Photovoltaik-Industrieforum: Globaler Solarstrom-Markt wächst bis 2010 auf 5,6 Gigawatt

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Nach Angaben der Europäischen Photovoltaik-Industrievereinigung (EPIA) wird der weltweite Solarstrom-Markt im Jahr 2010 ein jährliches Volumen von etwa 5.600 Megawatt peak (MWp) erreichen. Prognosen der US-amerikanischen Unternehmensberatung Navigant Consulting zufolge werden sich jedoch zehn Ländermärkte über 90 Prozent des gesamten Photovoltaik-Marktes teilen. Paula Mints, Direktorin bei Navigant Consulting, warnte auf dem 3. PV Industry Forum am 20.06.2007 in Freiburg vor übertrieben hohen Erwartungen an den US-amerikanischen Markt: „Bislang stellt das umfangreiche Förderprogramm für Photovoltaik in Kalifornien noch eine Ausnahme dar. Es müssen noch mehr Schwarzenegger in anderen amerikanischen Bundesstaaten folgen, um das vorhandene Potential auch langfristig erfolgreich zu nutzen.“
Zur Diskussion über die Marktentwicklung und den technischen Fortschritt der Photovoltaik versammelten sich im Vorfeld der Intersolar 2007 rund 300 Entscheider aus Wirtschaft und Politik auf dem dritten Photovoltaik-Industrieforum. Ausrichter des internationalen Branchentreffens waren der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) und die Deutsche Energie-Agentur (dena).

Deutschland ist größter Solarstrom-Markt weltweit
Deutschland ist mit einem jährlichen Marktvolumen von etwa 750 MWp im Jahr 2006 der derzeit größte Photovoltaik-Absatzmarkt weltweit. Als wesentliche Markttreiber gelten hier – neben den guten Rahmenbedingungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – auch die ausgesprochen positive Einstellung der deutschen Endkunden gegenüber der Sonnenenergie und die guten Finanzierungsbedingungen. Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland haben ein ähnliches Einspeisegesetz für regenerative Energien eingeführt. Marktanalysten erwarteten, dass 2010 allein der europäische Markt etwa die Hälfte des Weltmarktes ausmachen wird, berichtet der Europressedienst Bonn (EuPD).

Große Photovoltaik-Potenziale in der Dritten Welt
Den Schwellen- und Entwicklungsländern werde zwar das höchste technisch nutzbare Potenzial zugesprochen, die Marktentwicklung würde diesen Ansprüchen aber noch wenig gerecht. So habe China bereits eine eigenständige Photovoltaikindustrie aufgebaut, es fehle aber an einer entsprechenden Förderung als Initialzündung für das Marktwachstum in Binnenland. Auch die Entwicklungsländer seien allenfalls mit vereinzelten Projekten im Markt vertreten. Weltweit haben nach Angaben der Vereinten Nationen über zwei Milliarden Menschen noch keinen Zugang zu einer funktionierenden Stromquelle. Gerade der Elektrifizierungsgrad in Afrika sei äußerst gering. Doch trotz des großen Energiebedarfs in diesen Regionen sieht Jon Adams von der Sustainable Energy Society Southern Africa (SESSA) die bisherige Entwicklung skeptisch: „Die Photovoltaik hat einen schwierigen Stand in Afrika. Es nützt wenig nur Vorzeigeprojekte zu realisieren, wichtiger ist die Einbindung der Solarenergie in eine koordinierte Planung zur ländlichen Elektrifizierung.“ Großes Potenzial sieht Berthold Breit, Projektleiter für regenerative Energien bei der Deutschen Energie-Agentur (dena), dagegen im Einsatz von Photovoltaik-Hybrid-Anlagen in netzfernen Gegenden. Dort sind Dorfstromnetze, so genannte „Mini-Grids“ auf Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden, die Technologien der Zukunft.

Dünnschicht auf dem Vormarsch
Derzeit wird der Weltmarkt noch stark von Wafer-basierten Solarzellen dominiert, die einen Marktanteil von rund 90 Prozent haben. Eine Alternative hierzu sehen viele Hersteller in der Dünnschichttechnologie. Der Wirkungsgrad dieser Zellen liegt derzeit zwar noch unterhalb der Effizienz herkömmlicher Solarzellen, doch die Dünnschicht-Technik bietet auch große Vorteile, vor allem bezogen auf die Herstellungskosten und die flexiblere Anwendung – beispielsweise als fassadenintegrierte Lösung. Stefan Hansen, Managing Director der deutschen Sparte des Herstellers First Solar, sieht für das Jahr 2010 die Produktionskosten von Dünnschichtmodulen bei etwa 1,25 Euro pro Watt peak. Dies liegt deutlich unter den Kostenschätzungen für Wafer-basierte Solarmodule. Unabhängig von der Technologie herrsche in der Branche Einigkeit darüber, dass die Senkung der Produktionskosten ein entscheidender Faktor für die weltweite Marktentwicklung ist, so der EuPD. Gleichzeitig seien die Experten zuversichtlich, dass durch die zunehmende Massenproduktion ebenfalls ein deutliches Kostensenkungspotential gegeben ist.

Dünnschichttechnologie am Anfang der Lernkurve
Volker Ruhl, Business Analyst bei EuPD Research: „Mit einer weltweiten Produktionskapazität von rund 450 MW, sowie einer tatsächlich produzierten Menge von lediglich 160 MW zum Ende des letzten Jahres stehen wir bei der Dünnschichttechnologie noch am Anfang der Lernkurve. Bis zum Jahr 2010 rechnen wir realistischer Weise mit einer Verzehnfachung der Herstellerkapazitäten und damit auch mit der Realisierung von Skaleneffekten und signifikanten Verbesserungen des Effizienzgrades.“ Bis 2010 soll dann der Anteil der Dünnschichttechnologien an der weitweiten Produktionsmenge auf 20 Prozent steigen. Welche der zahlreichen Dünnschichttechnologien sich durchsetzen wird, ist heute noch nicht abzusehen. Derzeit überwiegen noch die siliziumbasierten Techniken. Viele Neueinsteiger favorisieren dagegen Varianten mit Halbleitern wie Kupfer-Indium-Disulfid wegen des derzeit höheren Wirkungsgrades.

25.06.2007 | Quelle: EuPD Europressedienst Bonn | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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