Studie belegt Wirkung des Kinofilms „The Day After Tomorrow“

Durch Werbung, Interviews und Medienberichte hat der Film des Regisseurs Roland Emmerich Menschen erreicht, die sich sonst nicht oder kaum für das Klimaproblem interessieren. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Dem Film sei es auch gelungen, dem Kinobesucher ein größeres Bewusstsein für die Vielschichtigkeit und…

Durch Werbung, Interviews und Medienberichte hat der Film des Regisseurs Roland Emmerich Menschen erreicht, die sich sonst nicht oder kaum für das Klimaproblem interessieren. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Dem Film sei es auch gelungen, dem Kinobesucher ein größeres Bewusstsein für die Vielschichtigkeit und Verwundbarkeit des Weltklimas zu vermitteln, so das PIK.  So sei zum Beispiel den meisten Befragten die Rolle der Ozeane vor dem Film nicht bekannt gewesen. Die „Special Effects“ einer hereinbrechenden Klimakatastrophe führten bei den Zuschauern jedoch keineswegs zu Fatalismus oder Fluchtgefühlen – wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Im Gegenteil: Nur knapp zehn Prozent der Befragten hätten die Botschaft „Wir können ohnehin nichts tun“ mit nach Hause genommen; 82 Prozent wählten nach dem Film die Botschaft „Wir müssen den Klimawandel unbedingt aufhalten“ als ihr Motto.

Der Klimaschocker „The Day After Tomorrow“ des Hollywood-Starregisseurs Roland Emmerich kam Ende Mai 2004 in rund 80 Ländern in die Kinos. Die Soziologen Fritz Reusswig und Julia Schwarzkopf vom PIK sowie Philipp Pohlenz von der Universität Potsdam führten die sozialwissenschaftliche Wirkungsstudie zum Film. Sie untersuchten, ob dieser Film die Klimadebatte neu entfachen und den Klimaschutz fördern würde, oder dem Klimathema letztlich schade, weil die Darstellung einer vom Menschen gemachten neuen Eiszeit auf der Nordhalbkugel mehr auf Fiktion als auf Wissenschaft beruhe. Die Studie wurde vom European Climate Forum (ECF) und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unterstützt.

Wer den Film gesehen hat, wählte eher Kerry

Neben dem PIK haben sich vier Forschungsteams aus den USA, Großbritannien und Japan mit der Wirkung des Films auf das Publikum beschäftigt. Diese Teams trafen sich am 21. und 22. Oktober am PIK, um ihre Ergebnisse auszutauschen. Dabei wurde deutlich: Die unterschiedlichen kulturellen und politischen Hintergründe in diesen Ländern führen dazu, dass ein und derselbe Film ganz unterschiedliche Wirkungen beim Kinobesucher hervorruft. In den USA etwa, wo Klima und Klimaschutz eine deutlich geringere Rolle in der Öffentlichkeit spielen als in Europa, hat der Film deutlich zur Sensibilisierung des Themas und der Notwendigkeit von Klimapolitik beigetragen. Und: Wer den Film gesehen hat, war deutlich stärker bereit, John Kerry zu wählen als George W. Bush.

Für die PIK-Studie wurden 1.118 Kinobesucher aus sechs deutschen Städten befragt (Berlin, Bremen, Magdeburg, Marburg, München, Potsdam). In einem schriftlichen Interview beantworteten sie unmittelbar vor und nach dem Kinobesuch Fragen zum Klimawandel und Klimaschutz. Eine weitere Gruppe von 150 Personen wurde vier Wochen später noch einmal telefonisch interviewt, um die Langzeitwirkung des Films zu überprüfen.

Die Ergebnisse der Studie liegen als PIK-Report Nr. 92 vor. Die Studie ist als PDF-Dokument (65 S., 433 KB) im Internet abrufbar: http://www.pik-potsdam.de/publications/pik_reports/reports/pr.92/pr92.pdf

06.11.2004   Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)   Solarserver.de   © EEM Energy & Environment Media GmbH

Schließen