Verwirrende Zahlen zur Photovoltaik-Kapazität und zu den Ausbauzielen Chinas

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von AECEA (Frank Haugwitz) 
Mitte Mai 2013 bezeichnete ein Vertreter des chinesischen Entwicklungszentrums für erneuerbare Energien (CRED) Chinas Veröffentlichungspraxis zum Photovoltaik-Zubau öffentlich als „chaotisch“, da bis vor Kurzem noch einige Regierungsbehörden und angeschlossene Institute sehr unterschiedliche Zubauzahlen gemeldet hatten.

Der Solar-Report vom August 2013 fasst eine Untersuchung der AECEA (Asia Europe Clean Energy (Solar) Advisory Co. Ltd.) zur Photovoltaik in China zusammen. Der Solarserver veröffentlicht den Beitrag mit freundlicher Genehmigung der AECEA.Die unterschiedlichen Zahlen rühren zum Teil daher, dass die öffentlichen Einrichtungen verschiedene oder individuelle Zählweisen anwenden, zum Beispiel nach Anlagentyp (bis zu 10 kV oder Niederspannungssysteme mit 220 V / 380 V).
Die Entscheidung, welche Anlagen in der Statistik erfasst werden und welche nicht, steht im Ermessen der jeweiligen Institution.
Foto: China Sunergy
Um die Verwirrung komplett zu machen, bleibt auch die Frage offen, wie viel der 2012 neu installierten Photovoltaik-Anlagenleistung bereits an das Stromnetz angeschlossen ist, und wie viele Megawatt oder gar Gigawatt noch angeschlossen werden müssen.
Die AECEA hatte Anfang April den Auftrag, das derzeitige Solar-Eldorado Golmud in der chinesischen Provinz Qinghai zu besuchen. Ein Vertreter eines der großen fünf Stromversorgungsunternehmen der Provinz sagte bei dieser Gelegenheit, dass damals von den PV-Freiflächenanlagen mit insgesamt 30 MW erst 10 MW an das Netz angeschlossen gewesen seien.

Neues langfristiges Photovoltaik-Ausbauziel: 75 GW installierte Solar-Leistung bis 2020?
Offizielle chinesische Regierungsdokumente gehen derzeit von einer installierten Solar-Leistung von 50 GW bis 2020 aus (darunter solarthermische Kraftwerke [CSP] mit 3 GW). Aufgrund der gegenwärtigen Dynamik in China im Allgemeinen und der wesentlich geringeren Stromgestehungskosten im Besonderen denkt die Zentralregierung jedoch über eine Erhöhung des Photovoltaik-Ziels auf 75 GW bis 2020 nach.Chinas Photovoltaik-Entwicklungspläne für 2020/2030/2050
Die chinesische Gesellschaft für erneuerbare Energien hat sich gegenüber allen anderen Institutionen durchgesetzt, die den Auftrag der Zentralregierung erhalten hatten, einen Photovoltaik-Entwicklungsplan zu entwerfen. Die “2020/2030/2050 China Photovoltaic Development Roadmap” wurde im Januar gestartet und soll Ende 2013 oder Anfang 2014 fertig werden.
Anders als der Titel erwarten lässt, deckt der Plan drei Solar-Technologien gleichermaßen ab: Photovoltaik, Solarthermie und solarthermische Kraftwerke. Der Schwerpunkt dieser eher systematischen Herangehensweise liegt weniger auf der Quantifizierung des jeweiligen Entwicklungspotenzials, sondern eher auf Rahmenbedingungen, zusätzlichen Regelungen und Mechanismen, die eine nachhaltige kurz-, mittel- und langfristige Solar-Entwicklung ermöglichen sollen.Im Juli 2012 stellte Astronergy (Hangzhou, China) ein Photovoltaik-Kraftwerk mit 10 MW auf dem Dach des renovierten Ostbahnhofs in Hangzhou fertig. Das Unternehmen investierte 48 Millionen US.-Dollar in das Projekt, das aus 44.000 multikristallinen PV-Modulen besteht. Die Anlage bedeckt eine Fläche von 120.000 Quadratmetern. Die Muttergesellschaft von Astronergy, die Chint Group (Wenzhou, China), lieferte die Wechselrichter, Stromübertragungstechnik und Transformatoren.Nationaler Entwicklungsplan für erneuerbare Energien 2050
Das chinesische Zentrum für erneuerbare Energien (CNREC) erhielt von der Zentralregierung den Auftrag, eine Roadmap für erneuerbare Energien bis 2050 auszuarbeiten. Sie wird zwar nicht vor Ende 2014 fertig, erste mögliche Szenarien wurden jedoch bereits veröffentlicht.China arbeitet seit vielen Jahren daran, das Potenzial der Wüste Gobi als Standort für Photovoltaik-Großkraftwerke zu ermitteln. Die Sonneneinstrahlung im Westen des Landes ist sehr hoch, die Zentren des größten Strombedarfs liegen jedoch in den östlichen Provinzen entlang der Küste. Dies würde die ohnehin überlastete Netzinfrastruktur noch stärker belasten. Daher liegt die Zukunft eher in der Entwicklung dezentraler Photovoltaik-Anlagen im Zusammenhang mit Chinas weiterer Urbanisierung in den kommenden Jahrzehnten.

Golden Sun-Programm wird überprüft
Anfang Mai forderte das chinesische Finanzministerium (MOF) offiziell alle Provinzen und Kommunen, die der Zentralregierung unterstehen, mit unabhängigen Planungsbehörden auf, sämtliche Fördermittel zu prüfen, die zwischen 2009 und 2011 im Rahmen des „Golden Sun“-Programms in Projekte geflossen waren. Bei Anlagen, die bereits fertig, an das Netz angeschlossen und abschließend genehmigt worden sind, soll geklärt werden, ob Fördermittel bereits bezahlt wurden oder möglicherweise noch ausstehen.
Falls Projekte nicht fertig gestellt wurden oder gerade geprüft werden, sollten bereits gewährte Fördermittel in angemessener Zeit an das Ministerium zurückbezahlt werden, wenn nicht alle Genehmigungen bis zum 30.06.2013 vorlagen. Stornierte Projekte könnten sich jedoch noch für die bevorstehende Einspeisevergütung für dezentrale Anlagen bewerben. Unbestätigten Angaben zufolge wurden mehr als 80 % dieser Anlagen nicht fristgerecht fertig, und mehr als 100 Projekte sollen demnächst annulliert werden. Die Rückzahlungen würden an das Ministerium würden sich auf rund 1,25 Milliarden Euro belaufen.

Zentral- und Westchina: Neue Richtlinien für Auslandsinvestitionen traten am 10.06.2013 in Kraft

Die nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), Chinas wichtigste Wirtschaftsplanungs-Agentur, und das Handelsministerium (MOC) haben am 09.05.2013 neue Richtlinien für Auslandsinvestitionen veröffentlicht, die am 10.06.2013 in Kraft traten und die vorherige Version von Dezember 2008 ersetzen. Die neuen Richtlinien bieten sehr viele Förderprogramme, die Unternehmen aus dem Ausland zu Investitionen in 22 Provinzen und Regionen ermutigen sollen. Ziel dieser Politik ist es, die Entwicklung einer neuen wettbewerbsfähigen Infrastruktur in Zentral-und Westchina zu fördern.
Vor diesem Hintergrund fordern insgesamt acht Provinzen und Regionen ausländische Unternehmen auf, in hochwertig ausgestattete Photovoltaik-Produktionsanlagen zu investieren. Die Förderpolitik der Provinz Gansu beispielsweise deckt sowohl die Herstellung von Produktionsanlagen als auch die Solarstromerzeugung ab. Dort sind derzeit Photovoltaik-Anlagen mit rund 3 GW im Bau, schon fertig oder bereits an das Netz angeschlossen.

Staatsrat verlagert Zuständigkeit für Genehmigungen auf Provinzregierungen
Mitte Mai veröffentlichte der chinesische Staatsrat eine Liste mit 133 Punkten, die nicht mehr von der zuständigen zentralen Regierungsbehörde genehmigt werden müssen oder deren Genehmigung auf Provinzbehörden übertragen wurde. Der Staatsrat beabsichtige damit, Vorgänge zu straffen und zu dezentralisieren und damit die Regierungsarbeit effizienter zu machen. Nutznießer sind hauptsächlich Unternehmen, die auf diese Weise Zeit und damit Kosten sparen. Von den 117 veröffentlichten Punkten (die restlichen 16 sind geplante Gesetzesänderungen und Staatsgeheimnisse) hat die nationale Energiebehörde (NEA) zwei abgegeben, die nationale Entwicklungs-und Reformkommission (NDRC) mit 26 die meisten. Unter anderem hat sie die Zuständigkeit für Investitionen in Windkraftwerke an das örtliche Investitionsbüro delegiert.
Bis Ende 2015 will der Staatsrat rund ein Drittel der 1.700 Vorgaben für eine Genehmigung abschaffen. Angesichts des relativ jungen heimischen Solar-Marktes und der momentanen Zuständigkeit zahlreicher Behörden bleibt abzuwarten, wann die Zuständigkeit für Genehmigungen von Solar-Anlagen komplett auf die entsprechenden örtlichen Behörden übergeht. In Anbetracht der momentanen Gesamtsituation geht die AECEA davon aus, dass so eine Entscheidung 2016 fallen könnte, wenn der 13. Fünfjahresplan (2016-2020) in Kraft tritt.

Untenehmensprofil AECEAFrank Haugwitz ist ein unabhängiger Solar-Berater. Er lebt seit 2002 in Peking. In seinen Anfangsjahren in China wurde er von der deutschen Regierung entsandt und war in ein bilaterales technisches Photovoltaik-Kooperationsprogramm eingebunden. Danach war er bis Herbst 2009 für erneuerbare Energien in Rahmen des chinesisch-europäischen Energie- und Umweltprogramms verantwortlich.

Seither berät er ausländische Unternehmen und international Organisationen bei der Entwicklung erneuerbarer Energien allgemein und insbesondere der Photovoltaik in China. Seit Anfang 2010 arbeitet er für die Intersolar und ist dort für die Konferenzentwicklung zuständig.

Von Ende 2009 bis August 2012 war er Direktor der Deutsche China Consult Co. Ltd. (HK), und im Oktober 2012 gründete er das Unternehmen Asia Europe Clean Energy (Solar) Advisory Co. Ltd. (AECEA). Hier setzt er seine umfangreichen Kenntnisse über Photovoltaik in China für die individuellen Kundenbedürfnisse ein. Mit seiner Branchenkenntnis und gründlichen Analyse will er die strategische Entwicklung und Unternehmensentscheidungen begleiten. Sein Schwerpunkt liegt auf politischen Rahmenbedingungen, Markt- und Geschäftsentwicklung. Seine Beratung ermöglicht eine objektive, unabhängige Forschung.
Frühere Versionen des “Briefing Paper – China Solar PV Development” sind erhältlich unter http://www.aecea.com.de/downloads.html

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