NICHT FREIGEGEBEN!!! Solarthemen+plus: +++ Reiche-Kritik beim PV-Symposium +++ Solarthermie ins GMG integrieren +++

Solarthemen+plus
Infodienst Solarthemen vom 06.03.2026
PV-Symposium: Solarbranche in der Orientierungsphase
Foto: Andreas Witt
Der erste Entwurf zum neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Haus von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sorgt für große Verunsicherung und ist auch Thema auf dem traditionsreichen PV-Symposium, das aktuell in Bad Staffelstein stattfindet. Die PV-Branche sieht sich als innovative Kraft, die Lösungen für das Energiesystem bringen kann.

Der öffentlich gewordene interne Arbeitsentwurf für die Novelle des EEG war ein Thema auf den Fluren des Klosters Banz, wo seit Jahrzehnten traditionell das PV-Symposium stattfindet. Eine häufig geäußerte Vermutung war dabei auch, dass das Ministerium selbst das Papier bewusst lanciert habe, um sich für die kommenden Debatten zu positionieren. Denn für die Erneuerbare-Energien-Branche gibt es im Entwurf so viele Kröten zu schlucken, dass es am Ende, selbst wenn der Entwurf im Verfahren abgemildert wird, zu harten Einschnitten kommen könnte. 

PV-Branche erwartet heißen politischen Sommer

Jörg Ebel, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar), erwartet einen heißen politischen Sommer in Berlin. Auf dem PV-Symposium beschwichtigte er zunächst, beim geleakten EEG-Entwurf handele es sich nur um ein Arbeitspapier aus dem Ministerium. „Jedes Ministerium darf sich Gedanken machen“, so Ebel: „Das haben wir jetzt erlebt.“ Und er verweist auf den Koalitionsvertrag, in dem sich SPD und CDU/CSU auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien verständigt hätten. Käme der Entwurf jedoch so durch das Parlament, sagt Ebel, so „wäre das ein massiver Angriff“. Und dieser treffe vor allem auf das Segment von kleinen PV-Anlagen mit einer Leistung unter 100 Kilowatt (kW). Reiche will die derzeitigen Einspeisevergütungen für diese PV-Anlagen komplett abschaffen. 

Ebel verweist auf die Marktentwicklung. Im Jahr 2025 sei zwar der Gesamtausbau bei der Photovoltaik insgesamt im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Doch im Segment bis 30 kW sei es bereits zu einem 25-prozentigen Einbruch gekommen. Und auch für Photovoltaik auf gewerblichen Dächern sei der Absatz geschrumpft – obwohl gerade dieser Bereich durch das Solarpaket der Vorgängerregierung – das die EU-Kommission noch immer nicht genehmigt hat – hätte angereizt werden sollen. Stattdessen wolle Reiche die Großanlagen im EEG stärker betonen. So solle bei Ausschreibungen für PV-Freiflächenanlagen die bisherige Begrenzung auf maximal 20 Megawatt (die die Ampel mit dem Solarpaket eigentlich auf 50 MW erweitern wollte) ganz fallen. In diesem Zusammenhang warnt Ebel aber auch vor dem Netzpaket, zu dem ebenfalls ein Arbeitsentwurf aus dem Ministerium an die Öffentlichkeit gelangte. Das könnte, sollte es so durchkommen, letztlich dazu führen, dass Freiflächenanlagen für Investor:innen zu einem zu großen Risiko würden. Denn in vielen Netzgebieten könne es zu einem Verlust von Entschädigungen kommen, wenn die Netzbetreiber Anlagen im Zuge des Redispatch abregeln. 

Wohin entwickelt sich das Energiesystem?

Aber die jetzige Debatte sei auch ein Vorteil, betont Ebel. Denn sie rücke die Netzbetreiber in den Fokus. Damit gebe es nun durchaus die Chance, Netzbetreiber und Erzeuger zusammenzubringen. Regierung und Parlament sähen sich einer großen Menge an notwendigen Gesetzesvorhaben im Energiesektor gegenüber. Bei vielen dränge die Zeit. Doch Gesetzentwürfe, die zumindest in der Regierung abgestimmt seien, fehlten. „Wir sind noch nie so blank dagestanden“, sagt Ebel mit Blick auf die Regierung. „Das lässt uns eine Menge Raum, mit Vorschlägen zu kommen.“ Und in dieser Richtung sei der BSW-Solar auch bereits seit einigen Monaten sehr aktiv.

Hinter allen derzeit kursierenden Entwürfen aus dem politischen Raum steckt die Frage, wie sich das Energiesystem entwickeln soll. Dabei spielt eine große Rolle, wessen Interessen es dienen soll. Im Kloster Banz zeigte sich allerdings eine gewisse Einigkeit zwischen PV-Branche und Netzbetreibern – vor allem auf der technischen Ebene. So plädierte Volker Schöller, Geschäftsführer der Schoenergie GmbH, für eine Umstrukturierung des Stromsystems hin zu einem eher zellularen Ansatz. Darin würden Umspannwerke in Kombination mit Speichern und PV-Anlagen eine wichtige Rolle spielen. So wären die schwarzstartfähigen Speicher durchaus in der Lage, in Verbindung mit einem Umspannwerk in einer Region die Stromversorgung nach einem Black Out wieder hochzufahren. Notwendig sei es dafür aber auch, die digitale Kommunikation im Energiesystem zu verbessern.

Die PV-Branche aus der Defensive bringen

Schöller will mit seinen Thesen die PV-Branche aus der Defensive bringen. „Wir müssen einen Gegenvorschlag machen.“ Der zellulare Ansatz bringe mehr Resilienz und könnte auch zu einer Kosteneinsparung führen. Bei Joachim Kabs vom Netzbetreiber Bayernwerk stößt er damit auf offene Ohren. „Ich bin ein Fan des zelluraren Ansatzes“. Wichtig ist ihm allerdings, dass die Definition dieses Konzeptes nicht – mehr – von gleich großen Zellen ausgehe. Es gehe um das Zusammenspiel im Energiesystem. Daher sei es auch wichtig, die Dinge gemeinsam zu diskutieren.

Die PV-Branche selbst, einschließlich der wissenschaftlichen Institute, will über die eigene Blase hinausdenken. Letztlich sei dies auch immer ein Ziel des PV-Symosiums gewesen, wie Andreas Bett, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) und diesjähriger Tagungsleiter, erklärt. Es gehe darum, Energieversorgung neu zu denken. Indirekt deutet er damit an, dass sich das Wirtschaftsministerium derzeit zu sehr auf alten Pfaden bewegt. Dabei gehe Katherina Reiche teils auch von falschen Annahmen aus. So betrachte sie die Entwicklung des Strombedarfs auf Basis des aktuellen Stromabsatzes, übersehe dabei aber den zunehmenden Eigenverbrauch. Künftig benötige Deutschland mehr Strom. Und gerade Windenergie und Photovoltaik könnten dazu beitragen. „Wir sind noch in der Wachstumsphase“, so Bett. Das zeige sich auch global. 2025 hätten erneuerbare Energien weltweit den größten Anteil des Strombedarfs gedeckt, noch vor Kohle.

Appell zur Zusammenarbeit

Fraglich ist, ob der Appell zur Zusammenarbeit, um bessere Lösungen für das Energiesystem zu finden, der in Bad Staffelstein zu hören war, bis nach Berlin vordringt. Die PV-Branche will sich offenbar dafür einsetzen. Gleichzeitig steht sie derzeit unter Druck. Angesichts der Äußerungen aus dem Wirtschaftsministerium sind potenzielle Käufer:innen von PV-Anlagen verunsichert. Und schon die letzten zwei Jahre waren für viele Betriebe nicht einfach. Felix Bräuer, Geschäftsführer der Premium Mounting Technologies GmbH & Co KG, sagte beim PV-Symposium, es sei skurril, in welchen Zeiten wir leben“. Noch vor wenigen Jahren habe es auch im politischen Raum geheißen, „wir brauchen PV“. Doch nun gebe es im Heim- und Gewerbesegment rückläufige Zahlen und Betriebe hätten sich bereits von Mitarbeiter:innen trennen müssen. Ob sich dies umkehren lässt, hängt zum großen Teil auch von den Beschlüssen ab, die die Regierungsparteien in den nächsten Monaten fällen werden. 

Quelle: Andreas Witt | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH


BSW-Solar fordert Solarthermie-Offenheit im GMG
Foto: Ingo Bartussek / stock.adobe.com
Die Facharbeitsgruppe Solarthermie des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) schlägt dem Gesetzgeber vor, Solarthermie als gleichwertige Option zur sogenannten Biotreppe im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) anzuerkennen. Der Verband reagiert damit auf die von den Koalitionsspitzen der Regierungsparteien in der vergangenen Woche vorgestellten Eckpunkte zum GMG.

Die Solarthermie-Abeitsgruppe des BSW-Solar begrüßt die im Eckpunktepapier betonte Technologieoffenheit. Während die sogenannten Eckpunkte zum GMG die Solarthermie mit keinem Wort erwähnen, sehen die Solarthermie-Expert:innen des BSW die anstehende Gesetzesnovelle als Gelegenheit, um die Potenziale solarthermischer Kollektoren besser zur Geltung zu bringen. Solarthermie sei eine niedrigschwellige, millionenfach erprobte und sofort einsetzbare Option, um fossile Energie einzusparen.

In hybriden Heizungsmodellen, also Gas- oder Ölheizungen mit Solarthermie, könnten je nach Dimensionierung und Leistungsfähigkeit der Kollektoren 15 bis 30 Prozent oder mehr des Brennstoffbedarfs durch Sonnenenergie ersetzt werden. Gebäude erreichten damit mühelos erste Stufen der sogenannten “Biotreppe”, die zentraler Inhalt des Koalitionskonzeptes ist. Beginnend mit 10 Prozent sollen Betreiber neu eingebauter Fossilkessel ab 2029 einen steigenden Anteil von biogenen Brennstoffen oder Wasserstoff ordern müssen.

Die Facharbeitsgruppe empfiehlt, dass die Vorgabe der “Biotreppe” als EE-Treppe alternativ durch eine Solarthermieanlage erbracht werden darf. Auch deshalb, weil Solarkollektoren die absehbar knappen Brennstoffe Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff unmittelbar einzusparen helfen.

Zwei konkrete Empfehlungen für die Solarthermie im GMG

Die Facharbeitsgruppe nennt zwei Empfehlungen. Erstens fordert sie eine Klarstellung: Der Wärmeertrag in Hybridsystemen muss als gleichwertige Erfüllungsoption für Biotreppe-Stufen zählen. Zweitens plädiert sie für eine vereinfachte Anrechenbarkeit höherer Solarkollektor-Erträge.

Aktuell rechnet das GEG nach dem Verständnis des BSW-Solar pauschal nur 15 Prozent EE-Anteil für Solarthermie-Hybride an. Das widerspreche der tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Ein alternativer Nachweis nach DIN 18599 ist zwar möglich, er verursacht allerdings laut BSW-Solar einen hohen Aufwand. Er diskriminiere deshalb Solarthermie gegenüber Wärmepumpen-Hybriden.

Neuer Ansatz für Anrechnung der Solarthermie im GMG

Der BSW-Solar schlägt stattdessen eine gestufte Tabelle vor, in der der Solarthermieanteil analog zur “Biotreppe” aus dem Verhältnis von Kollektorertrag – ablesbar im Solar-Keymark-Zertifikat – im Verhältnis zum Wärmebedarf des Gebäudes für Warmwasser und Heizen steht. Der BSW-Vorschlag orientiert sich hier an der BEG-Förderung, wo ein ähnliches Modell beim Nachweis zum Erhalt des Klimageschwindigkeitsbonus für Biomasseheizungen eine Rolle spielt. Statt Kollektorfläche solle man allerdings den Wärmeertrag aus dem geprüften Datenblatt (Solar-Keymark) im GMG zugrunde legen. Der Wärmebedarf kann nach der Vorstellung der BSW-Arbeitsgruppe aus Verbrauch, Heizlast oder Kessel-Leistung abgeleitet werden.

Auf diese Weise hoffen die Solarthermiker:innen im BSW-Solar, dass Solarthermie-Hybride attraktiver werden. Investoren sollen durch die einfache Tabelle Zeit und Kosten für Nachweise sparen. Die Solarthermie unterstütze den Übergang zu klimaneutralem Heizen, lautet das Argument, da sie Gas- und Ölheizungen effektiv unterstütze.

Zur geplanten Abschaffung der zentralen 65-Prozent-EE-Quote im GEG äußert sich die Solarthermie-Arbeitsgruppe des BSW-Solar in dem Papier nicht. Offensichtlich hat sie sich mit dem Beschluss der Koalitionsspitzen abgefunden und versucht nun das Beste daraus zu machen. Fakt ist, dass die Solarthermie-Branche vom sogenannten “Heizungsgesetz” der Ampelkoalition offenbar nicht profitiert hat. Das belegen die massiv geschrumpften Absatzzahlen der letzten Jahre.

Autor: Guido Bröer | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH


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