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pvXchange: Photovoltaik-Preiskrieg hat eingesetzt; Überkapazitäten müssen dringend abgebaut werden

Der Abwärtstrend bei den Photovoltaik-Modulpreisen hielt auch im August 2016 an
Der Abwärtstrend bei den Photovoltaik-Modulpreisen hielt auch im August 2016 an

Der Abwärtstrend bei den Photovoltaik-Modulpreisen, der sich die vergangenen Monate bereits abzeichnete, bestätigte sich auch im August 2016, berichtet Martin Schachinger von pvXchange.com.

Ausreißer bei der Abwärtsbewegung sind allein Module aus Japan und Korea, deren Durchschnittspreise sich knapp oberhalb der 60-Cent-Marke einpendeln. Die Linien der Produkte aus China und Europa laufen im Index Anfang September wieder in einem Punkt zusammen, allerdings auf einem um rund 10 % niedrigeren Niveau als noch vor einem Jahr.

Durchschnittlich 52 Eurocent pro Watt kosten diese Module im August, wobei die Bandbreite der ausgewerteten Angebote von 45 bis 65 Cent bei chinesischen und 49 bis 73 Cent bei deutschen Produkten reicht.

 

Mindestimportpreis für PV-Module aus China spielt kaum noch eine Rolle

Der von der EU-Kommission mit chinesischen Herstellern ausgehandelte Mindestimportpreis von zuletzt 56 Cent pro Watt scheint bei der aktuellen Marktlage kaum noch eine Rolle zu spielen.

Allerdings haben sich auch schon so gut wie alle relevanten Player freiwillig aus dem sogenannten Undertaking verabschiedet oder sind wegen diverser Umgehungstatbestände ausgeschlossen worden.

Einmal befreit von der Last der Beschränkung, scheinen die Hersteller aus Asien sich ganz entspannt wieder ihrer Niedrigpreispolitik hingeben zu können. Dass deren in China produzierte Module fortan mit hohen Strafzöllen belegt werden, juckt die Konzerne wenig, da mittlerweile fast jeder eine Zell- und/oder Modulproduktion außerhalb des Kernlandes betreibt und daher von Aufschlägen unberührt bleibt.

 

Massive Preissenkungen deutscher Hersteller

Bisher lagen die Preise europäischer und chinesischer Produkte im Jahresdurchschnitt noch 2 Cent auseinander. Beinahe zeitgleich führten jedoch die deutschen Hersteller Aleo Solar, Heckert Solar und Solarworld in den ersten Septemberwochen teilweise massive Preissenkungen durch, aufgrund derer nun wieder Gleichstand zwischen den Herkunftsregionen herrscht.

Begründet wird die Ermäßigung einerseits mit gesunkenen Weltmarktpreisen für Zellen, andererseits mit einer allgemeinen Überproduktion. Letzteres ist nachvollziehbar, denn der Markt in Großbritannien ist bekanntlich weggebrochen und in China, aber auch in Südamerika hat sich das Zubautempo deutlich verlangsamt.

Die gesunkenen Zellpreise konnten hingegen noch nicht bestätigt werden. Allerdings hat sich der Preisunterschied zwischen poly- und monokristallinen Wafern offenbar egalisiert, weshalb beide Technologien bei gleicher Leistung auch den gleichen Preis haben und leistungsstärkere Monomodule in Zukunft preiswerter als bisher angeboten werden können.

 

Wachsender Preiskampf entlang der Wertschöpfungskette zu erwarten

Es ist also mit einem stetig wachsenden Preiskampf auf allen Ebenen der Wertschöpfung zu rechnen. Die ersten Hersteller sind ja bereits vorgeprescht, die anderen werden unmittelbar nachziehen müssen. Jetzt gilt es, die über den Sommer angestauten Lagerbestände zügig abzubauen, denn der Nachschub ist bereits unterwegs.

Die großen chinesischen Hersteller haben sich in Position gebracht und werden den europäischen Konkurrenten nicht kampflos das Feld überlassen. Weitere Nachlässe im Bereich von 10% sind von Herstellerseite möglich und teilweise bereits eingeplant. In jedem Falle werden die marktgerechteren Preise die europäische Solarwirtschaft ankurbeln, sofern es den Protagonisten gelingt, die niedrigeren Einkaufpreise zumindest teilweise an ihre Kunden weiterzugeben.

 

Schutzmaßnahmen der EU-Kommission greifen immer weniger

Nun drängt sich natürlich die Frage auf: Welche Daseinsberechtigung hat eine Marktbeschränkung für chinesische Produkte, wenn mittlerweile jeder Hersteller mit einer gewissen Größe imstande ist, Module für deutlich unter 50 Cent auf den Markt zu werfen, also in etwa 20% unter dem noch geltenden Mindestimportpreis? Oder betreiben jetzt tatsächlich weltweit alle Firmen Preisdumping?!

Zumindest eines scheint sicher: die Schutzmaßnahmen der EU-Kommission greifen immer weniger. Wir dürfen gespannt sein, wie die Auslaufprüfung der EU-Kommission ausgeht und welche Neuregelung den Damen und Herren in Brüssel einfällt, anstatt die ganze Maßnahme endlich einzustampfen.

Vielleicht können wir uns ja auf einen neuen, für die verbliebenen europäischen Hersteller komfortablen Mindestimportpreis von 46 Cent für alle Nicht-EU-Module freuen, der dann aber nach kurzer Zeit durch die allgemeine Preisentwicklung wieder komplett überholt sein dürfte.

Zum Photovoltaik-Preisindex

Quelle: pvXchange