Photovoltaik: Deutsche Unternehmen unter den wichtigsten Investoren in Italien

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Italien erlebe derzeit ein nahezu ungebremstes Wachstum der Solarenergie, berichtet die Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner (Nürnberg) in einer Pressemitteilung. Die im europäischen Vergleich hohe Einspeisevergütung verbunden mit der überdurchschnittlichen Sonnenscheindauer hätte Italien zu einem der attraktivsten Investitionsstandorte der internationalen Photovoltaik-Branche gemacht. Deutsche Unternehmen zählten zu den wichtigsten Investoren. Bereits im laufenden Jahr soll nach Einschätzung des italienischen Solarverbandes GIFI Volumen des Solar-Marktes um 250 Prozent auf rund 150 Megawatt Spitzenleistung (MWp) wachsen. Für das kommende Jahr wird eine Verdoppelung auf über 300 MWp erwartet.
So hat die Phoenix Solar AG mit Sitz in Sulzemoos gemeinsam mit dem Investor Meinl International Power Ltd. im Juli einen Rahmenvertrag über die Planung und Errichtung von Photovoltaik-Kraftwerken mit einer Leistung von rund 14 Megawatt in Sizilien abgeschlossen. „Es ist kein Zufall, dass die Phoenix Solar AG den größten Projektvertrag in ihrer Unternehmensgeschichte in Italien abgeschlossen hat“, erklärte Benedikt Struppler von der Phoenix Solar Energy Investments AG im Rahmen des Forums „Going Global“ von Rödl & Partner am 18.09.2008 in der Villa Aurelia in Rom. „Der italienische Markt eröffnet derzeit mit die attraktivsten Wachstumschancen. Durch die exzellenten Voraussetzungen für Solarprojekte gelingt es uns, Investoren für die Realisierung großer Solarkraftwerke zu gewinnen“, so Struppler weiter.

Seit der Reform der Einspeisevergütung vom 19.2.2007 boomt der Markt für Photovoltaik in Italien. Zahlreiche Banken haben sich an Unternehmen der Energiewirtschaft beteiligt, um Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu finanzieren. Systembetreiber erhalten eine Förderung von bis zu 49 Cent pro Kilowattstunde Solarstrom, hinzu kämen die Einnahmen aus dem Stromverkauf, heißt es in der Pressemitteilung. Eine Solaranlage könne sich dadurch innerhalb von 8 bis 10 Jahren amortisieren.

Regionalismus erweist sich als Hemmschuh für Investitionsvorhaben
Doch es gebe auch Schattenseiten: Zwar sei im Jahr 2003 ein einheitliches Verfahren zur Erteilung der Bau- und Betriebsgenehmigung für Projekte für erneuerbare Energien eingeführt worden, „in Italien fehlen jedoch einheitliche gesetzliche Regelungen oder Vorgaben auf nationaler Ebene zur Zulassung von Solarprojekten“, erklärt Svenja Bartels, Rechtsanwältin bei Rödl & Partner in Padua. Stattdessen hätten viele Regionen eigene Gesetze und Richtlinien zum Anlagenbau verabschiedet oder sähen vor, dies zu tun. „Dies bremst an vielen attraktiven Standorten die Investitionsbereitschaft der Solarindustrie“, ergänzt Bartels.

Solar-Projekte in Apulien leiden unter unsicherem Genehmigungsverfahren
Derzeit sorgt besonders die Region Apulien für Verunsicherung bei den Investoren. Als einzige Region habe Apulien versucht, die Errichtung von Solarkraftwerken mit einer Leistung bis zu einem MWp dadurch zu erleichtern, dass sie 2007 ein vereinfachtes Verfahren (Dichiarazione di inizio attivita -D.I.A.) für ausreichend erklärt hat. Die DIA ist eine der Baubeginnanzeige ähnliche „Selbsterklärung“, mit der der zuständigen Gemeinde ein Photovoltaik-Bauvorhaben angezeigt und erklärt wird, dass das Projekt allen nationalen und regionalen Vorschriften entspricht. Während Apulien bisher als eines der attraktivsten Ziele ausländischer Investoren galt, bestehe hinsichtlich des DIA-Verfahrens derzeit große Verunsicherung. Verschiedene, nicht klar formulierte Gesetzesänderungen seitens der Region sowie uneinheitliche Richtlinien und die Verwaltungspraxis lokaler Behörden gäben Anlass zur Sorge auf Seiten der Investoren.
„Die Region Apulien stellt mit den heutigen Unsicherheiten in Bezug auf die anwendbaren regionalen Vorschriften ihren Ruf als attraktiver Investitionsstandort der internationalen Solarindustrie in Frage“, betont Roberto Pera, Rechtsanwalt und Managing Partner der Rödl & Partner-Niederlassung in Rom. „Es ist nicht hinnehmbar, dass bereits laufende Projekte nachträglich durch die Behörden in Frage gestellt werden. Investoren brauchen Rechtssicherheit. Die Region muss schnellstens die Unsicherheiten beseitigen, um zu verhindern, dass sämtliche DIA-Projekte in Frage gestellt werden.“
Investoren wie die Phoenix Solar AG haben sich bereits auf die Situation eingestellt und konzentrieren sich auf Projekte in Regionen, die Rechtssicherheit gewährleisten. „Wir sind uns der Problematik bewusst, dass es in einigen Regionen Italiens derzeit Unsicherheiten bei den Genehmigungsverfahren gibt. Wir haben entsprechende Vorkehrungen getroffen, um auszuschließen, dass unsere Investitionen durch Verzögerung oder Ablehnung der Genehmigungen gefährdet werden könnten“, betont Struppler.
Derzeit wird erwartet, dass die apulischen Behörden die Unsicherheiten mittelfristig beseitigen werden. Das DIA-Verfahren könnte damit weiterhin für Projekte gelten, die unterhalb der Grenze von einem MWp liegen. „Wir setzen darauf, dass im Interesse des Ausbaus der erneuerbaren Energien in Italien alle Unklarheiten in den regionalen Genehmigungsverfahren beseitigt werden“, betont Pera.
Das erste „Forum Going Global“ in Italien fand statt anlässlich der offiziellen Eröffnung der Niederlassung von Rödl & Partner in Rom. Die insgesamt dritte Niederlassung von Rödl & Partner in Italien hatte bereits im August 2007 ihre Tätigkeit aufgenommen und betreut internationale Unternehmen in Italien in den Bereichen Recht, Steuern und Wirtschaftsprüfung. Insgesamt beschäftigt Rödl & Partner nach eigenen Angaben in 3 Niederlassungen in Mailand, Padua und Rom rund 100 Mitarbeiter und gehöre damit zu den führenden Wirtschaftskanzleien in Italien.

19.09.2008 | Quelle: Rödl & Partner Mailand | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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