Photovoltaik im Winter: Aktuelle Expertentipps für Betreiber von Solarstromanlagen

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Im Solar-Interview beantwortet Christoph Sälzler , Projektleiter der WIRSOL SOLAR AG und verantwortlich für die Qualität der von WIRSOL installierten Anlagen, Fragen, die angesichts der aktuellen Wetterlage aufdrängen.
Sälzler ist seit etlichen Jahren in der PV- Branche tätig und gilt als ausgewiesener Experte für Fragen zur Sicherheit und Effizienz von Solarstromanlagen.

Solarserver: Es ist kalt geworden:  Funktioniert eine Photovoltaik-Anlage nur bis zu einer bestimmten Temperatur?
Sälzler: Tatsächlich steigt der Wirkungsgrad der Solaranlage, wenn es kalt ist. Zwar erreicht im Sommer mehr Lichtenergie der Sonne die Module und treibt die Stromproduktion nach oben. Aber an klaren Wintertagen liegt der Stromertrag noch immer recht hoch – abhängig beispielswiese von dem Winkel, in dem die Module auf dem Dach liegen. Je steiler der Winkel, umso besser funktioniert die Anlage auch bei der im Winter niedrig stehenden Sonne. Jedenfalls droht auch bei klirrender Kälte kein Ausfall der Module. Im Gegenteil: Je kälter es ist, desto höher ist der Wirkungsgrad.

Solarserver: Und was ist zu tun, wenn Schnee auf den Modulen liegt?

Sälzler: Zunächst sollte man Ruhe bewahren. Beispielsweise möchte ich dringend davon abraten, bei kaltem Wetter mit der Gefahr von Eisglätte auf dem Hausdach den Schnee zu fegen. Das wäre erstens gefährlich und zweitens unnötig.
Der Ertragsausfall durch eine Schneedecke auf dem Dach liegt bei einer fachmännisch installierten Photovoltaik-Anlage im einstelligen Prozentbereich. Wirsol berücksichtigt bei der Ertragsprognose bereits die Schnee-Phasen. Heißt: Ein paar Tage oder Wochen mit verschneiten Solarmodulen schmälern die Erträge nicht wesentlich.

Einerseits scheint die Sonne im Winter nur vergleichsweise kurz. Und der Einstrahlungswinkel ist auch nicht optimal, weil die Sonne tief steht. Die von den Modulen in Strom umwandelbare Energiemenge der Sonnenstrahlen wäre auch kleiner, wenn keine Schneedecke vorhanden ist. Und eine dünne Schneedecke verdunkelt die Module auch nicht vollständig.

Solarserver:  Bestehen besondere Gefahren, wenn der Schnee schmilzt?

Sälzler:  Der Schnee schmilzt tatsächlich schneller. Vor allem, wenn schon ein Teil der Module frei liegt, erwärmt sich der übrige Teil vergleichsweise schnell und der schmelzende Schnee rutscht ab. Das ist jedoch vor allem bei dünner Schneedecke der Fall. Heißt: Wenn wir von echten Schneemassen reden, besteht immer die Gefahr durch Herabrutschen.
Die fachmännisch installierte Solaranlage leidet jedenfalls nicht unter der Schneelast, genauswenig wie bei Hagel, Regen oder Sturm.Solarserver:  Ist ein Frühjahrsputz nötig?

Sälzler: Jedenfalls nicht auf dem Dach. Schlieren oder Wasser-Rückstände wie kleine Kalk-Ablagerungen behindern die Sonnenstrahlen äußerst wenig. Tatsächlich ist es gut, wenn Regen oder tauender Schnee die Anlage abspült. Das reicht völlig aus, um beispielsweise Staub zu entfernen. Wer noch ein gesondertes Interesse daran hat, dass seine Photovoltaik-Anlage pikobello blitzblank ist, sollte sich an einen Fachmann wenden, der die Reinigung übernimmt. Es ist zwar nicht kompliziert, die Module zu reinigen. Aber in der Regel liegen die Teile auf dem Dach. Da sollte nur geschultes Personal drauf.

Solarserver:  Halten Photovoltaik-Anlagen in Gegenden mit langen Wintern länger als in heißen Gebieten?

Sälzler: Tatsächlich hängt die Haltbarkeit der Solarmodule von der Zeit ab, die sie mit Sonnenstrahlen beschossen werden. Wenn beispielsweise ständig und volle Kraft die Strahlen auf die Module treffen, sind nach knapp 20 Jahren spürbare Ermüdungserscheinungen zu beobachten. Da sprechen wir allerdings von Wetterbedingungen, die wir in Wüstenregionen in Nähe des Äquators vorfinden.

In Deutschland liegt die Lebensdauer von Solaranlagen bei mehr als 20 Jahren. Und auch wenn dann die ersten Leistungs-Gefälle auftreten, sind die erstens gering. Und außerdem kann die Anlage dann immer noch Jahrelang viel Strom produzieren.

Solarserver: Sollte n Betreiber einen Winter-Check machen?

Sälzler: Ich empfehle, zunächst den Aufbau der Anlage mit dem Auge einzuschätzen. Sind alle Verschraubungen an ihrem Platz? Haben sich Module vielleicht verschoben? Solche Dinge passieren gelegentlich bei nicht fachmännisch installierten Anlagen. Ansonsten wären sichtbare Mängel eine Überraschung. Sollten dennoch etwas Beunruhigendes zu sehen sein, ruft man am besten den Installateur. In der Regel fallen solche Mängel in die Gewährleistung, und eine Nachbesserung kostet in dem Fall nichts.

Solarserver: Was zeichnet einen Fachmann aus?

Sälzler: Wenige Unternehmen haben Zertifikate wie das RAL-Siegel. Darauf kann man sich als Verbraucher verlassen. Wenn man jetzt aber beispielsweise die Anlage vom ortsansässigen Elektriker hat, würde ich als erstes schauen, ob der schon Erfahrungen bei der Installation von Photovoltaik vorweisen kann. Und im besten Fall hat der Elektriker eine Dachdecker-Firma als Partner, die fachlich für den Aufbau auf Dachflächen qualifiziert ist. Diese Kenngrößen würde ich nachfragen. Bekommt man dann aber keine Antwort, die Sicherheit vermittelt, rate ich dazu, einen unabhängigen Experten heranzuziehen.

Im Ernstfall, wenn beim Aufbau der Anlage tatsächlich gepfuscht wurde, würde ich auch damit rechnen, noch den einen oder anderen Euro nachlegen zu müssen. In dem Fall bleibt nur, das als Lehrgeld zu betrachten. Aber die Sicherheit und Qualität der Anlage sollte es jedem wert sein.

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