Physiker fordern größere Anstrengungen beim Klimaschutz

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Deutschland muss sich beim Klimaschutz mehr anstrengen“, fordert Professor Eberhard Umbach, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), angesichts der jüngsten Zahlen des Umweltbundesamtes. Die Behörde hatte Ende März bekannt gegeben, dass der Ausstoß des wichtigsten Treibhausgases -Kohlendioxid – im Jahre 2006 gegenüber 2005 nicht etwa gesunken, sondern sogar um 0,6 Prozent gestiegen ist.
„Seit Jahren gibt die deutsche Umweltpolitik ehrgeizige Ziele vor, die dann bei weitem nicht erreicht werden. Das Bundeskabinett hat 1995 beschlossen, bis zum Jahr 2005 den CO2-Ausstoß um 25 Prozent relativ zum Ausstoß von 1990 zu senken. Im Jahr 2000 wurde diese Zielmarke im Rahmen des Nationalen Klimaschutzprogramms abermals festgelegt. Doch dieses Ziel wurde nicht nur krass verfehlt, seit 1999 haben wir de facto eine Stagnation bei der Verminderung der Kohlendioxidemission in Deutschland. Um glaubwürdig zu werden, muss die Umweltpolitik endlich ihre Ziele und die zu ihrer Realisierung notwendigen Maßnahmen in Einklang bringen“, betont der DPG-Präsident.

Großer Spielraum zur Senkung des CO2-Ausstoßes
Die Europäische Union hat sich im März 2007 in Brüssel darauf verständigt, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu senken. Diese Regelung bezieht sich auf die Gesamtemission aller Treibhausgase, ohne für einzelne Treibhausgase spezifische Ziele zu nennen. „Es ist jedoch klar, dass es im Wesentlichen um die Reduktion von CO2 gehen muss“, meint Umbach. „Denn der Ausstoß der übrigen Klimagase wie Methan und Lachgas sei inzwischen soweit gesenkt worden, dass für eine Reduktion dieser Gase nur noch wenig Spielraum bleibe. Beim CO2 sei dieser Spielraum sehr viel größer.“

Der Beschluss von Brüssel betrifft die Gemeinschaft aller 27 EU- Staaten. Welche Anteile einzelne Länder zu erbringen haben, ist Gegenstand weiterer Verhandlungen. Sollten alle Mitglieder in gleicher Weise beitragen, müsste Deutschland seine CO2-Emissionenum 20 Prozent senken. Eine solche Reduktion wäre bis 2020 möglich, vorausgesetzt der Trend der letzten Jahre setzt sich fort Allerdings bliebe dieses Ergebnis weit zurück hinter den Vorgaben des eigenen Nationalen Klimaschutzprogramms aus dem Jahre 2000. Darin ist eine Reduktion um 25 Prozent festgelegt – und zwar bereits für das Jahr 2005. „Dieses Ziel wurde offensichtlich völlig verfehlt und so spricht heute niemand mehr davon. Deutschland möchte beim Klimaschutz Vorbild sein, dann sollten wir auch zu unseren Zielen stehen, so Umbach.

Deutschland größter CO2-Produzent der Europäischen Union
Ein ehrgeiziges Ziel hat die EU in die Diskussion gebracht: Sofern sich die USA und China für mehr Klimaschutz engagieren, sollen die Emissionen europaweit um 30 Prozent gesenkt werden. Der DPG- Präsident ist allerdings skeptisch, dass Deutschland imstande wäre, dieses Ziel zu erreichen: „Deutschland ist der größte Kohlendioxidproduzent der EU. Schon bei der europaweiten Reduktion um 20 Prozent werden unsere Nachbarländer erwarten, dass wir uns selbst besonders anstrengen und sogar etwas mehr reduzieren als 20 Prozent. Allein das wird schon schwer genug.“ Die Annahme, dass Deutschland seinen Ausstoß sogar um 30 Prozent drosseln könne, entbehre deshalb jeglicher Grundlage. „Jedenfalls dann, wenn wir so weiter machen wie bisher.“, so Umbach.

Mehr Forschung- und Entwicklung nötig
„Natürlich kann das Weltklima durch Verminderung der deutschen Emissionen allein nicht verbessert werden“, unterstreicht Umbach. „Das Ziel einer deutschen Klimaschutzpolitik sollte jedoch darin liegen, Beiträge zu leisten, welche die anderen Akteure überzeugen, gemeinsam die richtigen Schritte zu unternehmen. Vorbild zu sein erfordert aber, dass man seine eigenen Ziele erreichen kann und dass man vernünftige Lösungsansätze unterbreitet. Deshalb wiederhole ich meinen Vorschlag, dass Deutschland, am besten noch im Rahmen der EU-Präsidentschaft, eine groß angelegte Forschungs- und Entwicklungsinitiative zu Energieversorgung und Klimaschutz ins Leben ruft. Das von Bundesministerin Annette Schavan unlängst angekündigte Aktionsprogramm ‚Forschung für den Klimawandel‘ ist ein Schritt in die richtige Richtung. Über die vorgesehenen Maßnahmen hinaus erscheint es mir aber unverzichtbar, viel mehr Forschungs- und Entwicklungsarbeit in die mittel- und langfristige Energieversorgung unter besonderer Berücksichtigung des Klimaschutzes zu investieren. Deutschland kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen, denn es ist aufgrund seiner wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Position ganz eindeutig dazu in der Lage.“

Bisherige Klimaschutzziele weit verfehlt
Im Mittel der letzten 16 Jahre sei der jährliche Ausstoß von Kohlendioxid nur mit einem halben Prozent pro Jahr gesunken, doch in den letzten 8 Jahren sei eine weitgehende Stagnation zu verzeichnen, so die DPG. So seien es 1999 882 Millionen Tonnen gewesen , die bis 2006 nur um 4 Millionen Tonnen auf 878 Millionen Tonnen sanken. Das 1995 beschlossene, deutsche Klimaschutzziel einer Reduktion von 25 Prozent gegenüber 1990 (dies entspricht 773 Millionen Tonnen CO2) sollte im Jahr 2005 erreicht werden – es wurde weit verfehlt, so die DPG. Würde sich der Trend der letzten 16 Jahre fortsetzen, wäre im Jahre 2020 zwar eine Reduktion um 20 Prozent erreichbar (auf 825 Millionen Tonnen). Die von der EU angebotene Reduktion um 30 Prozent hingegen würde nicht erreicht. Und weil Deutschland innerhalb der EU der größte Kohlendioxidproduzent sei, bedeuteten die EU-Ziele vom März 2007für Deutschland sogar noch höhere Reduktionen.

22.04.2007 | Quelle: Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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