Solarserver-Standpunkt:

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Schwarze Löcher: Die Finanzindustrie im Strudel der Zeit -
eine satirische Betrachtung von Dietmar Helmer

30.09.2008

Dietmar Helmer, Initiator des "Bürgerprojekts Photovoltaik" im baden-württembergischen Remseck, und hauptberuflicher Kreditanalyst.

Dietmar Helmer, Initiator des "Bürgerprojekts Photovoltaik" im baden-württembergischen Remseck, und hauptberuflicher Kreditanalyst untersucht im Solarserver-Standpunkt den Zusammenhang zwischen Schwarzen Löchern, der globalen Finanzkrise und einer nachhaltigen Energieversorgung.

Sein Fazit: Frisches Geld für die Nachhaltigkeit statt Milliarden für die Geldjongleure.

Es sind gerade sehr hedgige (hektische) Zeiten in der Finanzwelt. LHC - Limited High Capital oder etwa der Large Hadron Collider (LHC) der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) ist eine mögliche Ursache für die Unruhen. Angeblich kann niemand erklären, wie es dazu kommt, dass ganze Finanzinstitutionen verschwinden, obwohl das Experiment in New York und nicht in "Philadelphia" stattfindet. Das Schwarze Loch soll nach verschiedenen Weissagungen aus informierten Kreisen möglicherweise auch auf die Realwirtschaft "überswapen" (überschwappen). Wissenschaftler haben uns gewarnt, dass der "Teilzeitbeschleuniger" im Cern möglicherweise zu Schwarzen Löchern führt. Es kann kein Zufall sein, dass dieser Energie- und Geldfresser am 10.09.2008 angeschaltet wurde und unmittelbar danach ein partielles Schwarzes Loch in der Finanzindustrie entstand. Nun dürften auch die Verschwörungstheoretiker endgültig zufrieden gestellt sein. Eine "Kathedrale der Optionen" (Lehman Brothers) erlag am Montag 15.09.2008 ihren Konstruktionsmängeln, nachdem sich am Wochenende die Teilereignisse beschleunigt hatten. Es zeigte sich am 25.09.2008, dass zuviel Wa-ge-mu-t (WaMu - Washington Mutual) zu einem Kollaps führen kann.

In der neutralen Schweiz hat man L-Brothonen (Lehman Brothers; Protonen) und H-Bosonen* (HBOS) aufeinander geschossen. Nun wundern sich alle, dass ein Teil der hedgigen Finanzwelt durch die freigesetzten unbekannten Energien verschlungen wird. Nicht nur L-Brothonen, H-Bosonen, viel "heiße Luft" und virtuelle Finanzinnovationen wurden angesaugt, sondern auch die Alitalia geriet in den Strudel, sodass deren Flügel gestutzt wurden. Die hitzigen Gemüter und heißen Debatten führten zu einer "Klimaerwärmung" im Aggregat, sodass der Teilchenbeschleuniger am 18.09.2008 abgestellt werden musste.

700 Milliarden Dollar für die Geldjongleure

Die Gelddruckerpressen der Welt konnten wieder angeworfen werden, um mit zunächst 180 Milliarden Dollar die virtuellen Räume der Finanzwelt zu füllen. Wie heißt es so schön: "Je oller desto Dollar". Am Freitag 19.09.2008 kam es den" Zurückgebliebenen" vor wie eine Wiedergeburt, als ein Nachfolger von Paulus die Verkündung einer frohen Botschaft verbreitete: Paulus' Sohn (Henry Paulson) ist bereit, den Geldjongleuren 700 Milliarden Dollar zu überweisen. Im Gegenzug schickt die Finanzindustrie ebenfalls mit Zahlen bedruckte Papiere zurück, im Fachjargon auch als Zertifikate oder Derivate bekannt. Den Finanzvirtuosen soll auf diese Weise ein "Second Life" ermöglicht werden. Reales Geld für virtuelle Finanzprodukte in einer virtuellen Finanzwelt. Wie soll Pauls Sohn auch anderes handeln, sitzt ihm doch hinter dem Busch (George Bush) der Ben im Nacken (Ben Bernanke).

Privatwirtschaftlich erzeugter Schuldenberg als "Geschenk" für die nachfolgenden Generationen

Es ist erstaunlich, dass ausgerechnet der Teil der Finanzindustrie und dessen Manager – bekannt auch als die "Beherrscher des Universums"("Masters of the Universe") - die für das Schwarze Loch verantwortlich sind, sich für unbesiegbar hielten und diesen privatwirtschaftlich erzeugten astronomischen Schuldenberg nun auf die nachfolgenden Generationen verlagern wollen. Diese Lynch-Justiz (Merrill Lynch) darf nicht mit anderen Mitteln fortgesetzt werden. Doch die Universal Swap Association (USA) lernt nicht aus ihren Fehlern. Der administrative Wortführer King Henry (Paulson) soll mit weitgehenden Machtbefugnissen ausgestattet werden.

Paulson war viele Jahre lang der Center Execution Operator (CEO - chief executive officer) der Vereinigung (Geld)Gold-manischer (Angel-)Sachsen (Goldman Sachs) und somit Teil des Problems. Es erscheint fraglich, ob er tatsächlich die Dimensionen der Folgen seines jetzigen Handelns erkennen kann. Denn schon Albert Einstein sagte: "Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." Aber wenigstens ist das Schwarze Loch zunächst scheinbar durch ein Wurmloch in die Zukunft verschwunden. Wahnsinn mit Methode, stetigem Bemühen, bestem Wissen und ohne schlechtes Gewissen.

Nachhaltigkeit braucht einen "Klimawandel" zugunsten zukunftsorientierter Industrien

Nachhaltige Entwicklung muss endlich Vorrang vor kurzfristigem Denken bekommen. Angst war in solchen Situationen noch nie ein guter Ratgeber, insbesondere wenn Entscheidungen aus blankem Entsetzen entstehen. Der Finanz-Krake wäre endlich angebunden in seiner Schuldenfalle, sodass die reale Wirtschaft wieder eigenständige Entfaltungsmöglichkeiten entwickeln könnte. Wenn es möglich ist, dass Amerika ad hoc 700 Milliarden Dollar frisches Geld druckt, um den Finanzzirkus neu zu eröffnen, dann frage ich mich, warum es seit Jahren nicht möglich ist, einen solchen Betrag für den Aufbau neuer, zukunftsorientierter und nachhaltiger Industrien zu verwenden. Wir brauchen einen "Klimawandel". Mit Fördergeldern dieser Größenordnung löst man Investitionen von mindestens 7.000 Milliarden Dollar aus. Wir bräuchten nicht mehr darüber zu diskutieren, ob der Energiewandel mit erneuerbaren Energien möglich wäre. Er würde stattfinden - innerhalb eines Jahrzehnts.

"Heiße Luft" der Finanzinnovationen im BHKW?

Die Finanzwelt zu retten, die seit Jahren am "Münchhausen-Syndrom" leidet und sich "am eigenen Schopf" aus dem Schwarzen Loch zu ziehen versucht, dafür macht die amerikanische Administration sich stark. Dieselbe Kraft für die Menschen und die Umwelt aufzubringen, ist offensichtlich nicht gewollt. Könnte man die gesamte "heiße Luft" der sogenannten Finanzinnovationen der letzten 10 Jahre in einem Blockheizkraftwerk in Wärme und Strom umwandeln, wäre die weltweite CO2-freie Energieversorgung auf Jahrzehnte gesichert.

Dietmar Helmer
www.buergerstrom.org

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