Intersolar North America 2011 zeigt Herausforderungen und Chancen der weltweit wachsenden Solar-Industrie

NULL

von Christian Roselund
Am 14. Juli 2011 ging die Intersolar North America im kalifornischen San Francisco zu Ende. Drei Tage lang gab es auf der Messe und den Konferenzen die Möglichkeit für Hersteller, Installateure, politische Entscheider, Finanziers und Solar-Interessierte, sich zu vernetzen.Auf der Intersolar war dieses Jahr alles größer: 839 Aussteller (17 % mehr als letztes Jahr) präsentierten sich im Moscone Center auf 16.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche (30 % mehr als im Vorjahr). Die Messe zeigte, dass die Branche gewachsen ist. Der weltweite Photovoltaik-Markt hat sich 2010 mehr als verdoppelt: Die Erweiterung der Herstellungskapazitäten war ehrgeizig, die installierten Anlagen wurden immer größer, neue Technologien und Lösungen für alte und neue Probleme wurden entwickelt.

2011 wird schwierig für die Solarbranche
Sechs Monate nach Abschluss des beeindruckenden Jahres 2010 hat sich die Stimmung jedoch deutlich geändert. Während viele Vertreter der Branche vom langfristigen Wachstum der Industrie überzeugt sind, scheinen die kurz- und mittelfristigen Aussichten eher problematisch.
Der Intersolar North America gingen insbesondere zwei Quartale mit schwacher Nachfrage in einigen der weltgrößten PV-Märkten voraus, sowie ein Überangebot an Solarmodulen und enorme Preiseinbrüche. Der Markt der solarthermischen Kraftwerke wächst in Spanien weiter, aber große Solarthermie- und Photovoltaik-Projekte in den USA wurden auf Grund von Finanzierungsschwierigkeiten und Rechtsstreitigkeiten verschoben. Auch die Märkte für solares Heizen und Kühlen hatten es schwer, zum Teil wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise.

Energiespeicherung
Da weltweit immer mehr Photovoltaik-Leistung installiert wird, gewinnen Speicherlösungen mehr und mehr an Bedeutung.In den USA sind Photovoltaik-Anlagen noch weniger verbreitet als in den führenden europäischen Märkten. Die Solarparks im-Kraftwerksmaßstab führen bei schwankender Stromproduktion zu größeren Risiken als eine dezentrale Stromerzeugung. Einige US-Solarunternehmen nehmen das Problem der Energiespeicherung ernst.

Natrium-Schwefel-Batterien werden zurzeit am häufigsten eingesetzt, um große Mengen Solarstrom zu speichern. Aber auch viele andere Technologien werden erforscht; Foto: Hawaiian Electric CompaniesDazu zählt beispielsweise die SOLON Corporation, ein Tochterunternehmen der deutschen SOLON SE. Ihr Forschungsdirektor Bill Richardson sprach auf einem Forum über Energiespeicher am ersten Messetag. SOLON hat erst kürzlich eine neue Partnerschaft mit der Tucson Electric Power Company (Tucson, Arizona, USA) und der Universität von Arizona angekündigt, um verschiedene Speichertechnologien zu testen, die zusammen mit Photovoltaik-Anlagen möglich sind.
“Photovoltaik setzt sich mehr und mehr durch und verbreitet sich immer mehr”, sagte Richardson dem Solarserver auf der Messe. „Wir haben festgestellt, dass Stromversorgungsunternehmen sich Gedanken über die schwankende Stromproduktion bei diesen Großanlagen machen.“
“Daher blicken wir in die Zukunft und sagen: Wenn die Stromversorger eine Kontrolle der Solarstromanlagen wollen, dann sollten wir die Fachleute sein, die ihnen diese Kontrolle liefern. Und das erfordert Speicherlösungen. Experte für die Installation und Integration von Stromspeichern wird man nur, wenn man sie installiert und integriert. Das muss einfach gemacht werden."
Hinsichtlich der Technologie betonte Richardson, dass es keine einheitliche Speicherlösung gibt. Wie geeignet ein bestimmter Speicher ist, hänge entscheidend vom Klima und der Art der benötigten Leistungssteuerung ab.
Einige Monate vor der Messe ging das solarthermische Kraftwerk Gemasolar in Betrieb. Das Solarthermie-Kraftwerk kann als erstes seiner Art dank eines Flüssigsalz-Speichersystems rund um die Uhr Strom produzieren. Diese technische Leistung belegt das Potenzial der CSP-Technologie. Diese Art der Energiespeicherung kostet weniger als viele Batteriesysteme. Aus diesem Grund schätzen viele Vertreter der Branche das Potenzial solarthermischer Anlagen wieder größer ein.
Der Solarserver präsentiert Gemasolar als Solar-Anlage des Monats Juni 2011.
Wieder bessere Aussichten für die Dünnschicht-Photovoltaik
Zu den spannenderen technologischen Entwicklungen seit der letztjährigen Intersolar gehören einige neue Wirkungsgrad-Rekorde in der Dünnschicht-Photovoltaik, insbesondere bei Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid (CIGS oder CIS)-Modulen, und neuer Optimismus seitens der Hersteller.Vermutlich ist kein Dünnschicht-Hersteller so ehrgeizig wie Solar Frontier K.K. (Tokyo, Japan), wenn es darum geht, Produzenten von kristallinen Solar-Modulen Marktanteile wegzunehmen. Das Unternehmen hat im April 2011 sein neues CIS-Werk im japanischen Miyazaki eröffnet.
Luftbild der 1 GW-CIGS-Modulfabrik von Solar Frontier in Kunitomi; Foto: Solar Frontier K.K.Der Technik-Chef von Solar Frontier Americas, Greg Ashley, sprach auf dem Podium am 13. Juli 2011 über Verbesserungen der Dünnschicht-Technologie. CIS schließe nicht nur die Lücke zu den Wirkungsgraden kristalliner Si-Module, sondern biete auch andere Vorteile, wie die Absorption größerer Bandbreiten der Sonneneinstrahlung und höhere Leistung bei schwachem Licht und Hitze.
Außerdem werde für Dünnschichtmodule nur ein Bruchteil des Halbleitermaterials benötigt, das für kristalline Siliziummodule notwendig ist. Auch könnten CIS-Module hinsichtlich des Preises mit kristallinen Si-Modulen mithalten.
Wie Solar Frontier gelang es auch einigen anderen Unternehmen, die Wirkungsgrade von CIS-Modulen zu erhöhen, darunter die Q-Cells-Tochter Solibro GmbH (Wolfen) und erst kürzlich XsunX Inc. (Aliso Viejo, Kalifornien, USA).
Die Wirkungsgrade der Serienfertigung liegen immer etwas unter den Laborwerten, doch einige dieser Unternehmen – darunter Solibro und Solar Frontier – haben bewiesen, dass sie Module mit bemerkenswerten Wirkungsgraden in großen Mengen herstellen können. Solibro erreichte beispielsweise bereits einen Wirkungsgrad von 13,4 %.

Getrübte Aussichten für 2011 und 2012
Steigende Wirkungsgrade und sinkende Preise sind mehr denn je wichtig für die Photovoltaik, um im Wettbewerb zu bestehen. Denn die kurzfristigen Aussichten auf den Weltmärkten sind getrübt. Bei einer Podiumsdiskussion über die Zukunft der Photovoltaikmärkte waren sich EuPD Research-Direktorin Daniela Schreiber und Photovoltaik-Analyst Michael Sheppard von IHS iSuppli in ihren Prognosen einig: Der Photovoltaik-Weltmarkt soll sich zwar in der zweiten Jahreshälfte 2011 erholen, aber 2011 und 2012 insgesamt zurückgehen.
Die Analysten hoben hervor, dass sowohl in Deutschland als auch in Italien – die zusammen 60 % der weltweiten Photovoltaik-Nachfrage 2010 ausmachten – das Marktwachstum die jeweiligen Landesziele für PV-Kapazitäten übertraf. Beide gehen davon aus, dass die Märkte, von denen künftig am meisten erwartet wird, darunter die USA und China, Deutschland und Italien in den nächsten Jahren nicht verdrängen werden, selbst wenn die PV-Preise auf Grund der Überproduktion weiterhin fallen.

Zukunft des US-Marktes wirft Fragen aufAndere Analysten wie Paula Mints von Navigant Consulting Inc. (Washington D.C., USA) weisen darauf hin, dass einige der optimistischeren Prognosen bezüglich des kurzfristigen Wachstums der US-Photovoltaikmärkte nicht alle Aspekte berücksichtigen. Zwar befänden sich viele PV- und CSP-Kraftwerke in der Pipeline, aber es sei ein langer Weg " from power points zu power plants".

Solarenergie und konkrete Förderpolitik
Auf der Intersolar-Konferenz wurde eine einheitliche Einspeisevergütung für die USA gefordert, die allen Solar-Technologien nützen würde. Bei dem derzeitigen politischen Klima in den USA sei jedoch die Chance, dass dieser Vorschlag von der Regierung umgesetzt wird, gering.Die oppositionellen Republikaner und die so genannte Tea-Party-Bewegung haben im US-Kongress bereits erreicht, dass Gelder für das Office of Renewable Energy and Energy Efficiency des Umweltministeriums (DOE) und für die Umweltschutzagentur (Environmental Protection Agency) gekürzt wurden. Diese Bestrebungen sollen eine Regulierung des CO2-Ausstoßes verhindern. Und es mutete geradezu ironisch an, dass der Vorschlag zur Einspeisevergütung ausgerechnet auf der Intersolar gemacht wurde, zu dem Zeitpunkt, als die Republikaner gedroht hatten, die US-Schuldenobergrenze nicht anzuheben – was für die US-Wirtschaft und weit über die Solarbranche hinaus verheerende Folgen hätte haben können.Die Republikaner sind sowohl gegen eine ehrgeizige Klimaschutzpolitik als auch gegen eine nationale Förderpolitik für erneuerbare EnergienWenn der rechte Flügel im US-amerikanischen politischen Spektrum diese Dynamik bis zu den Wahlen 2012 beibehält, könnten die Fördermaßnahmen, die von US-Präsident Barack Obama eingeführt wurden, wieder abgeschafft werden. Insbesondere ist die Verlängerung von Obamas Treasury Grant Program (TGP) fraglich, das Grundlage für Darlehen des US-Finanzministeriums in Höhe von 30 % auf Solar-Investitionen ist. Paula Mints von Navigant Consulting sieht die Wahrscheinlichkeit einer Verlängerung des TGP bis 2012 bei etwa 40 Prozent.
Die politischen Rahmenbedingungen auf der Ebene der Bundesstaaten sind komplexer. Da es keine starken nationalen Vorgaben gab, haben die einzelnen Staaten und sogar Städte selbst Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien eingeführt. In mehreren Staaten, darunter Kalifornien, Texas und North Carolina, haben auch einige republikanische Politiker engagierte Förderprogramme unterstützt, um Solarenergie und andere erneuerbare Energien zu fördern.

Gute Aussichten für die Konzentrator-Photovoltaik
Jedoch verheißen einige Trends Gutes für den US- und den weltweiten Solarmarkt. Sinkende PV-Preise sind zwar schmerzlich für die Hersteller, aber sie schließen auch die Lücke zwischen den Photovoltaik-Kosten und der Netzparität. Der anhaltende Technologie-Forschritt und innovative Lösungen für Finanzierungsprobleme könnten in bestimmten Märkten neue Impulse setzen.
Nach jahrzehntelanger Entwicklung und Jahren kleinerer Pilotprojekte werden nun Konzentrator-Photovoltaik-Projekte mit mehr als über 100 Megawatt angegangen.Unter den diesjährigen Ausstellern hat Soitec SA (Bernin, Frankreich) mit seiner Concentrix-Technologie kürzlich Strombezugsvereinbarungen (power purchase agreements, PPA) über 305 MW mit der San Diego Gas and Electric Company (SDG&E) geschlossen.

Das ist das bisher größte Projekt auf diesem Gebiet. Soitec betreibt auch Pilotprojekte in Marokko und Tunesien und führt dort seine Kooperationen in Forschung und Entwicklung weiter.Die Stärken der CPV zeigen sich bei den Kosten. In den richtigen Gegenden, zum Beispiel in Teilen Südkaliforniens und Nordafrikas, punktet Konzentrator-Photovoltaik mit niedrigeren Stromgestehungskosten als andere Technologien. Außerdem sind Soitec und andere Unternehmen überzeugt, dass Konzentrator-Photovoltaik ohne Probleme in großem Maßstab eingesetzt werden kann.
Der Solarserver hat während der Intersolar Hansjörg Lerchenmüller von Soitec interviewt, den Mitgründer von Concentrix. Das Interview (englisch) ist veröffentlicht auf solarserver.com

Solar-Leasing wird immer interessanter
Während die Industrie technischen Problemen wie Wirkungsgrad-Steigerung und Kostensenkung viel Aufmerksamkeit widmet, zeichnen sich auch Lösungen für den wachsenden PV-Markt aus anderen Bereichen ab, insbesondere aus der Politik und der Finanzwelt.
Wer die Förderpolitik in den US-Bundesstaaten analysiert, stellt fest, dass eine der großen Schwächen der zahlreichen Förderprogramme im Vergleich zu einem einheitlichen Einspeisevergütungs-System darin besteht, dass diese Förderungen nicht die selbe Sicherheit für Investitionen bieten. Für Hausbesitzer in den USA ist es schwierig, Kredite zu vernünftigen Zinsen zu bekommen, um die teure Installation einer PV-Anlage zu finanzieren.
Das hat einen florierenden Markt für Unternehmen wie SolarCity (San Mateo, Kalifornien, USA) und SunRun Inc. (San Francisco, Kalifornien, USA) geschaffen. Sie vermieten Solaranlagen ohne oder nur mit geringen Vorab-Kosten an Hausbesitzer. Diese Lösung kommt gut an, und es gibt immer mehr solche Dienstleister.
Auch Centrosolar America hat ein Leasingprogramm gestartet, das von seinem Installateur-Netzwerk vorangetrieben wird und insofern einzigartig ist. Centrosolar präsentierte "CentroLease" auf der Intersolar gemeinsam mit dem PV-Komplettpaket CentroPack.
Zudem haben einige Städte in den USA die Bedeutung von Finanzierungsprogrammen erkannt. San Francisco präsentiert auf der Intersolar ein Beschaffungs- und Finanzierungsprogramm für kleine und mittlere Unternehmen und Immobilieneigentümer mit dem Namen "Solar at Work". SolarCity will die Finanzierung des Programms unterstützen, das auf 2 MW bis Ende 2011 ausgelegt ist.
Wie sich solche Leasingprogramme auswirken, bleibt abzuwarten, doch einige Analysten gehen davon aus, dass sie stetig Marktanteile gewinnen werden.

Zahlreiche Märkte, viele Technologien

Trotz der gegenwärtigen Herausforderungen geht die Solarindustrie mit Optimismus in die zweite Jahreshälfte. Zahlreiche Märkte entwickeln sich und bieten mittel- und langfristige Perspektiven für PV, CSP und CPV, aber auch für solares Heizen und Kühlen – nicht nur in Nordamerika und Westeuropa. Dazu zählen China, Indien, Nordafrika und der Mittlere Osten, Südostasien, Mittel- und Osteuropa sowie Lateinamerika.
Etliche Regionen eröffnen zudem große Potenziale für netzunabhängige Photovoltaik – wenn die Projektentwickler in der Lage sind, auf deren spezifische Bedürfnisse und die Nachfrage angemessen zu reagieren.

Schließen