RUB-Ökonomin: Klimaschutz plus Wachstum in Entwicklungsländern möglich

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Wie es in Entwicklungsländern gelingen kann, Klimaschutz und Wachstum zu verbinden, hat eine junge Wissenschaftlerin an Ruhr-Universität Bochum (RUB) untersucht. In ihrer Diplomarbeit „Internationale Klimaschutzabkommen, Nachhaltigkeit und Entwicklungsländer“ stellt Birte Pohl fest, dass Entwicklungsländer durch den frühen Einsatz moderner, umweltfreundlicher Technologien einen Weg der Nachhaltigkeit gehen können. Dabei stehe nicht die absolute Senkung des Treibhausgasausstoßes im Vordergrund, sondern die Reduzierung der Intensität des Ausstoßes.

Entwicklungsländer spüren den Klimawandel deutlich
Während die Verantwortung für die Treibhausgasemissionen bisher maßgeblich bei den Industrieländern liege, seien Entwicklungsländer am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen, so die mit einem Preis der RUB ausgezeichnete Diplomandin. Sie geht davon aus, dass der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt einen Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde bewirkt hat, der unter anderem zu einem Schmelzen der Polare führen kann. Dies habe einen Anstieg des Meeresspiegels zur Folge, wodurch tief liegende Inseln und Küstenregionen durch Überschwemmungen und Stürme gefährdet würden. Da sich solche Regionen besonders in Entwicklungsländern befänden, seien diese erheblich von den Folgen des Klimawandels betroffen. Andere Gegenden müssten mit häufigeren und härtere Dürrzeiten rechnen, welche die Landwirtschaft beeinträchtigen, die gerade in ärmeren Entwicklungsländern eine wichtige Rolle spielt.

Entwicklungsländer schrittweise in den Klimaschutz einbeziehen
Wenn die Entwicklungsländer „aufholen“, ihren Lebensstandard verbessern und sich den Industrienationen nähern wollen, benötigen sie ein starkes Wirtschaftswachstum. Das bedingt zunehmenden Energieverbrauch und höhere Treibhausgasemissionen. Während sich die Industrieländer im Kyoto-Protokoll zu einer absoluten Emissionsreduktion verpflichtet haben, unterliegen Entwicklungsländer keiner solchen Verpflichtung. „Eine Wiederholung des Entwicklungsmodells der Industrieländer durch Entwicklungsländer würde die Belastbarkeit der Erde jedoch bei weitem überschreiten. Daher ist es notwendig, Entwicklungsländer schrittweise in die internationalen Klimaschutzanstrengungen einzubeziehen. Allerdings befürchten die Entwicklungsländer, dass dadurch ihr wirtschaftliches Wachstum beeinträchtigt werden könnte“, so Birte Pohl.

Technischer Fortschritt als Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung.
Eine nachhaltige Entwicklung berücksichtige wirtschaftliche Entwicklungsziele und ökologische Faktoren gleichermaßen, betont Pohl. Die Verpflichtung der Industrieländer zu einer absoluten Emissionsreduktion gebe Anreize zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien, da die industrielle Produktion nur voranschreiten könne, wenn energieeffiziente und umweltfreundliche Technologien eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien, Dieselfilter und Entschwefelungsanlagen.

Industrieländer treiben den Fortschritt an, Entwicklungsländer brauchen Technologien
Im Gegensatz zu den Industrieländern ist es Entwicklungsländern meist nicht möglich, den technischen Fortschritt aus eigener Kraft voranzutreiben. „Da technischer Fortschritt im Wesentlichen durch Industrieländer generiert wird, ist die Verbreitung dieser klimafreundlichen Innovationen in Entwicklungsländern von zentraler Bedeutung“, erklärt Birte Pohl. In ihrer Arbeit zeigt sie auf, dass technischer Fortschritt der langfristige Wachstumstreiber einer Volkswirtschaft ist, der Armut verringern und die Lebensbedingungen verbessert kann. Der Transfer von Technologien könne durch internationalen Handel oder ausländische Direktinvestitionen erfolgen. Im Kyoto-Protokoll werde mit dem Clean Development Mechanism (CDM) eine weitere Möglichkeit zum Technologietransfer eröffnet, da CDM Industrieländern Anreize zur Investition in klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern biete.

Wirtschafts- und Emissionswachstum entkoppeln
„Es zeigt sich, dass Entwicklungsländer beim Einsatz modernen Wissens die Möglichkeit haben, die nicht nachhaltigen Entwicklungspfade der Industrieländer zu umgehen und früher klimafreundliche Technologien in der Produktion einzusetzen“, fasst Birte Pohl zusammen. „Die klimapolitische Herausforderung für Entwicklungsländer besteht folglich in einer Reduktion der Emissionsintensität des wirtschaftlichen Wachstums und nicht in einer absoluten Emissionsreduktion.“ Schwerpunkt künftiger Verhandlungen über den Beitrag wachstumsstarker Entwicklungsländer zum internationalen Klimaschutz sollten daher Maßnahmen sein, die das Wachstum der Wirtschaft und die Emissionen entkoppeln.

04.03.2007 | Quelle: Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Theoretische Volkswirtschaftslehre | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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