konzentrieren, um die heimische Wirtschaft in die Umsetzung der Mission einzubeziehen. Demnach ist in den kommenden zwei Jahren mit einem kräftigen Ausbau der Photovoltaik-Produktion in Indien zu rechnen. Das Unternehmen KSK Surya Photovoltaic beispielsweise kauft zwei "SunFab"-Produktionslinien für Dünnschicht-Photovoltaikmodule von Applied Materials mit einer jährlichen Produktionskapazität von 150MW.

Der Technologiekonzern Moser Baer und das Solar-Unternmehmen KSK Surya Photovoltaic produzieren in Indien mit "SunFab"-Produktionslinien für Dünnschicht-Photovoltaikmodule von Applied Materials.

Der Technologiekonzern Moser Baer und das Solar-Unternmehmen KSK Surya Photovoltaic produzieren in Indien mit  "SunFab"-Produktionslinien für Dünnschicht-Photovoltaikmodule von Applied Materials.

Foto: Applied Materials

Solar Semiconductor hat bereits mit der Photovoltaik-Fertigung begonnen, nachdem es über mehrere Jahre laufende Kaufverträge über mono- und multikristalline Solarzellen mit Q-Cells und Bosch Solar Energy geschlossen hat. Tata BP Solar und North Delhi Power Ltd. (NDPL) sind eine Partnerschaft zum Bau von Solar-Kraftwerken in Delhi eingegangen. Das Marktforschungsunternehmen Gartner rechnet damit, dass weltweit aktive Solar-Produzenten und ihre Zulieferer in den schnell wachsenden indischen Markt investieren werden und geht davon aus, dass dieser Trend auch 2010 andauern wird, wenn mehr und mehr globale Solar-Hersteller Fabriken in Indien bauen werden.

Wachstumsmarkt Südeuropa

Italien und Frankreich konnten sich mit kräftigen Wachstumsraten als Motor des europäischen Photovoltaik-Markts etablieren, während Spanien aufgrund begrenzter Solar-Förderung nur ein verhaltenes Wachstum aufweisen konnte. Das Wachstum der Photovoltaik in Südeuropa, mit einer bis zum Jahr 2020 vorhergesagten installierten Leistung von 38 Gigawatt (GW), könnte dem globalen Markt den Weg aus der Krise weisen, so ein Ergebnis der neuen Studie des Marktforschungsunternehmens Emerging Energy Research.

EER-Prognose des PV-Zubaus in Südeuropa.

Nach Deutschland, das 2009 mit 67 % der neu installierten Photovoltaik-Leistung führender Solarstrom-Markt Europas war, rechnen die Marktforscher für Südeuropa mit einem Anteil von 25 % am europäischen Markt. EER erwartet in Südeuropa bis 2020 eine installierte PV-Nennleistung von 47 GW, was im Vergleich zu den derzeit installierten 9 GW ein erhebliches Wachstum bedeutet. Wesentlich hierfür sind laut EER die Verlässlichkeit der Solarstrom-Einspeisetarife, langfristige nationale Zielvorgaben für die Photovoltaik und eine unbeständige Strompreisentwicklung.
Grafik: EER-Prognose des PV-Zubaus in Südeuropa.

Italien wird den südeuropäischen PV-Markt anführen, deutliches Wachstumspotenzial in Frankreich

Mit klaren staatlichen Initiativen und seinem verlässlichen und transparenten System von Förderprogrammen für die Photovoltaik hat auch Frankreich eine gute Grundlage geschaffen, um sich als stabiler Solar-Markt zu etablieren. Für Frankreich rechnet EER nach einer relativ trägen Marktentwicklung, die sich bis zum Juni 2009 in nur 128 Megawatt (MW) neu installierter Photovoltaik-Kapazität niederschlug, künftig mit starker Aktivität. Bis 2012 sei eine jährlich neu installierte Nennleistung von mehr als 800 MW in Frankreich möglich. In Spanien, das den weltweiten PV-Markt im Jahr 2008 mit einer installierten Leistung von 2,8 GW beherrscht hatte, erwartet EER wegen der staatlichen Neufassung der Einspeisetarife nur 125 MW neu installierter PV-Kapazität.

Laut Marktstudie kämpft Griechenland mit Problemen beim Genehmigungsverfahren, könnte aber an der Schwelle stehen, sich als südeuropäischer Wachstumsmarkt zu etablieren. Die griechische Regierung bemühe sich um Strategien zur Förderung des PV-Markts, ohne die Fehler Spaniens zu wiederholen. Deshalb werde in Griechenland im Jahr 2010 mit einem starken Wachstum gerechnet. Dies hängt laut EER jedoch davon ab, ob die Behörden die derzeit zur Genehmigung anstehenden Photovoltaik-Projekte mit einer Gesamt-Nennleistung von 3,7 GW bearbeiten können wird. "Der griechische Markt ist an einem Scheidepunkt. Entweder wird er im Jahr 2010 explodieren oder an der griechischen Bürokratie scheitern".

1 MW-Solarkraftwerk in Acquaviva Delle Fonti (Apulien) Solarpark in Vaglio di Basilicata (Provinz Potenza).

Links: 1 MW-Solarkraftwerk in Acquaviva Delle Fonti (Apulien). Foto: Isofoton S.A. Rechts: Solarpark in Vaglio di Basilicata (Provinz Potenza). Foto: Martifer Solar

Enormes Photovoltaik-Wachstumspotenzial in der Tschechischen Republik, Ansätze in Belgien und der Türkei

Zu den neuen, wachstumsstarken Märkten in der EU zählen auch die Tschechische Republik und Belgien. Der tschechische Staat fördert die Photovoltaik kräftig: Photovoltaik-Anlagen erhalten für den eingespeisten Solarstrom pro Kilowattstunde etwas weniger als 0,50 EUR. Die Einspeisevergütung wird für 20 Jahre garantiert. 2009 gingen mehrere Megawatt-Anlagen an das Netz. Auch in Belgien, dort waren bis 2009 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 100 Megawatt in Betrieb, sind Megawatt-Projekte geplant, wobei ein Trend zu großen Aufdach-Solarstromanlagen sichtbar ist.

Photovoltaik-Kraftwerk in Stribro, Tschechische Republik. Photovoltaik-Dachanlage im Werk im tschechischen Poříčí nad Sázavou.
Links: Photovoltaik-Kraftwerk in Stribro, Tschechische Republik. Foto: ANTARIS-SOLAR GmbH & Co. KG. Rechts: Photovoltaik-Dachanlage im Werk im tschechischen Poříčí nad Sázavou. Foto: KEMPER GmbH

Auch die Türkei könnte künftig zu einem sehr attraktiven Markt für die Solar-Industrie werden, denn sie zählt  zu den Ländern mit der höchsten Sonneneinstrahlung der Welt und ist mit über 70 Millionen Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten Länder Europas. Die sich weiter industrialisierende Wirtschaft sorgt für einen stetigen Anstieg des Wohlstandsniveaus und lässt damit den Energiebedarf ständig steigen. Allein der türkische Strommarkt wächst jährlich um 7 %. Um unabhängiger von Energieimporten zu werden, kündigte die türkische Regierung bereits 2009 an, die Einspeisetarife für Strom aus erneuerbaren Energien zu erhöhen. Welche Impulse dies für die Photovoltaik liefert, ist derzeit jedoch nicht absehbar.

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