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KIT-Experte informiert über Sicherheit von Solarstrom-Speichern; Checkliste „Li-Ionen Heimspeicher“ für Installateure und Kunden veröffentlicht

Dr. Andreas Gutsch
Dr. Andreas Gutsch

Im Solarserver-Interview beantwortet Dr. Andreas Gutsch, Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), aus aktuellem Anlass Fragen zur Sicherheit von Photovoltaik-Speichern.

Ende Mai 2014 wurde über Tests des KIT an fünf von deutschen Anbietern erworbenen Stromspeichern berichtet, bei denen schwerwiegende Sicherheitsmängel festgestellt wurden.

Das KIT hat aus diesem Grund eine kurze Checkliste „Li-Ionen Heimspeicher“ entwickelt, die Installateure und Kunden bei der Auswahl und Überprüfung von Photovoltaik-Speichern unterstützt. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Solarserver: Herr Dr. Gutsch, laut einer Pressemitteilung des VDI Verlags ist die Betriebssicherheit staatlich geförderter Speicher für Photovoltaik-Anlagen in Privathaushalten nach Ihren Untersuchungen teilweise extrem mangelhaft. Welche Speichersysteme haben Sie untersucht?

Dr. Gutsch: Nicht alle von uns getesteten Batteriesystem waren unsicher. Es gibt Systeme, die sich durch ein hohes Maß an Sicherheit auszeichnen. Leider mussten wir aber auch feststellen, dass es Systeme gibt, die trotz Einhaltung von einigen Normen nicht sicher sind, zumindest dann nicht, wenn wir einen einfachen Fehlerfall simuliert haben. Was uns auch überrascht hat, ist, dass nicht alle Systeme gemäß der UN38.3 Transportvorschriften für Batteriesysteme zertifiziert waren.

Solarserver: Woran erkennen Kunden einen sicheren Speicher? 

Dr. Gutsch: Für einen Kunden ist es heute schwer, einen unsicheren Speicher zu erkennen. Einfacher ist es, einen sicheren Speicher zu erkennen. Wir haben dazu eine kurze Checkliste „Li-Ionen Heimspeicher“ entwickelt. Diese Checkliste kann jedem Lieferanten zur Beantwortung vorgelegt werden. Wenn weniger als 110 Punkte erzielt werden, dann wäre ich persönlich zurückhaltend mit der Kaufentscheidung.

Was zusätzlich berücksichtigt werden muss, ist der Aufstellungsort des Speichers. Bei dem Brand in Filderstadt z.B. war der Speicher auf dem Dachboden installiert. Das ist ein total ungeeigneter Standort für Li-Ionen Speicher, weil es in der Regel auf dem Dachboden zu warm wird, vor allem dann, wenn die Sonne scheint und der Speicher arbeitet, kann er überhitzen. Li-Ionen Speicher lieben die Kellertemperatur von ca. 15 Grad Celsius. Allerdings vertragen sie auch keinen Frost.

 

Solarserver: Welche Rolle spielt das UN 38.3-Sicherheitszertifikat, und was besagt es?

Dr. Gutsch: Das UN 38.3 Zertifikat beschreibt Tests, die durchgeführt werden, um den Transport von Li-Ionen Speichern möglichst sicher zu machen. Dabei gibt es zwei Prüflevel. Einmal auf dem Level einer einzelnen Li-Ionen-Zelle und einmal auf dem Level einer Li-Ionen-Batterie (zusammengeschaltete Zellen).

Die Tests auf Zelllevel müssen durch den Zellehersteller nachgewiesen werden und liegen in aller Regel vor. Die Tests auf Batterielevel müssen durch den Batteriehersteller nachgewiesen werden und haben zunächst nichts mit dem Test auf Zelllevel zu tun. Es reicht also mithin nicht aus, wenn eine Zelle das UN 38.3 Zertifikat hat. Vielmehr muss die gesamte Batterie das Zertifikat besitzen, es sei denn, es handelt sich um Prototypen.

 

Solarserver: Wie können Installateure und betroffene Besitzer mögliche Sicherheitsprobleme erkennen?

Dr. Gutsch: Das Batteriesystem (nicht nur die Zelle) muss mindestens nach UN38.3 zertifiziert sein. Darüber hinaus werden sehr gute Batteriesysteme auch einen Nachweis gemäß dem Normen-Entwurf nach DIN EN 62619 liefern können. Besonders gute Systeme werden bei der von uns entwickelten Checkliste eine Punktzahl von 150 erreichen. Im Zusammenspiel mit UN38.3 und dem Entwurf von DIN EN 62619 sollte das zu einem Sicherheitslevel führen wie bei Elektrofahrzeugen, die ja heute schon zu Tausenden sicher auf der Straße fahren.

 

Solarserver: Was raten Sie den deutschen Anbietern von Speichersystemen?

Dr. Gutsch: Ich rate den deutschen Anbietern, bei der Entwicklung von Li-Ionen-Heimspeichern die Sicherheitsstandards der Automobilindustrie anzuwenden. Die o. a. Normen und Richtlinien müssen eingehalten werden, und für jeden Heimspeicher muss eine funktionale Sicherheitsprüfung gemäß ISO-Sicherheits Integrations Level (SIL) nachgewiesen werden. Das ist Standard in Automobilindustrie und hat dort zu der Entwicklung von sehr sicheren Batteriespeichern geführt.

Solarserver: Herzlichen Dank für diese Auskünfte, Herr Dr. Gutsch.

Das Interview führte Solarserver-Chefredakteur Rolf Hug.

Die Checkliste „Li-Ionen Heimspeicher“ kann hier heruntergeladen werden