Solar-Interview mit Peter Tinner, Head of Sales and Marketing bei Oerlikon Solar

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Peter Tinner ist seit März 2010 Vertriebs- und Marketingleiter von Oerlikon Solar. 

Im Solar-Interview spricht Tinner über die 2. Generation der Photovoltaik-Produktionslinie "ThinFab", die Kapital- und Produktionskosten sowie Märkte für Fertigungsanlagen und Dünnschichtsilizium-Solarmodule.

Solarserver: Auf dem World Future Energy Summit (WFES) am 16. Januar 2012 in Abu Dhabi hat Ihr Unternehmen den Start der 2. Generation der Produktionslinie "ThinFab" angekündigt. Was hat sich seit der 1. Generation verändert?

Peter Tinner: Wir haben unsere neue schlüsselfertige Produktionsanlage für die Herstellung von Dünnschichtsilizium-Solarmodulen in Abu Dhabi lanciert, das heißt, wir offerieren unser neues Produkt seit Anfang 2012 auf dem Markt. Bei der Weiterentwicklung haben wir an zahlreichen Stellhebeln angesetzt, die insgesamt in folgenden signifikanten Verbesserungen resultiert haben: deutliche Verringerung der Investitionskosten um 23 Prozent bei gleichzeitiger Erhöhung des Fabrikausstoßes um 17 Prozent, weitere erfolgreiche Senkung der Modulherstellungskosten um 23 Prozent auf 0,5 USD (0,35 EUR) pro Watt und dadurch Erreichung der Kostenführerschaft in der PV-Industrie. Zeitgleich konnte der Wirkungsgrad auf 10,8 Prozent gesteigert werden.

Die neue Linie bietet Kunden damit einen umfassenden Mehrwert. Der heutige volatile Markt benötigt flexible und innovative Komplettsysteme, die den Kundenbedürfnissen angepasst sind. Nur dieser Weg kann für nachhaltige Stabilität und Sicherheit in der Branche sorgen. Und wir haben mit der ThinFab 140 die richtige Lösung im Portfolio, die den Industriestandard für die Fertigung umweltfreundlicher Solarmodule zu niedrigsten Kosten und hoher Qualität setzt. Anerkennendes Staunen der Fachwelt in den Emiraten über die hohe Innovationskraft von Oerlikon Solar war uns also sicher.
 
Solarserver: Ihr neues Produkt, die "ThinFab" 140, soll die benötigten Investitionen um über 20 % senken. Wie ist das gelungen?

Peter Tinner: Einerseits konnten wir die Produktivität um weitere 17 Prozent auf 140 MW durch eine schnellere Taktzeit steigern. Gleichzeitig konnten wir durch gezielte technische Neuerungen, wie zum Beispiel den neuen „Narrow Gap-Reaktor“, auch unsere Kostenstruktur verbessern. Weitere Kosten können auch durch kürzere Installationszeiten der Anlagen und schnelleren Produktionshochlauf eingespart werden.


Solarserver: In Abu Dhabi nannten Sie einen Preis von nur einem US-Dollar pro Watt peak. Was erhält Ihr Kunde dafür?

Peter Tinner: Der Wert von ca. 1 USD pro Watt peak beinhaltet nicht nur das gesamte Equipment und die Lizenzen für den Transfer der Prozesstechnologien, sondern auch die Leistungsgarantien für Moduleffizienz und Produktivität sowie die zeitlichen Meilensteine bei der Installation und beim Hochlaufen der Anlage. Darüber hinaus sind zusätzliche Dienstleistungen wie Vor-Ort-Betreuung bei der technischen Prozessintegration während der Gewährleistungsdauer sowie die Wartung durch erfahrene Ingenieure abgedeckt. Unser Service gewährleistet, dass die Produktion reibungslos hochgefahren wird und einen raschen Ertrag bringt. Das bedeutet eine erhebliche Risiko-Reduktion für Kunden und beteiligte Investoren.
 
Solarserver: Wie wirkt sich das auf die Produktionskosten pro Modul aus?

Peter Tinner: Unsere Kunden können mit der ThinFabTM 140 qualitativ hochwertige Dünnschichtsilizium-Module zu Kosten von nur rund 0,5 USD beziehungsweise 0,35 EUR pro Watt peak produzieren. Wie Sie sich gewiss vorstellen können, sind wir stolz darauf, sagen zu können, dass wir damit die Kostenführerschaft in der Solarindustrie beibehalten haben.
 
Solarserver: Zu den Vorzügen der ThinFab zählt auch die kurze Energierücklaufzeit. Was bedeutet das für Ihre Kunden und auch für die Käufer der Module?

Peter Tinner: Die energetische Amortisationszeit beträgt bei der Oerlikon Solar-Technologie weniger als ein Jahr, was den besten Wert in der Photovoltaik-Branche darstellt. Die ThinFabTM 140 benötigt im Vergleich zur Herstellung von kristallinen Solarmodulen ca. 50 Prozent weniger Energie, unter anderem bedingt dadurch, dass bei der Herstellung von Dünnschichtsilizium-Solarmodulen keine energieintensiven Hochtemperaturprozesse zum Einsatz kommen.
Der Käufer der Module kann damit mit dem geringsten Energieaufwand die umweltfreundlichsten und energieeffizientesten Solarmodule herstellen und anbieten. Der Modulinstallateur braucht auch zukünftig keine Restriktionen bzw. erhöhte Umweltauflagen zu befürchten.

Solarserver: Womit können Dünnschichtsilizium-Module unter realen Betriebsbedingungen noch überzeugen?

Peter Tinner: Aufgrund des niedrigen Temperaturkoeffizienten, insbesondere bei hohen Temperaturen, bietet die Dünnschichtsilizium-Technologie hinsichtlich der produzierten Strommenge einen wesentlichen Vorteil. Der Temperaturkoeffizient von Dünnschichtsilizium-Modulen, die mit unserer Technologie produziert werden, liegt signifikant unter dem von herkömmlichen kristallinen Modulen. Wir sprechen hier in sonnenintensiven Regionen von einem fünf bis zehn Prozent höheren Stromertrag als vergleichbare kristalline Module. Dieser Leistungsvorteil bei hohen Temperaturen in Verbindung mit den niedrigsten Kosten und einer durchschnittlichen Moduleffizienz von knapp elf Prozent befähigt unsere Turnkey-Kunden, Strom mit den niedrigsten spezifischen Stromgestehungskosten anzubieten. Dieser Sachverhalt ist natürlich insbesondere in den aufstrebenden Märkten des Sonnengürtels wie Indien und China interessant. Hier sehen wir das größte Potenzial für unsere Micromorph-Technologie.


Solarserver: Und zuletzt: Wie sieht es mit der Umweltfreundlichkeit der Produktion und der Produkte aus?

Peter Tinner: Die Oerlikon Solar-Technologie nimmt sowohl was die Umweltfreundlichkeit der Produktion angeht, siehe beispielsweise die kurze energetische Amortisationszeit, als auch im Hinblick auf die Solarmodule eine deutliche Führungsposition ein. Die Modulproduzenten müssen sich darauf einstellen, dass veränderte Umweltauflagen zukünftig zu Marktbarrieren führen können. Aus diesem Grund stellt die Reduzierung bzw. die Eliminierung des Einsatzes von toxischen Verbindungen oder von nicht uneingeschränkt verfügbaren Materialien bereits heute eine Herausforderung für die Branche dar. Unsere ThinFab 140 verfügt hier über entscheidende Vorteile.

Durch das neue Design des „Narrow Gap-Reaktors“ unserer KAI-Anlage konnte der Verbrauch von Silan als Prozessgas weiter verringert werden. Darüber hinaus trägt eine effizientere Reaktor-Reinigung mit dem wesentlich umweltfreundlicheren atomaren Gas Fluor dazu bei, die Gasmenge und damit auch die Gaskosten gegenüber dem ThinFab 140-Vorgängermodell um über zehn Prozent weiter zu senken.

Dünnschichtsilizium-Module kommen ohne toxische Zusätze aus und verwenden pro Quadratmeter Modulfläche nur ca. 0,05 Gramm Silizium, was mit umgerechnet ca. 55 Tonnen pro Gigawatt Solarleistung dem am zweithäufigsten vorkommenden Material entspricht. Somit besteht für Dünnschichtsilizium auch kein Entsorgungsproblem und künftig auch kein Risiko, von Marktbarrieren oder starken Preisschwankungen betroffen zu sein.

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