NICHT FREIGEGEBEN!!! Solarthemen+plus: +++ EEG-Novelle verzögert sich +++ Privates Einspeisenetz in Vorpommern am Start +++

Solarthemen+plus
Infodienst Solarthemen vom 01.05.2026
EEG 2027: Gesetzesnovelle verzögert sich
Foto: Deutscher Bundestag / Florian Gaertner / photothek
Anders als zunächst von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche geplant, sind der Gesetzentwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2027) und weitere Gesetzesvorhaben noch nicht in die Verbände- und Länderanhörung gegangen. Denn offenbar ist der Widerstand im Bundeskabinett zu stark. Beim EEG 2027 will Reiche bei der bereits vor einigen Wochen bekannt gewordenen Linie bleiben. Dabei hat das Ministerium im neuen Entwurf gegenüber dem ersten noch Änderungen vorgenommen.

Der ursprüngliche Plan des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) bestand offenbar darin, die von ihm erarbeiteten Gesetzentwürfe am vergangenen Freitag an die Verbände und die Länder zu schicken. Und dies wohl in keiner Weise abgestimmt mit den anderen Ressorts. Dabei hatte das BMWE noch im März gegenüber den Solarthemen erklärt, der Entwurf sei in der „Frühkoordinierung“ und gehe dann in die Ressortabstimmung.

Verbändeanhörung vor Ressortabstimmung

Dieser Schritt ist nun noch nicht gelaufen – oder zumindest nicht mit dem von Reiche gewünschten Ergebnis. So wollte das Ministerium ohne eine weitere gemeinsame Abstimmung mit anderen Ressorts bei Verbänden und Ländern Stellungnahmen zum EEG 2027 einholen. Doch wenige Tage vorher gelangten die Gesetzentwürfe zum Energierecht auf geheimem Weg an die Öffentlichkeit.

Das ist nun nicht im Sinne anderer – SPD-geführter – Ministerien. Jedenfalls fiel das offizielle Versenden der Gesetzentwürfe aus. Noch ist aber offen, ob SPD-geführte Ministerien noch Einfluss nehmen können. Auch SPD-Fraktionsmitglieder wie die energiepolitische Sprecherin Nina Scheer hatten im Vorfeld bereits ihr Missfallen am Entwurf für das EEG 2027 klar formuliert.

BMWE-Forderung: Kein Geld für kleine PV-Anlagen

Wie geht das Kabinett mit diesem Konflikt nun um? Kann sich Katherina Reiche mit ihrer Linie komplett durchsetzen oder gibt es noch Modifizierungen im Gesetzentwurf? Gerade hat das BMWE einzelne seiner Positionen für das EEG 2027 noch einmal in knappen Worten auf LinkedIn präsentiert. So heißt es dort: „Derzeit finanziert die Allgemeinheit Strom aus kleinen PV-Dachanlagen über Steuermittel, obwohl sie sich bereits jetzt auch ohne Förderung tragen könnten.“ Kritiker des BMWE würden bei beiden Aussagen Widerspruch anmelden. Und weiter sagt das BMWE: „Zudem wird Strom teils auch dann eingespeist, wenn kein Bedarf besteht und dadurch Systemprobleme verschärft werden.“ Die Folgerung des Reiche-Ministeriums: „Wir schaffen die Förderung für keine PV-Dachanlagen ab.“

Gerade diesen Plan, die Einspeisevergütung (und auch die Marktprämie) für Solarstromanlagen bis 25 kW – und auch andere Erneuerbare-Energien-Anlagen bis zu dieser Leistung – komplett zu streichen, lehnen viele Verbände, die SPD-Energieexperten und auch Teile der Union ab. Doch auch andere geplante Änderungen im EEG werden auf Widerspruch stoßen.

Fokus im EEG 2027 auf Freiflächenanlagen

Laut EEG 2023 gilt bislang die Leitidee, dass PV-Anlagen auf Dächern und der Freifläche im Gleichgewicht sein sollen. Im EEG 2027 will Reiche das Gewicht in Richtung Freifläche verschieben. In der Begründung des BMWE zum EEG-Novellenentwurf heißt es dazu: „Um die Kosteneffizienz des Ausbaus der Solarenergie zu stärken, wird dabei zukünftig ein stärkerer Fokus auf kostengünstige Freiflächenanlagen gelegt.“ Im EEG 2023 hatte der Gesetzgeber dagegen die Vorteile des nicht vorhandenen zusätzlichen Flächenverbrauchs und der größeren Dezentralität von Dachanlagen gesehen.

Zudem gibt es in der Novelle für das EEG 2027 eine Reihe weiterer neuer Regelungen. Diese waren schon deutlich, als ein erster Vorentwurf aus dem Ministerium im Februar ans Licht kam. Der nun bekannt gewordene Referentenentwurf entspricht in weiten Teilen jenem ersten Entwurf.

Keine höhere Förderung für besondere PV-Anlagen?

Es gibt aber im Detail auch Unterschiede. Sie sollen hier nicht alle aufgezählt werden – zumal es angesichts der Widerstände nicht ausgeschlossen ist, dass noch ein neuer Referententwurf kommt. Was etwa im Vergleich zum ersten Arbeitsentwurf aus dem BMWE fehlt, sind nähere Bestimmungen zu hochaufgeständerten Solaranlagen. Auf diese verzichtet das BMWE, weil es sowieso auf spezielle Ausschreibungen für besondere PV-Anlagen, wie etwa Agri-PV oder Parkplatz-PV, verzichten möchte.

An manchen Stellen hat das BMWE noch Passagen eingefügt, um seine Linie durchhalten zu können. Das betrifft beispielsweise die Anlagenzusammenfassung, also die Frage, wann mehrere Solaranlagen als eine gelten. Hier stellt das Ministerium nun auf den denselben Betreiber ab. So ließe sich auf manchen Dächern leichter erzwingen, für Solarstrom keine Vergütung zu zahlen. Denn ansonsten könnten mehrere PV-Anlagen, etwa auf dem Dach einer Wohnungseigentümergemeinschaft, wenn sie als eine Anlage zu zählen wären, auf mehr als 25 kW kommen. Liegen die einzelnen, einem Betreiber zuzurechnenden Anlagen aber unter diesem Wert, gäbe es laut den BMWE-Plänen keinerlei Förderung.

EEG 2027: Förderung nicht verpassen

Konkretisieren will das Ministerium auch, wann bei größeren Anlagen überhaupt Geld fließt. Neu ins EEG will Reiche die Vorschrift schreiben lassen, dass jede:r Betreiber:in einer Anlage mit mindestens 100 kW dem Netzbetreiber in Textform mitteilen muss, “dass für die Anlage eine Förderung in Anspruch genommen werden soll”. Und dies spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme einer Anlage. Wer das verpasst, soll leer ausgehen. Das BMWE argumentiert hier mit “Rosinenpickerei”. Denn ansonsten könnten Anlagenbetreiber:innen, wenn in der Anfangsphase die Strompreise hoch seien, die sonstige Direktvermarktung nutzen und den künftig im Zuge der Contracts for Difference (CfD) geforderten “Refinanzierungsbeitrag” umgehen, um später in das Fördersystem einzusteigen, falls die Strompreise dann niedrig seien.

Quelle: Andreas Witt | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH


Ein privates Gigawatt-Einspeisenetz und Sektorenkopplung in Bartow
Foto: Guido Bröer
Am Wochenende hat die Windbauer-Unternehmensgruppe aus Neubrandenburg anlässlich des Tags der Erneuerbaren Energien ein Umspannwerk in der Gemeinde Bartow in Vorpommern eingeweiht. Es ist Teil eines privaten Einspeisenetzes, das in Iven – am Knotenpunkt zweier Höchstspannungstrassen des ostdeutschen Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz – direkt an die 380-Volt-Ebene angebunden ist.

Gleich vier Umspannwerke mit einem Investitionsvolumen von 90 Millionen Euro baut die Windbauer-Gruppe im Nordosten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, um die eigenen und mehrere weitere Wind-, Solar- und Batterieparks ans Netz zu bringen. “Wir sind Infrastrukturentwickler und haben deshalb immer den Netzanschluss mitgedacht”, sagt Windbauer-Geschäftsführer und -Gründer Mathias Niedzwetzki. Er selbst hat 2012 seine erste Windturbine errichtet und führt heute die Unternehmensgruppe gemeinsam mit seinem Sohn Martin Niedzwetzki.

40 Leute beschäftigt die Gruppe bei den erneuerbaren Energien und 30 weitere in der Landwirtschaft. Denn zum Firmenverbund gehört auch ein 4000-Hektar-Landwirtschaftsbetrieb am Stammsitz in der 500-Einwohner-Gemeinde Bartow. Auf dessen Flächen gedeihen neben Windrädern und Solarparks unter anderem auch Bio-Rinder, die ganzjährig draußen in Mutterkuhherden aufwachsen.

2 Gigawatt Infrastruktur

Vater und Sohn Niedzwetzki denken somit als Landwirte einerseits lokal, andererseits aber auch richtig groß. “Wir können insgesamt rund 2 Gigawatt Infrastruktur darstellen”, rechnet der ältere der beiden vor. Und wenn er Infrastruktur sagt, dann meint er fast das volle Programm der Energiewende: Windenergie, Photovoltaik, Batterien und Stromnetz.

Im Nordwesten von Bartow stehen bereits seit einigen Jahren vier Windtubinen mit dem Windbauer-Schriftzug auf der Gondel. Im Südosten wachsen gerade neue Betontürme in die Höhe. Und im Nordosten der Gemeinde hat die zur Windbauer-Gruppe zählende Solarfarmer GmbH mit weiteren Kooperationspartnern im vorigen Jahr eine der größten PV-Freiflächenanlagen Deutschlands mit 275 MW aufgebaut.

Batteriespeicher als nächster Schritt in Bartow

Aktuell wartet man auf die Genehmigung für Batteriespeicher. Insgesamt 550 Megawatt an Großbatterien sollen als Vier-Stunden-Speicher ausgelegt und somit in der Lage sein, rund zwei Gigawattstunden Strom zu puffern. Nicht nur grünen Strom aus den umliegenden EE-Anlagen, sondern auch graue Elektronen aus dem 50-Hertz-Netz, wenn das Netz Entlastung braucht und die Preisschwankungen am Strommarkt Rendite versprechen. Ein Teil der Batteriecontainer soll unmittelbar am neuen Umspannwerk in der Gemeinde Bartow platziert werden, zu dessen Einweihung die freiwillige Feuerwehr am Samstag Bratwürste und Kuchenbuffet servierte.

Der erste Bauabschnitt der Anlage besteht zunächst aus vier baugleichen 63-kVA-Trafos, die in zwei Gruppen angeordnet sind. Sie transformieren die 33 Kilovolt (kV) aus den umliegenden Erneuerbare-Energie-Anlagen auf die 110-kV-Ebene. Über ein 4,5 Kilometer langes Hochspannungs-Erdkabel, das noch verlegt werden muss, soll der Strom zum Netzknoten in Iven fließen, wo die Windbauern zwei weitere Umspannwerke errichten, die direkt an die 380-kV-Leitung von 50 Hertz angeschlossen sind. Eines transformiert den 110-kV-Strom, der aus Bartow ankommt, auf die Höchstspannung; das andere kann die Spannung aus weiteren Erneuerbare-Energien-Anlagen direkt von 33 kV auf 380 kV anheben.

Einspeisenetz-Verbund Bartow liefert nach Bedarf

Pünktlich zur Einweihung am 25. April fegt über Norddeutschland ein strammer Westwind und zugleich strahlt die Sonne in weiten Teilen Deutschlands von einem fast wolkenlosen Himmel. Der Spotmarktpreis an der Leipziger Strombörse steht über Stunden tief im Minus. In mehreren Windparks am Horizont rund und um Bartow dreht sich nichts mehr. Die Turbinen wurden wegen Netzengpässen oder Marktsättigung abgeschaltet. Wenn hier die Großbatterien und Umspannwerke bald in Betrieb sind, soll es künftig viel weniger Zeiten geben, in denen sich die an das Einspeisenetz angeschlossenen Windräder nicht drehen oder die Solarparks abgeschaltet werden müssen.

Mit diesem Hinweis begegnet Mathias Niedzwetzki auch einem häufigen Vorwurf von Bürgerinitiativen, die es auch hier gibt und die gern darauf verweisen, dass der Strom aus der dünn besiedelten Region über die vorhandenen Netze schon jetzt oft nicht in die Zentren abtransportiert werden könne: “Wir machen genau das, was die Bürgerinitiativen von uns fordern: Wir speisen den Strom dann ein, wenn er gebraucht wird.”

Außerdem sollen erhebliche Strommengen künftig in Bartow selbst verbraucht werden. Die Visionen dafür haben die Niedzwetzkis mit der Gemeinde entwickelt. So soll an der Autobahn A 20, die durch die Kommune führt, ein Schnellladepark entstehen, der auch Elektro-LkW versorgen kann. Und man habe hier auch bereits ein grünes Gewerbegebiet und Sondergebiet zum Bau eines Rechenzentrums ausgewiesen, erklärt Niedzwetzki senior. Dessen Abwärme könnte dann wiederum ein Wärmenetz im Ortskern des Dorfes versorgen. “Wir müssen den Strom hier in der Region nutzen”, sagt er.

Sektorenkopplung in der Landwirtschaft

Und auch die eigene Landwirtschaft will der studierte Agraringenieur deshalb schnellstmöglich elektrifizieren. In fünf Jahren solle auf dem Landgut Bartow kein Traktor mehr mit Diesel fahren, gibt er als Ziel aus. Riesigen Mähdreschern, die mit 40 Tonnen Gewicht den Boden über Gebühr verdichten, prophezeit er ein baldiges Aussterben als fossile Dinosaurier. Kleine, autonom fahrende elektrische Erntemaschinen seien diesen in vielerlei Hinsicht überlegen. “Wir werden dann jährlich 400.000 Liter Diesel sparen”, sagt der Windbauer, was letztlich auch zur regionalen Wertschöpfung beitrage: “Denn Diesel kommt ja nicht aus dem Wasserhahn.”

Autor: Guido Bröer | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH


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