Die meisten Heizungsbaufirmen halten sich zurück mit Aussagen zum derzeitigen Trend. Eine kurzfristige Umfrage der Solarthemen blieb häufig unbeantwortet. Wo geht die Reise hin auf dem Heizungsmarkt? „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die aktuelle Lage auf dem Wärmepumpen-Markt genau beobachten, jedoch nicht extern kommentieren möchten“, schrieb Jörg Bonkowski, Pressesprecher von Bosch Thermotechnik und Buderus.
Unklare Rahmenbedingungen für die Wärmepumpe
Der Heizungssektor befindet sich derzeit in einer Phase widersprüchlicher Signale. Der Krieg in der Golfregion samt Sperre wichtiger Wasserwege für fossile Brennstoffe zeigt nicht lang nach dem Beginn des Kriegs von Russland gegen die Ukraine wieder einmal die Risiken internationaler Abhängigkeiten bei der Energieversorgung auf. Gleichzeitig – oder kurz zuvor – hat sich die Regierungskoalition in die Debatte um eine Änderung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) begeben. Bislang steht nur die Namensänderung in Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) und ein (vorläufiger?) Richtungswechsel fest, mit dem vor allem Vertreter der CDU/CSU Öl und Gas wieder zur Option für die Heizung machen wollen. Was das mit Modernisierung zu tun haben soll, bleibt offen.
Doch wie reagieren die Hauseigentümer:innen, die jetzt eine neue Heizung kaufen oder sich informieren. „Die Nachfrage nach Wärmepumpen lag bereits 2025 deutlich über dem Vorjahr und ist aktuell ungebrochen hoch“, erklärt Jens Wichtermann, Direktor für Unternehmenskommunikation, Nachhaltigkeitsmanagement und Politik bei der Vaillant Group: „Wärmepumpen sind in Deutschland mit Abstand die beliebteste Technologie zum Beheizen von Gebäuden.“
Markt für Wärmepumpen derzeit stabil
Benjamin Buortmes, Presseprecher von Ritter Energie, bestätigt diese Beobachtung. Es sei aktuell noch keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr zu bemerken. „Verglichen mit anderen Wärmeerzeugern ist die Nachfrage nach Wärmepumpen aber seit ein bis zwei Jahren insgesamt hoch“, so Buomertes. „Die veröffentlichten Eckpunkte des GMG haben die Unsicherheit am Markt bisher nicht für uns merkbar verstärkt. Die gesamtpolitische Debatte der letzten Jahre hat allerdings für starke Verunsicherung gesorgt, die der deutsche Heizungsmarkt immer noch spürt.“
Unternehmen im B2C-Bereich bemerken aber offenbar eine ähnliche Reaktion auf die aktuelle durch den Iran-Krieg ausgelösten Krisensituation wie vor wenigen Jahren im Fall der Ukraine. „Wir haben im März eine knappe Verdopplung der Nachfrage nach Solar gegenüber dem Vormonat gesehen“, so Jannik Schall, CPO und Mitgründer des Vertriebs- und Installationsunternehmens 1KOMMA5°: Auch die Nachfrage nach Wärmepumpen ist deutlich gestiegen.“ Er sieht dies aber nicht nur als Reaktion auf die aktuellen Preissteigerungen für Öl und Gas. „Allerdings haben wir auch schon vor den jüngsten Verwerfungen an den Energiemärkten nachhaltiges Wachstum gesehen. Immer mehr Menschen entscheiden sich für die eigene Energieunabhängigkeit. Die sich wiederholenden Energiekrisen geben den Erneuerbaren recht“, betont Schall.
Großes Interesse bei Hauseigentümer:innen
Das scheint sich auch dort widerzuspiegeln, wo Hauseigentümer:innen sich mit der Modernisierung ihrer Immobilien befassen. Sebastian Schmidt ist Geschäftsführer der dsb Deutsche Sanierungsberatung GmbH, die sich auf Energieberatungen fokussiert: „Wir sehen aktuell eine außergewöhnlich hohe Dynamik im Markt: Seit Beginn des Irankriegs hat sich unsere Projektzahl im März im Vergleich zum Januar verdoppelt. Besonders Wärmepumpen stehen im Fokus, sie sind bei uns die meist umgesetzte Maßnahme mit einem Anstieg der Vermittlungen von rund 40 Prozent seit Jahresbeginn.“ Laut Schmidt gelten Wärmepumpen für viele Eigentümer:innen inzwischen als Schlüsseltechnologie, um sich unabhängiger von fossilen Energien zu machen.
Es lässt sich aber nur schwer beurteilen, wie stabil dieser Trend ist und ob die Nachfrage sogar weiter wächst. Der Bundesverband Wärmepumpe rechnet mit 330.000 Wärmepumpen in diesem Jahr und einem Wachstum in den Folgejahren von rund 10 Prozent. Damit bleibe aber trotz des Interesses der Hauseigentümer:innen die Nachfrage hinter den Potenzialen zurück. Als Ursache dafür sieht der Verband die Unsicherheit, die die Debatte um das GMG ausgelöst habe.
Aktuelle Branchenstudie 2026 zu Wärmepumpen
In seiner kürzlich vorgelegten, selbst erstellten Branchenstudie 2026 beschreibt der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) die komplizierte Lage für den Heizungsmarkt. So sei der weitere Weg der Wärmepumpe “keineswegs vorgezeichnet”. Auch weil es erhebliche Unsicherheiten bei den Energiepreisen gebe. “Einer nur leichten Verbesserung des Preisverhältnis zwischen Strom und Gas/Öl stehen widersprüchliche politische Maßnahmen entgegen, u.a. durch die Übernahme der Gasspeicherumlage in den Bundeshaushalt, das zeitliche Aufschieben des EU-Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS 2) und die Entscheidung der Bundesregierung im Sommer 2025 gegen eine Stromsteuerabsenkung für alle Verbraucher.”
Die Branchenstudie versucht, anhand von zwei Szenarien die künftige Entwicklung der Wärmepumpe zu beschreiben. Das ist zum einen das Busisness-as-usual-Szenario, das die Eckpunkte für das GMG bereits berücksichtigt und eine stetige Fortführung der Bundesförderung für effiziente Gebäude voraussetzt. Auf eine kontinuierliche Förderung bis 2029 hatte sich die Koalition im Zusammenhang mit den Eckpunkten verständigt. Und nur bei Fortführung der Wärmepumpen-Förderung geht der BWP vom zehnprozentigen Wachstum aus.
Boom der Wärmepumpe im ambitionierten Szenario
Das zweite, ambitioniertere, aber durchaus realistische Szenario geht davon aus, alle politischen Weichenstellungen zugunsten von Wärmepumpen auszurichten. Wichtig sind darin aber vor allem preisliche Vorteile für die Wärmepumpe. So geht dieses Szenario davon aus, dass die Netzentgelte entweder über neue Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt oder über eine Grundsatzreform der Netzausbaufinanzierung abgefedert würden. Zudem kämen in diesem Szenario die Absenkung der Stromsteuer für alle Haushalte, eine Befreiung von Umlagen auch für Wärmepumpen-Nutzer:innen mit nur einem Stromzähler und geeignete lastvariable Tarife. Einen weiteren Anteil hätte der Handel mit Treibhausgaszertifikaten. In diesem Szenario wäre das GMG von untergeordneter Bedeutung, und die Förderung bliebe zwar bestehen, würde aber keine so große Rolle spielen.
“Vor allem die energiepreislichen Effekte sorgen in diesem Szenario für eine stark ansteigende Nachfrage nach Wärmepumpen”, so die Branchenstudie 2026. Der Absatz der Wärmepumpen stiege dann bereits im Jahr 2026 auf über 400.000 Anlagen. Das wäre ein Wachstum von 35 Prozent, was sich 2027 auf 39 Prozent steigern ließe. “Bis Ende des Jahrzehnts ergibt sich ein Marktanteil von ca. 90 Prozent”, heißt es in der Studie.
Die Boomphase für die Wärmepumpe könnte demnach schon 2026 beginnen. Zwar kann eine Studie dies genau bestimmen – je nachdem wie deren Parameter eingestellt sind. Deutlich ist aber, dass letztlich für die tatsächliche Entwicklung die Koalition die Hebel in der Hand hat.
Quelle: Andreas Witt | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH