Architekten-Umfrage zur Photovoltaik-Gebäudeintegration: Mehr Information über Systeme und Kostentransparenz erforderlich

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Architekten und Ingenieure benötigen Kostentransparenz sowie umfassendere Informationen über gebäudeintegrierte Photovoltaikanlagen (Building Integrated Photovoltaics (BIPV) und Gewährleistung, um Solarstromanlagen stärker in ihre Bauprojekte eingliedern zu können. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Economic Forum Anfang September 2009 veröffentlichte. An der Befragung nahmen 79 Architekten, Bauingenieure und weiter Fachleute teil, berichtet das Economic Forum in einer Pressemitteilung. Ein Drittel der Befragten hält solare Integration für sehr kostspielig, und 14 % gestehen ein, dass sie die Kosten kaum kennen. 36 % der Befragten halten eine spezielle Förderung der Gebäudeintegration aufgrund der hohen Kosten für erforderlich.
Wo immer möglich, bringen die Befragten ihre Bedenken bezüglich der zu hohen Kosten, fehlender Kosten-Nutzen-Rechnungen und ganzheitlicher Kalkulationen zur Sprache. Lediglich 17 % sind der Meinung, dass BIPV nicht teuer sei, da sich die Anlage von selbst finanziere.

Kostenersparnis durch die Einsparung herkömmlicher Bauteile
“BIPV haftet das Image an, dass sie zu teuer ist. Hier wollen wir mit dem Energy Forum mehr Transparenz schaffen”, sagt Andreas Karweger, Geschäftsführer des Economic Forum, das Veranstalter einer Tagung zur Solararchitektur ist, die jährlich im Dezember in Brixen (Südtirol) stattfindet. Bereits auf dem Energy Forum im Dezember 2008 hatten Referenten mehrerer Photovoltaik-Unternehmen betont, dass ihre integrierten Dächer und Fassaden konkurrenzfähig mit konventionellen Gebäudehüllen seien. Dabei betonten sie die Kostenersparnis, die integrierte Anlagen durch die Einsparung herkömmlicher Bauteile wie Dachziegel, Wärmedämmung oder Verschattungselemente erzielen.

Standardisierung der Produkte kann Kosten weiter senken
Die Kosten für individuell gefertigte BIPV-Sonderlösungen seien sicher noch höher als bei herkömmlichen Gebäudehüllen mit Standardmaterialien, räumt Karweger ein. “Die zunehmende Standardisierung der Produkte wie Solardächer und integrierfähige Solarmodule werden jedoch die Kosten weiter senken”, prognostiziert Karweger. Hinzu komme die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung, die PV-Anlagen über Jahrzehnte erwirtschaften. “Leider wird der Return über die Einspeisevergütung noch nicht hinreichend in der Kalkulation berücksichtigt. Wir werden daher beim nächsten Energy Forum dem Kostenaspekt besondere Aufmerksamkeit widmen”, kündigt Karweger an.
Bereits im April 2006 hatte das Ingenieurbüro Arup im Auftrag der EU-Kommission die so genannte “BIPV-CIS”-Studie abgeschlossen. Arup hatte 84 Architekten und Ingenieure aus sieben Ländern zur gebäudeintegrierten Photovoltaik und zu CIS-Dünnschichtmodulen befragt. Über die Hälfte der Teilnehmer gab an, dass sie bisher noch keine BIPV-Anlagen in ihre Bauplanung einbezogen hätten, da die Kosten hierfür zu hoch seien. Die Arup-Studie zeigte jedoch auch, dass die Befragten die Kosten für integrierte Photovoltaikanlagen deutlich überschätzen.
Gewährleistung noch unklar
Informationsdefizite stellen die zweitgrößte Hürde für eine stärkere Nutzung der BIPV dar. Einen großen Aufklärungsbedarf sehen die Teilnehmer der Economic Forum-Umfrage bei der Gewährleistung. Für zwei Drittel der Befragten sind die Gewährleistung, die Zuständigkeiten und die Definition der Schnittstellen bei einem Bauprojekt “ungenau und zu kompliziert”. 29 % sind der Meinung, dass die BIPV-Vorgaben nicht mit den üblichen Vorschriften des Fassaden- und Dachbaus übereinstimmen. Für problematisch hält die Mehrzahl die Überschneidungen mit anderen Gewerken: 96% der Befragten sind der Meinung, dass die Gewerke und deren Berufsgruppen an einem Bauwerk besser zusammenzuarbeiten müssen. Eine derart deutliche Aussage gab es an keiner anderen Stelle der Umfrage.
Die Liste der offenen Fragen der Planer ist lang: 18 % der Befragten rätselt über die Haltbarkeit bzw. Lebensdauer der Module. Fast ebenso viele (17 %) interessieren sich für Fragen des Brandschutzes und der Sicherheit von integrierten PV-Anlagen. Auch wie Photovoltaikanlagen optimal in eine Fassade eingebaut werden, ist vielen nicht klar. Die Hinterlüftung der Fassade und die Wasserdichtigkeit eines PV-Daches werfen weitere Fragen auf. Darüber hinaus wünschen die Befragten Informationen über Systemlösungen, insbesondere integrierfähige Elemente, die mehrere Funktionen wie Stromerzeugung, Belüftung, Tageslichtlenkung oder Wärmedämmung vereinen. Wissensbedarf gibt es weiterhin bei der Integration von PV-Anlagen in bestehende Gebäude. “Der Informationsbedarf bei unseren Teilnehmern ist sehr groß. Wir werden dem Rechnung tragen und im Dezember beim nächsten Energy Forum den Teilnehmern genügend Zeit für Fragen und Antworten einräumen”, betont Karweger. “Außerdem werden mehrere Architekten und Ingenieure die Gebäudeintegration aus ihrer Sicht darstellen.”
Energiegewinnung als Hauptargument
Über die Hälfte der Befragten gibt Energiegewinnung als Grund für eine Fassadenintegration an; ein Drittel nett das “attraktive Design”. Dennoch kritisieren viele Architekten die Ästhetik aktueller PV-Anlagen. Bei den bevorzugten Anwendungsmöglichkeiten von BIPV-Produkten liegt die Warmfassade mit integrierter Dämmung mit 30 % vorn, gefolgt von der Kaltfassade mit 27 % und dem Solardachziegel mit 26 %. Bei der Dachintegration überzeugt die Befragten der praktische Nutzen, dass sie mit einer PV-Anlage die Dachziegel einsparen können. 41 % nennen dies als Beweggrund für eine dachintegrierte Anlage.
Das nächste internationale Energy Forum findet vom 2. bis 4. Dezember 2009 in Brixen, Südtirol, statt. Der Kongress steht in diesem Jahr unter dem Motto “Solararchitektur & Stadtplanung” und behandelt integrierte Gebäudehüllen, BIPV im Gebäudebestand, Tageslichtnutzung und solare Stadtplanung. Außerdem findet am 1. Dezember ein BIPV-Workshop der Unternehmen Ertex-Solar und Sulfurcell statt. Nähere Informationen unter http://www.energy-forum.com/

14.09.2009 | Quelle: EF Economic Forum LTD | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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