Potsdamer Forscher zeigen Grenzen des Bioenergie-Potenzials auf

NULL

Nachhaltig produzierte Bioenergie kann bis zur Mitte dieses Jahrhunderts etwa ein Zehntel des weltweiten Bedarfs an Primärenergie decken – zu diesem Ergebnis kommt das Gutachten “Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung” des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen (WBGU). Der WBGU hat das Gutachten am 03.12.2008 der Bundesregierung übergeben. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) lieferte Modellierungs-Ergebnisse für das Gutachten und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Anbau von Energiepflanzen in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln und zum Erhalt von Wäldern steht, heißt es in einer Pressemitteilung des PIK. Die Risiken für die Ernährungssicherheit und den Naturschutz müssten gegen die Kostenminderung im Klimaschutz abgewogen werden, welche die Bioenergie-Nutzung ermöglicht.
“Die von uns gerechneten Szenarien zeigen, dass weltweit Waldflächen in Plantagen umgewandelt werden müssten, wenn Bioenergie- Pflanzen in größerem Umfang angebaut werden“, so Wolfgang Lucht, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität. Die Bioenergieproduktion auf landwirtschaftlichen Flächen, die benötigt werden, um den steigenden Nahrungsmittelbedarf zu decken, sei keine Option.
Selbst bei einer vergleichsweise moderaten Nutzung würden voraussichtlich Restwälder in Europa und den USA zu Anbauflächen umgewandelt, zeigten die Simulationen mit dem globalen dynamischen Vegetationsmodell LPJmL (“Lund-Potsdam-Jena managed Land”). Steigern ließe sich die jährlich verfügbare Menge von Bioenergie nur, wenn auch die besonders artenreichen Wälder der Tropen vermehrt abgeholzt oder zum Anbau von Nahrungsmitteln benötigte Flächen genutzt würden, so Lucht in der Pressemitteilung des PIK.

Potenzial der Bioenergie beeinflusst Kosten für Klimaschutz erheblich
Untersuchungen von Wissenschaftlern des PIK-Forschungsbereichs “Nachhaltige Lösungsstrategien” haben laut Pressemitteilung ergeben, dass das Potenzial der Bioenergie die Kosten für den Klimaschutz maßgeblich beeinflusst: Je höher das Potenzial, umso geringer seien die Gesamtausgaben zum Erreichen des Ziels, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Berechnungen mit dem Energie-Ökonomiemodell “Remind” würden etwa zeigen, dass der finanzielle Aufwand bei einem Potenzial von 200 gegenüber 100 Exajoule (EJ) pro Jahr um die Hälfte auf rund ein Prozent des globalen Bruttosozialprodukts gesenkt werden könnte. “Ein so großer Beitrag der Bioenergie wäre möglich, würde aber mit erheblichen Verlusten beim Naturschutz oder bei der Nahrungsmittelsicherheit erkauft werden”, betont Lucht. Für den effektiven Klimaschutz müssten auch andere erneuerbare Energietechnologien eingesetzt werden.

Bioenergie nur als Brückentechnologie nutzen – Sonnen- und Windenergie können den Bedarf mittelfristig decken
In seinem Gutachten empfiehlt der WBGU zum einen, Energiepflanzen nur als Brückentechnologie bis zur Mitte des Jahrhunderts einzusetzen, wenn Sonnen- und Windenergie den Primärenergiebedarf überwiegend decken würden. Zum anderen müsse die Politik nicht nur national, sondern global Rahmenbedingungen setzen. Diese sollten sicherstellen, dass der Ausbau der Bioenergienutzung nicht dem Klima schadet oder Ernährungsprobleme und Landnutzungskonflikte verschärft. “Die Bioenergie hat zunächst eine naive und übersteigerte Begeisterung erzeugt. Nun dürfen wir das auch nicht in völlige Verteufelung umschlagen lassen”, erklärt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK.

07.12.2008 | Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

Schließen