Während Europa überhitzt, kühlen die Modulpreise ab

Ein Mann in oranger Arbeitskleidung mit weißem Schutzhelm hält ein Solarmodul vor einem Schrägdach mit weiteren Modulen in den Händen.Foto: littlewolf1989 / stock.adobe.com
Trotz hoher Stromnachfrage und anhaltender Klimadebatte kommt der Photovoltaik-Markt nicht stärker in Schwung. Martin Schachinger analysiert die Modulpreise im August, Vorzieheffekte in wichtigen Märkten und die Folgen der politischen Unsicherheit für die weitere Nachfrage.

Eine Hitzewelle folgt der anderen, immer neue Temperaturrekorde werden gemessen. Wälder brennen und Flüsse trocknen selbst in gemäßigten Klimazonen aus – was bis vor Kurzem noch wie eine Dystopie aus einem mittelmäßigen Science-Fiction-Roman klang, ist in diesem Sommer leider bittere Realität geworden. Europa bekommt die Folgen des Klimawandels schmerzlich zu spüren. Demensprechend hoch ist die Nachfrage nach Klimaanlagen oder Wärmepumpen, die im Bedarfsfalle auch Kühlung anbieten können. Sowohl in Privathaushalten als auch in öffentlichen Gebäuden, in Gewerbe und Industrie steigt der Strombedarf dadurch vehement. Hohe Energiekosten sind zu befürchten, insbesondere wenn die konventionelle Energielieferung aus Kohle, Gas und Atom wegen der hohen Temperaturen und anhaltenden Krisen weltweit ins Stocken gerät.

Nichts läge da näher, als die Energiewende hin zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren zu forcieren und zur Chefsache zu machen. Doch die Regierungen hüllen sich in Schweigen, versprechen allenfalls kurzfristige Maßnahmen zur Milderung der Klimawandelfolgen, ohne das große Ganze ins Auge fassen zu wollen. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen zwar aktuell nicht nachlässt, aber auch nicht exponentiell ansteigt. Es ist sogar zu vernehmen, dass der stagnierende Absatz von Solarmodulen vor allem gewissen Vorzieheffekten zu verdanken ist. Abnehmer in verschiedenen Regionen der Welt erwarten nämlich für das kommende Jahr – wenn nicht sogar schon ab dem vierten Quartal diesen Jahres – eine deutliche Verschlechterung der Bedingungen für die Investition und Installation.

Modulpreise unter Druck – Preisindex wird angepasst

Dennoch gibt es kaum Veränderungen bei den die Modulpreisen, vereinzelt fallen diese sogar wieder. Produktionsüberhänge müssen abgebaut werden, was Druck auf die Marktpreise ausübt, insbesondere von Modulen für große Dachanlagen und Freiflächenprojekte. Diese Typen werden im Index im Wesentlichen durch die Preisgruppe „Mainstream“ abgebildet. Hier war in diesem Monat jedoch eine Anpassung der Erhebungsgrundlage nötig. Die bisherige Wirkungsgrad-Grenze zwischen dieser und der Gruppe „High Efficiency“ von 23 Prozent hat durch die kontinuierliche technische Weiterentwicklung dazu geführt, dass kaum noch Preispunkte im Bereich „Mainstream“ erhoben werden konnten. Aus diesem Grund verläuft die Trennung ab sofort bei 23,5 Prozent Moduleffizienz, was bei Modulen für Kleinanlagen einer Nennleistung von etwa 470 Wattpeak entspricht. Bei Modulen für die Freifläche reden wir – je nach Formfaktor – nur noch über Modulleistungen jenseits der 635 beziehungsweise 730 Watt, die nun der Gruppe „High Efficiency“ zugeschrieben werden.

Resultierend aus dieser Neudefinition rutschen Solarmodule mit Wirkungsgraden unterhalb 23,5 Prozent von einer in die andere Klasse und verfälschen so den dargestellten Preisverlauf etwas. Produkte mit geringerer Effizienz werden ja üblicherweise preiswerter angeboten als Produkte mit höherer Effizienz. Ohne diese notwendige Anpassung läge der Preispunkt für hocheffiziente Module im August auf demselben Niveau wie im Vormonat, während sich weniger effiziente Produkte etwas verbilligt hätten beziehungsweise haben. Viel weiter abwärts geht es laut Aussage der Hersteller aus obengenanntem Grund in diesem Jahr aber nicht mehr. Ob sich die Prognose bewahrheitet, hängt zumindest in Deutschland davon ab, wie es nach der Sommerpause mit dem EEG 2027 und dem Netzpaket weitergeht.

EEG 2027 sorgt für Unsicherheit im Photovoltaik-Markt

Zahlreiche Verbände haben bereits Beschwerde eingelegt und umfassende Anpassungen der Gesetzesvorlage gefordert. Aber auch innerhalb der Regierungskoalition hatte sich Widerstand geregt, insbesondere aus dem Kreis der Ministerpräsidenten der Bundesländer, die einen hohen Anteil an Erneuerbaren-Energieanlagen und/oder zahlreiche der Photovoltaik- und Wind-Branche zugehörige Industriebetriebe beherbergen. Wenn die Vorgaben der Bundesregierung tatsächlich so umgesetzt werden, wie sie in der Gesetzesvorlage stehen, führt dies zwangsläufig zu einem beispiellosen Verlust von Arbeitsplätzen, wie wir ihn nur unter dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Anfang der 2010-er Jahre schon einmal erleiden mussten.

Vorzieheffekte stützen die Nachfrage nach Photovoltaik

Die Unsicherheit bezüglich des Fortbestehens des EEG führt bei den einen zu Untätigkeit und abwartender Haltung, bei den anderen zu Aktionismus, weswegen die Auftragsbücher vieler Installateure momentan noch gut gefüllt sind. Wie lange dieser Run auf Photovoltaik-Anlagen und Energiespeicher, auch über die allgemeine Ferienzeit hinweg, noch anhalten wird, hängt davon ab, wie schnell sich förderfreie Geschäftsmodelle durchsetzen. Viele Installationen rechnen sich ja bereits jetzt ohne gesetzlich vorgeschriebene Einspeisevergütung, aber gerade mittlere Photovoltaik-Anlagen kommen ohne das EEG in seiner jetzigen Form – zumindest als Fall-Back-Lösung – oft noch nicht aus. Eine vernünftig ausgestaltete Übergangslösung könnte das Problem jedoch deutlich entschärfen – so zumindest die Hoffnung.

USA und Indien beeinflussen den globalen Modulmarkt

Als weitere Regionen, in denen Vorzieheffekte die Nachfrage und damit die Verfügbarkeit von Modulen und deren Preise beeinflussen, sind die USA und Indien zu nennen. Die US-Regierung hat Anfang August Mindestimportpreise sowie Zusatzzölle auf Polysilizium und weitere Photovoltaik-Produkte aus China verhängt, die ab dem 4. Dezember 2026 in Kraft treten sollen. Dies löst kurzfristig erhöhte Vorratskäufe und damit ein Abfließen von Material speziell in diese Region aus. Eine ähnliche Verschärfung der bereits bestehenden Maßnahmen zum Schutze der eigenen Industrie ist auch aus Indien zu vernehmen, was ebenfalls zu einem schnellen Anstieg der Importe aus China und damit zu partiellen Engpässen führen kann. Es dürfte also ein spannendes Rest-Jahr werden, welches die eine oder andere Überraschung für uns bereithält – nicht nur in Bezug auf weitere Wetterkapriolen.

Über den Autor
Martin Schachinger ist studierter Elektroingenieur und seit mehr als 30 Jahren im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien aktiv. 2004 machte er sich selbständig und gründete die Online-Handelsplattform pvXchange.com.

Quelle: Martin Schachinger / pvXchange.com | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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