Teleskop „Sunrise“ nimmt die Sonne ins Visier

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Am 8. Juni 2009 startete das deutsche Sonnenteleskop „Sunrise“ vom Raketenstartplatz Esrange bei Kiruna (Nordschweden) zu einer fünftägigen Mission. In einem riesigen Helium-Ballon schwebt das Sunrise über dem Polarmeer zum Nordpol und beobachtet dabei die Sonne ununterbrochen. Das Sonnenteleskop wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert und vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau bei Göttingen gebaut. Sunrise soll die Sonne aus großer Höhe mit einer Genauigkeit beobachten, die weder ein bodengebundenes Teleskop noch eine Raumsonde bisher erreicht hat, so das DLR in einer Pressemitteilung.

Untersuchung von Bewegung und magnetischer Orientierung im heißen Plasma
Mit dem Spiegel des Sonnenteleskops Sunrise, der einen Durchmesser von einem Meter hat, wollen die Wissenschaftler des MPS Strukturen auf der Sonne ab einer Größe von etwa 35 Kilometern beobachten. Ihr Ziel ist, erstmals die Bewegung und magnetische Orientierung feiner Strukturen im heißen Plasma, d.h. dem ionisierten Gas in der Sonnenatmosphäre zu erfassen. Die scheinbar gleichmäßig strahlende Sonne zeigt beim Blick durch ein Sonnenteleskop starke Aktivitäten. Auf ihrer Oberfläche brodelt es ähnlich wie in einem Kochtopf. Dabei kann es zu gigantischen Eruptionen kommen, bei denen Wolken heißen Plasmas Millionen von Kilometern ins All geschleudert werden, welche die Ursache für die so genannten Sonnenwinde sind. Durch die Beobachtung dieser dynamischen Prozesse wollen Wissenschaftler die zugrundeliegenden physikalischen Kräfte und das Verhalten der Sonne besser verstehen. Bereits geringe Schwankungen der Sonnenstrahlung haben Einfluss auf das empfindliche Gleichgewicht von Wetter und Klima der Erde. Sunrise dient darüber hinaus auch der Vorbereitung der Weltraummission „Solar Orbiter“ der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), deren Start für 2017 geplant ist.

Europäische und amerikanische Forscher beteiligt
Das technologische Ziel der Mission ist es, neue Beobachtungsinstrumente für künftige Weltraummissionen zu erproben. Dies und die wissenschaftlichen Ziele sind der Grund für die Förderung der Mission durch das Raumfahrt-Management des DLR. Rund 20 Millionen Euro trägt Deutschland, das sind etwa zwei Drittel der Projektkosten. Die Leitung hat das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau bei Göttingen. Das MPS wird unterstützt durch das Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg. Beteiligt sind weiterhin die amerikanischen Partner High Altitude Observatory des National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder und die Lockheed-Martin-Laboratories in Palo Alto sowie spanische Forscher vom Instituto Astrofisica de Canarias, La Laguna. Die Entwicklung des Sunrise-Teleskops wurde aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert durch das Raumfahrt-Management des DLR mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi).
Der Ballon mit dem Teleskop steigt bis auf 30 Kilometer Höhe. In dieser Höhe ist die Restatmosphäre so gering, dass das ultraviolette Licht mit einer Wellenlänge von bis zu 200 Nanometern fast ungefiltert von den Instrumenten aufgenommen werden kann. Am Boden wären diese Beobachtungen nicht möglich, da die Ozon-Schicht und der Wasserdampf in der unteren Atmosphäre das UV-Licht größtenteils absorbieren.

08.06.2009 | Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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