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Zukunftsenergien: Europa ist erneuerbar

Dokumentation: Solare Vollversorgung ist möglich. Quelle: Fechner Media.
Dokumentation: Solare Vollversorgung ist möglich. Quelle: Fechner Media.

Der Film: "Die Neue Power - Erneuerbare Energien in Europa" lädt den Zuschauer ein auf eine ganz besondere Reise: einen Ausflug in die Zukunft einer anderen Energieversorgung. Von Island bis an das Mittelmeer haben sich die Autoren auf den Weg gemacht, um die Alternativen zur fossil-atomaren Energiewirtschaft zu zeigen. Die Europäische Union will bis zum Jahr 2010 den Anteil der "Erneuerbaren" an der Stromversorgung auf 12 Prozent erhöhen. Doch das ist erst der Anfang: bis zum Jahr 2050 kann ein Anteil von 50 Prozent erreicht werden, sagen jüngste Studien aus Deutschland. Wie dies möglich ist - und ob noch mehr drin ist - beantwortet ein Film von Franz Fitzke und Carl-A. Fechner.

Während der knapp einstündigen Reise durch Europa zeichnet "Die Neue Power" ein präzises und faszinierendes Bild von der bahnbrechenden Möglichkeit neuer und unerschöpflicher Energie aus Biomasse, Wind, Geothermie, Wasser und Sonne. Der Film fragt nach den Potenzialen erneuerbarer Energien, um bestehende fossile und atomare Großkraftwerke abschalten zu können. Dabei verfolgt "Die Neue Power" einen Ansatz, der sowohl für "Europa 25" als auch für die erneuerbaren Energien charakteristisch ist: Das "Europa der Regionen" weist enorme Potenziale erneuerbarer Energien auf, die es dezentral zu nutzen und zu verteilen gilt.

Deshalb ist es nur konsequent, wenn der Film den süddeutschen Unternehmer Bene Müller (solarcomplex Konstanz) begleitet, der seine Vision einer hundertprozentigen Solar-Region verfolgt und dabei auf einen Mix regenerativer Energien setzt. Von der reaktivierten Kleinen Wasserkraft über Solarwärme und -strom bis hin zur Biomasse. Das Beispiel zeigt einen Pardigmenwechsel: Statt zentraler Großkraftwerke, typisch für die fossile Energiewirtschaft, entstehen viele kleine Kraftwerke, die nach und nach immer mehr Bürger versorgen, bis zur vollständigen Energiewende. Bis dahin ist ein weiter Weg zurückzulegen, der Anstrengungen erfordert, aber auch Chancen bietet. Die Energieproduktion vor Ort bedeutet lokale Wertschöpfung - und Arbeitsplätze in der Region. Solarwärme beispielsweise, geerntet auf dem eigenen Dach, kann bis zu einem Drittel des Wärme- und Warmwasserbedarfs von Gebäuden decken, der wiederum rund ein Drittel des Energiebedarfs in der EU ausmacht.

Neue Power: Parabolrinnenkraftwerk zur solarthermischen Stromerzeugung; Windkraftanlagen. Quelle: Fechner Media.
Neue Power: Parabolrinnenkraftwerk zur solarthermischen Stromerzeugung; Windkraftanlagen. Quelle: Fechner Media.

Auf dezentrale Lösungen setzen immer mehr Lokalpolitiker, beispielsweise Jean Jacques Hilmoine von der Gebietskörperschaft Fruges (Departement Pas-de-Calais). Dort soll der größte Windpark Europas mit einer Leistung von über 200 Megawatt (MW) entstehen. Der pragmatisch denkende Franzose verspricht sich von der Windkraft in erster Linie eine Vervierfachung der Gewerbesteuereinnahmen. In Island, dem "Kuwait des Nordens" wird darüber nachgedacht nicht nur das eigene, an Wasserkraft und Erdwärme reiche Land zu einer Wasserstoffwirtschaft umzugestalten, sondern auch Energie zu exportieren. Dass die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht ist eine Binsenweisheit und kein Argument gegen die Erneuerbaren. Denn ihre Angebote und Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig, die technischen Lösungen werden immer effektiver. Erdwärmekraftwerke, zum Beispiel das Hot-Dry-Rock-Projekt in Soultz-sous-Forèts im Elsass, können ohne saisonale und tägliche Schwankungen Wärme und Strom produzieren. Das geplante Kraftwerk soll 6 MW Strom und 20 MW Wärme erzeugen. Biomassekraftwerke, betrieben mit heimischem Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen (Energiepflanzen) können sogar genutzt werden, um Spitzenlasten zu decken. Auch der "Treibstoff vom Acker" ist keine Vision mehr. Bis zu 35% des Kraftstoffbedarfs in Europa könnten laut Experten durch Biomasse gedeckt werden.

Die Erneuerbaren sind stark: Im Verbund - und in intelligenten Stromnetzen. Und sie sind kalkulierbar, auch der Wind. Das zeigen das Institut für solare Energieversorgungstechnik in Kassel und der Wissenschaftler Martin Hoppe-Kilpper. Mit moderner Computertechnik können Windertragsprognosen mit einer Genauigkeit von 90 % erstellt werden, und auf diese Weise kann auch das Problem der schwankenden Einspeisung in die Netze gelöst werden. Die Netze spielen eine wichtige Rolle. Welche, das erklärt EUROSOLAR-Präsident Hermann Scheer, Träger des alternativen Nobelpreises. Er analysiert den Widerstand der etablierten Stromversorger und -netzbetreiber gegen die Energiewende in einem messerscharfen Statement.

Die Neue Power zeigt erstmals und anschaulich nicht nur das vollständige Potenzial der erneuerbaren Energien, sondern auch die Notwendigkeit und Machbarkeit ihrer Vernetzung. Das überraschende Ergebnis der Recherche: Die Möglichkeiten einer solaren Vollversorgung reichen von der regionalen bis hin zu einer transeuropäischen Ebene, die auch solarthermische Kraftwerke im Mittelmeerraum und riesige Windparks auf See einschließt. Die besten Bilder aus 45 Drehtagen und sieben Ländern komponierten Produzent Carl-A. Fechner, Regisseur Franz Fitzke und Cutterin Jana Schatz zu einer außergewöhnlichen, hochaktuellen Dokumentation mit internationaler Perspektive. Der Film bedient sich einer klaren Sprache und beeindruckt einerseits durch anschauliche und ästhetische Bilder, andererseits durch seine nachvollziehbare Argumentation und zahlreiche Originaltöne.

Die Neue Power lohnt sich für jede und jeden, der mitreden und mitwirken will, wenn es um die Energiewende geht. Ganz besonders für Schulen und die berufliche Bildung ist "Die Neue Power" eine schwungvolle, spannende Informationsquelle. Die rundum gelungene Dokumentation sollte daher auf jedem Stundenplan zu finden sein. (rh)