Bioenergie-Branche stellt Weichen für neuen Wachstumsmarkt

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Wie Biomasse am effektivsten genutzt werden sollte, ist immer noch umstritten, berichtet der Europressedienst (Bonn) in einem Beitrag über 2. Forum Bioenergie, das Ende letzten Jahres in Berlin stattfand. Dort diskutierten rund 60 Teilnehmer über die wichtigsten Nutzungsmöglichkeiten der Biomasse: ihre Verwendung als Biokraftstoff, die Einspeisung in das Erdgasnetz, die Kraft-Wärme-Kopplung und den Pelletsmarkt. Als „Pfad der Zukunft“ bezeichnete Matthias Hansch von E.ON Ruhrgas die Nutzung von Biomethan als Kraftstoff. Das „Bioerdgas“ habe eine erheblich bessere Flächeneffizienz als die anderen Bio-Kraftstoffe. Um diese Technologie zukunftsfähig zu machen, müssten die Bereitstellungskosten von Biogas jedoch weiter gesenkt werden.
Eine andere Möglichkeit biete jedoch auch die Aufbereitung von Biogas auf Erdgasqualität und dessen Einspeisung in das Erdgasnetz. Vorteil dieser Nutzung sei, dass die schon vorhandene Infrastruktur genutzt werden könne.

Biomasse-Verstromung nur mit Kraft-Wärme-Kopplung sinnvoll
Für eine Nutzung mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) setzte sich Michael Wittmann von der Schmack Biogas AG ein: „Biogas hat den großen Vorteil, dass es, anders als zum Beispiel Strom aus Windkraftanlagen, erstmal gespeichert werden kann und erst dann in elektrische Energie umgewandelt werden kann, wenn auch der Bedarf besteht“, so Wittmann. Matthias Hansch von E.ON verwies in diesem Zusammenhang auf das Problem, dass immer noch häufig eine Verstromung stattfinde, ohne die dabei entstehende Wärme zu nutzen. Die Entwicklung des Pelletsmarktes in Deutschland schätzte Ludwig Friedl vom Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V. (BDH) kritisch ein. In diesem Industriezweig seien vor allem Skandinavien und Norditalien Deutschland weit voraus.

Bundesregierung plant Ausbau der Bioenergie
Karin Freier vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) erläuterte, dass der Anteil der Bioenergie am Gesamtanteil erneuerbarer Energien bis 2020 von jetzigen 6,4 Prozent auf 14 Prozent steigen soll. Das Gesamtwachstum der regenerativen Energien solle sich bis 2020 auf Technologien der Bioenergie und der Offshore-Windparks stützen, so Freier. Damit würde die Bioenergie zu einer tragenden Säule innerhalb der erneuerbaren Energien werden. Im kommenden Jahr sollen dem Marktanreizprogramm (MAP) zur Förderung von Solaranlagen, Biomassekesseln und Geothermieanlagen 213 Millionen Euro zur Verfügung stehen, das sind 39 Millionen Euro mehr als 2006. Zudem hat der Bundestag beschlossen, ab 2014 einen Biokraftstoff-Anteil von zehn Prozent vorzuschreiben. Bereits in diesem Jahr beträgt der beizumischende Anteil 4,4 Prozent.

Lieferprobleme wie beim Öl möglich
Ein anderer Diskussionspunkt war die Frage nach der Menge verfügbarer Biomasse. Michael Herr von der Deutschen Energie-Agentur (dena) hält die Potentiale für begrenzt. Seiner Meinung nach reicht der von allen Ländern der Europäischen Union (EU) aufzubringende Anteil an Biomasse nicht aus, um den Bedarf aller EU-Länder an Primärenergie zu decken. Jürgen Hess von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) kündigte an, dass künftig in kaum einem Land genügend Biomasse für den Eigenbedarf zur Verfügung stehe. So sei Indien schon zu etwa siebzig und Japan zu hundert Prozent auf den Biomasseimport angewiesen, China fange gerade an zu importieren. Laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), beträgt der Anteil deutscher Ackerfläche, die für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden kann, im Jahr 2020 knapp 3,5 Millionen Hektar. Dies könnte etwa ein Viertel des deutschen Kraftstoffverbrauchs decken.

Chancen für Entwicklungsländer
In der Produktion von Biomasse sieht Experte Hess auch eine Chance für Entwicklungsländer. So biete die nicht essbare Ölpflanze Jatropha die Möglichkeit, Biomasse auf extrem trockenen und ausgelaugten Böden zu gewinnen. Ihre Eigenschaften als Bio-Kraftstoff werden von Unternehmen wie DaimlerChrysler und BP schon seit längerem erforscht.

10.01.2007 | Quelle: Europressedienst Bonn | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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