Der Begriff Agri-Photovoltaik (Agri-PV) oder auch Agro-Photovoltaik (Agro-PV) beschreibt die Doppelnutzung einer landwirtschaftlichen Nutzfläche: Neben der Erzeugung von Nahrungs- oder Futtermitteln bzw. nachwachsenden Rohstoffen wird auf der Fläche gleichzeitig Strom mithilfe von Photovoltaikanlagen erzeugt. Die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche bleibt jedoch vorrangig.

Ein Mähdrescher bei der Arbeit zwischen vertikalen Solarmodulen.
Mahd zwischen bifacialen Modulen im Agri-PV-Park Aasen. Foto: Next2sun

Die Überlegung Ackerflächen, Grün- und Weideland und Flächen von Sonderkulturen auch für die Stromerzeugung zu nutzen ist eine Reaktion auf die zunehmende Flächenkonkurrenz. Hier spielt beispielsweise Flächenverbrauch durch Bebauung und Versiegelung eine Rolle. Aber auch die energetische Nutzung von Flächen, beispielsweise durch den Anbau von Energiepflanzen für die Gewinnung von Biogas oder durch Windkraft- sowie Photovoltaikfreiflächenanlagen wird im Zuge der Energiewende weiter zunehmen. Daneben benötigen Landwirte mit Tierhaltung oder einer Biogasanlage landwirtschaftliche Flächen für die Ausbringung von Wirtschaftsdünger bzw. Gärresten. Die Flächenkonkurrenz wächst also. Die Agri-Photovoltaik könnte diesen Flächenkonflikt durch die Doppelnutzung entschärfen und gleichzeitig den Landwirten eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit bieten. Durch eine Umnutzung der unmittelbaren Stellflächen der Photovoltaikanlagen innerhalb agriphotovoltaisch genutzter Acker- oder Grünlandflächen, könnten diese Bereiche zur Biodiversität beitragen und somit einen Beitrag zum Naturschutz leisten.

Forschungsanlagen und erste Agri-PV Pilotanlagen

Erste Agri-PV-Anlagen sind in Deutschland bereits im Betrieb. Zum einen handelt es sich um Forschungsanlagen (z.B. APV-Resola), wie beispielsweise auf einem Biohof in Heggelbach. Zum anderen sind es Anlagen, die zwar zunächst als Freiflächenphotovoltaikanlage (teils mit Hilfe von Crowdfounding) geplant und gebaut worden sind, die aber den Charakter einer Agriphotovoltaikanlage aufweisen, da sowohl Strom als auch Gras als Viehfutter oder Feldfrüchte auf der gleichen Fläche erzeugt werden. In Ländern wie Frankreich (hier wird die Agri-PV gezielt gefördert) oder China gibt es bereits Anlagen, die schon länger in Betrieb sind.

Unter hoch augeständerten Solarmodulen breitet sich eine Grünflcähe mit einem Traktor aus.
Das Fraunhofer ISE untersucht die Agriphotovoltaik in Heggelbach am Bodensee. Foto: Fraunhofer ISE

In Deutschland steckt die Agri-Photovoltaik noch in den Kinderschuhen. Allerdings ist der Ruf nach einer politischen Förderung gewachsen. Und mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG2021) haben Bundestag und Bundesrat im Dezember 2020 erstmals eine reguläre Förderung für Agri-Photovoltaik beschlossen.

Spezielle Aufständerung für Agri-Photovoltaik

Für die Agri-Photovoltaik haben sich bislang zwei spezifische Formen der Aufständerung der Photovoltaikmodule entwickelt. Zum einen werden die Photovoltaikmodule ähnlich wie in einer Freiflächenanlage aufgebaut – allerdings sind die Ständer, auf denen die Module befestigt sind, viel höher (je nach Kulturart und Maschineneinsatz). Zum anderen können die Module vertikal aufgestellt werden, so dass der Flächenverbrauch vermindert wird.

Speziell bei Vertikalsystemen, aber auch sonst, werden in der Agri-Photovoltaik häufig bifaziale Module eingesetzt. Diese nutzen auch Licht, welches direkt oder indirekt auf den Rückseiten der Module einfällt. Dies erhöht die Produktivität der einzelnen Module und die Variationsmöglichkeiten für die Installation. Neben diesen Spezialkonstruktionen kommen in der Agri-Photovoltaik allerdings auch die aus üblichen Freiflächenanlagen bekannten Modultische zum Einsatz. Wobei aber die Modulreihen mit so viel Abstand gesetzt werden, dass zwischen ihnen Landwirtschaft möglich bleibt.

Aufgeständerte Solarmodulreihen beschatten eine Agrarfläche, dazwischen fährt ein Traktor.
Eine Agriphotovoltaikanlage mit klassischen Modultischen kann unter bestimmten Voraussetzungen die Ernteerträge sogar verbessern. Foto: Öko-Haus GmbH

Anwendung von Agrophotovoltaik-Systemen

Die Möglichkeit der Integration von Agri-Photovoltaik in bestehende landwirtschaftliche oder gartenbauliche Systeme sind vielseitig. Besonders vielversprechend scheint die Überdachung von Sonderkulturen oder mehrjährigen Kulturen zu sein, sofern daraus eine höhere Wertschöpfung pro Fläche resultiert. Hier wäre insbesondere der Anbau von Beeren oder Äpfeln sowie von schattentoleranten Gemüsekulturen zu nennen. Interessant ist der Einsatz von vertikal errichteten bifazialen Modulen auf Acker- oder Grünland. Die Modulreihen sind dabei in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, so dass die Module wechselweise von Osten und von Westen bestrahlt werden. Im Tagesverlauf erzielen sie auf diese Weise einen relativ gleichmäßigen Energieertrag ohne die sonst übliche Mittagsspitze. Dies zeigt bereits ein Projekt in Donaueschingen mit dem Anlagentyp des Anbieters Next2Sun.

Der Einsatz der Agri-Photovoltaik in der Landwirtschaft oder im Gartenbau bietet viele Möglichkeiten, die im Einzelnen noch zu erforschen sind. Auch ist eine Anschubförderung dieser neuen Form der Flächen-Nutzung vonnöten, da höhere Kosten im Vergleich zu einer üblichen Photovoltaik-Freiflächen-Anlage anfallen. Im Besonderen sind hier die Kosten für die Unterkonstruktionen der Photovoltaikanlage zu nennen, die je nach Kulturart variieren können. Ob sich eine Agri-Photovoltaik-Anlage wirtschaftlich rechnet, hängt von vielen Faktoren ab, die im Einzelfall genau zu prüfen sind. Nach Untersuchung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme zeichnet es sich dabei ab, dass der Strom aus einer Agri-Photovoltaik-Anlage am wertvollsten ist, wenn Landwirte ihn für den Eigenverbrauch nutzen und somit den externen Strombezug ihres Betriebes verringern.

Genehmigung und Wirtschaftlichkeit von Agri-PV

Ob und in welchem Maße Agri-Photovoltaik-Installationen wirtschaftlich zu betreiben sind, ist von rechtlichen Rahmenbedingungen abhängig. Diese befinden sich aktuell im Fluss.

In einem neuen Eckpunktepapier, welches am 10.2.2022 vom BMWK, BMUV und BMEL herausgegeben wurde heißt es nun:

„Agri-PV-Anlagen sollen auf allen Ackerflächen grundsätzlich zulässig sein. Das ermöglicht eine sowohl landwirtschaftliche als auch energetische Nutzung ein und derselben Fläche. Die Förderung mit GAP-Mitteln ist weiterhin möglich, sofern die landwirtschaftliche Nutzung nur bis zu 15 % durch die Stromerzeugung beeinträchtigt ist.“

Alles neu in 2023

Die Förderung der sogenannten Agriphotovoltaik, auch Agri-PV genannt, wird im EEG 2023 neu geregelt. Allerdings mit der Folge, dass Agri-PV-Anlagen nun ebenso wie Parkplatz-PV, Floating PV und PV auf wiedervernässten Moorböden in den Standard-PVAusschreibungen mit „normalen“ Freiflächen- Solarstromanlagen um Zuschläge konkurieren müssen.

Hoch aufgeständerte Agri-PV-Anlagen können Bonuszahlungen erhalten, da bei ihnen die höhere Aufständerung mit einer lichten Höhe von mindestens 2,10 Meter zu Mehrkosten führt. Die Bonuszahlungen sind degressiv, da der Gesetzgeber Skaleneffekte erwartet:


• 2023: 1,2 ct/kWh
• 2024: 1.0 ct/kWh
• 2025: 0,7 ct/kWh
• 2026 bis 2028: 0,5 ct/kWh


Diese Boni gelten auf Ackerflächen, Dauerkulturen oder mehrjährigen Kulturen auf derselben Fläche. In
gleicher Weise förderfähig sind Agri- PV-Anlagen auch auf Dauergrünland, soweit dieses gleichzeitig landwirtschaftlich genutzt wird. Ausgeschlossen sind Natura 2000 Gebiete sowie natürliche Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne der EU-Richtlinie 92/43/EWG.

Ebenfalls ausgenommen für die Errichtung von Agri-PV-Anlagen sind landwirtschaftlich genutzte Moorböden,
die entwässert wurden. Die entwässerten Moorböden können nur für die Errichtung einer geförderten Freiflächenanlage genutzt werden, wenn diese Böden dauerhaft wiedervernässt werden. Dann allerdings erhalten auch sie ab 2023 einen Zuschlag auf den anzulegenden Wert von 0,5 ct/kWh. Ziel ist es, den Abbau von organischer Substanz und die damit einhergehenden CO2-Freisetzung zu verhindern.

Reform der gemeinsamen Agarpolitik EU 2023

Eine deutliche Verbesserung für Agri-PV bringt die Reform der Europäischen Agrarsubventionen. Nach der
bereits Ende 2022 verkündeten deutschen Verordnung zu den GAP-Direktzahlungen, gilt eine Fläche weiterhin
als landwirtschaftlich genutzt, wenn sich landwirtschaftlich genutzte Fläche durch die PV-Anlage um nicht
mehr als 15 Prozent verringert. Konsequenterweise sollen Landwirte für Flächen mit solchen Agri-PV Anlagen
ab 2023 weiterhin bis zu 85 Pozent der Agrarsubventionen erhalten. Voraussetzung ist, dass die Fläche weiterhin mit den üblichen landwirtschaftlichen Maschinen und Verfahren bearbeitet werden kann. Für hoch aufgeständerte Anlagen unter denen gewirtschaftet wird, darf sich die Fläche dabei nur um 10 Prozent verringern. Eine bodenahe Agri-PV-Anlage darf 15 Prozent der Fläche blockieren, ohne dass sie die
landwirtschaftliche Subvention gefährdet.

Landschaftsbild und Akzeptanz

Dass auch die Agri-Photovoltaik das Landschaftsbild verändert, ist nicht zu leugnen. Im Gegensatz zu den klassischen Freiflächenphotovoltaikanlagen ist die Bebauung mit Modulen jedoch in einigen Spielarten der Agri-Photovoltaik nicht so konzentriert. Zu nennen sind hier der Einsatz von vertikalen Modulen, aber auch eine Integration von klassisch aufgeständerten Modulreihen in große Schläge. Bei Befürwortern der kombinierten Flächennutzung besteht daher die Hoffnung, dass Agri-Photovoltaik die Akzeptanz für Freiflächenphotovoltaik in der öffentlichen Meinung stärken könnte.

In der Regel stehen die Menschen einem Erneuerbare-Energien-Projekt positiver gegegenüber, wenn sie bereits in der Planungsphase miteinbezogen werden. Pluspunkte kann eine Agri-Photovoltaikanlage auch gewinnen, wenn die Anlage so konzipiert ist, dass zusätzlich auch die Natur davon profitiert. Denkbar ist zum Beispiel, diese Anlagen in Blühstreifen zu integrieren. Da gilt es die entsprechenden Maßnahmen in den Eco-Schemes der Europäischen Union zu verankern, damit EU-Direktzahlungen auch für agriphotovoltaisch genutzte Flächen fließen können.

Aktuelle Meldungen zum Thema Agri-Photovoltaik finden Sie auf dem Solarserver unter diesem Link.

Autorin: Ute Meyer-Heinemann
© Solarthemen Media GmbH

Die Autorin: Ute Meyer-Heinemann ist Agraringenieurin und Buchautorin. Seit vielen Jahren widmet sie sich den erneuerbaren Energien. Sie verantwortet das Marketing der Solarthemen Media GmbH.