Solarserver-Standpunkt:

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Offener Brief an den
hessischen Ministerpräsidenten
ROLAND KOCH

1.500 Unterschriften gegen Ihre Pro-Atom-Politik und für den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien

von Fabio Longo
08.08.2006

Fabio Longo (SPD)

Vor dem Hintergrund der Beinahe-Katastrophe im AKW Forsmark übergibt der Juso-Unterbezirk Marburg-Biedenkopf 1.500 Unterschriften der Aktion "Erneuerbare Energien statt Atom", die anlässlich des Tschernobyl-Gedenktags gesammelt wurden, an den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU).

Fabio Longo, Vorsitzender des Juso-Unterbezirks Marburg-Biedenkopf, ist auch Vorstandsmitglied der gemeinnützigen europäischen Vereinigung EUROSOLAR e.V.

SEHR GEEHRTER HERR MINISTERPRÄSIDENT,

hiermit möchte ich Ihnen im Namen des Juso-Unterbezirks Marburg-Biedenkopf
und - über Parteigrenzen hinweg - im Namen der vielen ErstunterzeichnerInnen
1.500 Unterschriften gegen Ihre Pro-Atom-Politik und für den konsequenten
Ausbau erneuerbarer Energien überreichen.

Ganz aktuell macht die Beinahe-Katastrophe im schwedischen Atomkraftwerk
Forsmark deutlich, wie unverantwortlich Ihre gesamte Energiepolitik ist.
Nicht nur in Forsmark, sondern auch im hessischen Biblis ist die Gefahr
einer Kernschmelze gegenwärtig.

Umso unverständlicher ist Ihre gebetsmühlenartig vorgetragene Forderung nach
einer Laufzeitverlängerung für die beiden Schrottreaktoren in Biblis ? und
geradezu zynisch Ihre Forderung nach einem Neubau von Atomkraftwerken.

20 Jahre nach der verheerenden Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, der
bereits rund 70.000 Menschen zum Opfer gefallen sind und Jahr für Jahr
hunderte weitere Menschen zum Opfer fallen, kann es nur eine Antwort auf die
Lösung der Energiefrage geben: der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien
und der endgültige Ausstieg aus der Atomenergie.

Doch Ihr Atomlobbyismus ist der Versuch, diese Energiewende zu blockieren zum Schaden des Wirtschafts- und Technologiestandorts Nord- und Mittelhessen. Schon knapp 2.500 Arbeitsplätze sind zwischen Marburg und Kassel im Bereich dezentraler und erneuerbarer Energietechnologien entstanden (zum Vergleich: 900 Arbeitsplätze in Biblis). Das Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechnologien e.V. (deENet) zählt auch die Erfolgsunternehmen Wagner Solartechnik in Cölbe und SMA Technologie AG in Niestetal bei Kassel zu ihren Mitgliedern. Dezentrale Energieerzeugun schafft Arbeitsplätze vor Ort: in unseren Erfolgsunternehmen, im Handwerk und in der Landwirtschaft. Längere Laufzeiten oder sogar neue Atomkraftwerke würden diesen wichtigen Strukturwandel zu mehr Wertschöpfung in der Region zerstören. Schon heute arbeiten 170.000 Menschen in Deutschland in Technologieunternehmen für erneuerbare Energien - mit deutlich ansteigender Tendenz - und nur 35.000 in der Atombranche.

Wir könnten schon heute deutlich mehr als 170.000 Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energietechnologien haben, wenn Ihre Landesregierung dieser Erfolgsgeschichte rot-grüner Politik nicht einen Stein nach dem anderen in den Weg legen würde. Ihre Verhinderungsplanung gegen die Windenergie und die weitgehend tatenlose Ankündigungspolitik im Bereich Biomasse legen Zeugnis davon ab.

Wir fordern Sie dazu auf, die Notbremse zu ziehen und einen Politikwechsel einzuleiten. Wenn im Jahr 2008 Biblis A und im Jahr 2012 Biblis B vom Netz gehen, werden in Hessen bei den erneuerbaren Energietechnologien ein Vielfaches der 900 Arbeitsplätze von Biblis zusätzlich entstanden sein. Und über viele Jahre hinweg werden die Arbeitskräfte in Biblis zum aufwendigen Abbau der Reaktoren gebraucht. Jetzt ist die Chance für einen gewinnbringenden Strukturwandel gegeben. Sie sollten diese Chance für Hessen jetzt ergreifen, bevor unser Land verstrahlt wird oder der Rohstoff Uran aufgebraucht ist.

+++ Wir fordern Sie nach der Beinahe-Katastrophe von Forsmark dazu auf, die Reaktorblöcke in Biblis durch die hessische Atomaufsicht sofort abschalten zu lassen und eine umfassende Sicherheitsprüfung, vor allem des alten Schrottreaktors Biblis A, anzuordnen. +++

Mit freundlichen Grüßen Fabio Longo

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