EUROSOLAR und KfW verleihen Europäische Solarpreise 2004

EUROSOLAR hat zum elften Mal die Europäischen Solarpreise verliehen. Die Preisträger wurden am 02.12.2004 in der KfW-Niederlassung Berlin in zehn verschiedenen Kategorien geehrt. In der Festrede „Die inspirierende Rolle von Vorbildern – Europäischer Solarpreis“ betonte EUROSOLAR-Präsident Hermann Scheer, dass die Preisträger sowohl die ideelle als auch praktische Vorreiter seien, welche die Möglichkeit einer vollständigen Ablösung […]

EUROSOLAR hat zum elften Mal die Europäischen Solarpreise verliehen. Die Preisträger wurden am 02.12.2004 in der KfW-Niederlassung Berlin in zehn verschiedenen Kategorien geehrt. In der Festrede „Die inspirierende Rolle von Vorbildern – Europäischer Solarpreis“ betonte EUROSOLAR-Präsident Hermann Scheer, dass die Preisträger sowohl die ideelle als auch praktische Vorreiter seien, welche die Möglichkeit einer vollständigen Ablösung atomarer und fossiler durch erneuerbare Energien zeigten.

  Städtepreis für Güssing und Bonn

Die Gemeinde Güssing in Österreich erhielt die Auszeichnung für das Projekt der „Energieautarken Gemeinde“. Der Ort im Burgenland beschloss zu 100 % aus der fossilen Energieversorgung auszusteigen und verabschiedete ein Energiekonzept, das den gesamten Bedarf durch lokal verfügbare Biomasse abdeckt. Güssing verfügt heute unter anderem über eine Rapsmethylester-Anlage zur Produktion von Biodiesel, eine Fernwärmeanlage mit Holzbefeuerung und ein hochmodernes Biomasse-Kraftwerk mit einer Leistung von 2 MW Strom und 4,5 MW Wärme. Mit seiner Inbetriebnahme wurde das Ziel des ehrgeizigen Konzeptes verwirklicht.

Die Bundesstadt Bonn erhielt den Europäischen Solarpreis für zahlreiche kommunalpolitische Projektinitiativen und die in den vergangenen Jahren erworbene Rolle als internationales Kommunikationszentrum für die Entwicklung einer globalen ökologischen Perspektive auf der Basis erneuerbarer Energien. Die 1995 von der Stadt Bonn eingeführte kostendeckende Vergütung für Solarstrom, das Förderprogramm „Solarthermie“, sowie Initiativen zur Kraft-Wärme-Kopplung sowie das mit Pflanzenöl betriebene BHKW im Rheindorfer Hafen sind nur einige Beispiele für die Vielzahl der geförderten Initiativen.
Mehrfach war Bonn Gastgeberstadt von Klimaverhandlungen. Die deutsche UN-Stadt ist Sitz von 12 UN-Organisationen. Von den über 170 ansässigen staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen und Organisationen widmen sich in der „Solaratmosphäre“ der Stadt immer mehr der Mobilisierung erneuerbarer Energien.

Unternehmenspreis für Plusenergie-Gebäude und ökologische Produktion

Für Ihr „Wattwerk-Gebäude“ ausgezeichnet wurde die Holinger AG (Schweiz). Dabei handelt es sich um das weltweit erste kommerzielle Gebäude, dessen Außenhülle mehr Energie erzeugt als für die Betriebsvorgänge benötigt wird.

Die Brauerei Neumarkter Lammsbräu setzt ökologische Zielvorstellungen in sämtlichen Produktionsprozessen um, beispielsweise durch den bereits in den 80er Jahren eingeleiteten Übergang zu emissionsärmeren Energieträgern (Solarwärme, Erdgas) und den vollständigen Verzicht auf schweres Heizöl seit 1989.

Sonderpreis für außereuropäische Zusammenarbeit

S.P. Gon Chaudhuri, Direktor der West Bengal Entwicklungsagentur für Erneuerbare Energien (WBREDA) wurde von EUROSOLAR geehrt für das Engagement für eine dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien. Chaudhuri hat mehrere wichtige Projekte realisiert, darunter einen Informationspark zu erneuerbaren Energien in Kalkutta und sechs anderen Landesteilen. Er initiierte verschiedene Biomasse-, Photovoltaik- und Windkraftprojekte in ländlichen Regionen von West-Bengal durch die 14 Inseln mit rund 200.000 Bewohnern elektrifiziert wurden.

Besonderes persönliches Engagement: Windkraft Pionier Aloys Wobben

Einen Sonderpreis für besonderes persönliches Engagement erhielt Aloys Wobben. Der Gründer der Firma Enercon entwickelte und setzte technologische Innovationen um, die das Pionierunternehmen zum Global Player im Bereich Windenergie machten. Mit über 6.000 Mitarbeitern ist Enercon Marktführer in Deutschland und steht weltweit an dritter Stelle im Bereich der Windenergieanlagen. Wobbens Unbeirrtheit, seine Weitsicht und Kreativität hätten entscheidend dazu beigetragen, dass Windenergie heute zum Motor erneuerbarer Energien geworden ist, lobt die Jury.

Preise für Betreiber, Solares Bauen und Bildung

Der Preis für Eigentümer oder Betreiber von Anlagen geht an den Textilproduzenten Sunjut mit Sitz Istanbul, der als erstes Unternehmen in der Türkei Teile der zur Produktion benötigten Energie mit Windkraftanlagen erzeugte.

Der Verein Ecoserveis (Barcelona) wurde ausgezeichnet für die energieautarke „Sonnenfabrik“ (Fabrica del Sol), ein unter intensiver Einbeziehung erneuerbarer Energien saniertes Fabrikgebäude der früheren Barcelona-Gasfabrik. Der Europäische Solarpreis in der Kategorie solares Bauen würdigt die große Öffentlichkeitswirkung sowie die Leistung in den Bereichen Architektur und Stadtplanung.

Der Medienpreis ging an Federico Butera (Italien). Der Professor für Angewandte Umweltphysik an der Universität Mailand setzt sich seit mehr als 30 Jahren für erneuerbare Energien ein. Schwerpunkte seiner Forschung sind Solarenergie, bioklimatische Architektur und nachhaltige Stadtentwicklung. Mit seiner publizistische Tätigkeit trägt Butera seit Jahrzehnten dazu bei, die Nutzung erneuerbarer Energien voranzubringen.

Den Preis für Bildung/Ausbildung erhielten das britische Consulting-Unternehmen IT Power, Dr. Michael Grupp vom Synopsis Institut in Lodève (Frankreich) und Prof. Dr. habil. Stepan Kudrya (Ukraine).

02.12.2004   Quelle: EUROSOLAR e.V.   Solarserver.de   © EEM Energy & Environment Media GmbH

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