Mini-PV-Anlagen sind Systeme aus Photovoltaik-Modul und Modulwechselrichter, die sich technisch über eine Steckdose ans Stromnetz anschließen lassen. Manchmal werden sie auch als Komplettpaket inklusive Montagesystem geliefert. Solche kleinen Balkon-Solaranlagen erlauben es auch Mietern, eigenen Photovoltaikstrom zu nutzen. Auch gilt es mitunter als Zweck von Mini-PV-Anlagen, die Nutzung von Photovoltaik zu vereinfachen, sodass eigentlich keine Installation durch Fachkräfte mehr nötig ist. Einige Stromnetzbetreiber und auch Förderstellen versuchen allerdings genau dies zu konterkarieren, indem sie einen festen Anschluss ans Hausnetz oder bestimmte, in Wohngebäuden unübliche Steckverbindungen fordern.

Mini-PV, Stecker-PV, Balkon-PV …

Mini-PV-Anlagen haben viele Bezeichnungen, wie z.B. Stecker-PV-Gerät und Balkon-Solarsystem. In der Anfangszeit Mitte der 2010er Jahre waren sie auch unter dem Namen „Guerilla-Solaranlage“ bekannt, da ihr rechtlicher Status zunächst umstritten war und sie eine Einspeisung ohne Wissen der Netzbetreiber und Stromversorger ermöglichten. Die Mini-PV-Geräte sind ebenso wie Haushaltsgeräte als funktionsfähiges Gesamtsystem erhältlich und wurden für die Inbetriebnahme durch Laien entwickelt.

Sicherheit und Normen für Mini-PV-Anlagen

Sowohl die Einspeisung über eine Steckdose als auch der Anschluss durch Laien stießen anfangs auf massiven Widerstand. Ein solches Vorgehen war in keiner Norm vorgesehen. Viele Netzbetreiber, Stromversorger und Elektrofachunternehmen warnten vor Gefahren durch Stromschläge und Brände.

Die Gefahren im Zusammenhang mit Stecker-Solar-Geräten sind nicht aus der Luft gegriffen, aber technisch beherrschbar. Nach und nach etablieren sich Standards und Normen für dieses neue Feld. Der Arbeitskreis PVPlug der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) erarbeitete zusammen mit einigen Herstellern den ersten Sicherheitsstandard für die Mini-PV-Geräte. Bis heute ist es der einzige Standard, der alle Sicherheitsanforderungen zusammenfasst. Mittlerweile haben sich auch Hersteller, PVPlug und Normungsorganisationen auf verschiedene Anpassungen der Normen geeinigt (siehe unten). An einer umfassenden Produktnorm arbeitet seit August 2020 ein Arbeitskreis der Deutschen Kommission für Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE). Beteiligt sind daran u.a. die DGS, die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme und der Hersteller Indielux. Ein Entwurf könnte noch Ende 2021 öffentlich werden. Nach einem Beteiligungsverfahren soll die Norm im Laufe des Jahres 2022 in Kraft treten.

Grafik eines Hauses mit Mini-PV-Gerät
Ein Mini-PV-Gerät speist Strom über eine bestehende Leitung in die Hausinstallation ein.

Einspeisung in die Steckdose

Durch die Einspeisung von Strom über die Steckdose in den sogenannten Endstromkreis wird u.a. die Sicherung umgangen. So wäre es theoretisch möglich, dass zu hohe Ströme in die Leitungen gelangen und diese überhitzen, was im schlimmsten Fall zu Bränden führen könnte. Um das auszuschließen, darf nur eine begrenzte Leistung angeschlossen werden. Seit 2018 regelt die DIN VDE 0100-551 ausdrücklich, dass in Deutschland Leistungen bis zu 600 Watt über den Endstromkreis ins Hausnetz eingespeist werden dürfen. In anderen Ländern, z.B. Österreich gelten zum Teil andere Grenzen. Das ist den etwas unterschiedlichen Reserven in der Hausinstallation geschuldet. Wer mehr anschließen will, sollte auf jeden Fall eine Elektrofachkraft zu Rate ziehen. Seit Inkrafttreten der DIN VDE 0100-551 sperren sich nur noch wenige Netzbetreiber grundsätzlich gegen die Mini-PV-Geräte. 

Anschluss über Schuko-Stecker?

Für Diskussionen sorgt dagegen noch immer der Anschluss über den haushaltsüblichen Schuko-Stecker. Dessen Kontakte sind nicht vor Berührung geschützt. Da die PV-Module im Gegensatz zu den meisten Haushaltsgeräten Strom erzeugen, könnte man also ohne Schutzvorkehrungen an den Steckerstiften einen Stromschlag bekommen.

Um das auszuschließen, definiert die – ebenfalls neue – VDE V 0628‐1 einen Spezialstecker mit berührgeschützten Kontakten. Dieser sogenannte Wieland-Stecker erfordert allerdings auch eine spezielle Steckdose. Damit wäre also doch wieder eine Elektrofachkraft für die Installation erforderlich.

Doch es gibt bereits eine etablierte Alternative zum Spezialstecker, nämlich eine Sicherheitsvorrichtung im Wechselrichter. Diese trennt die PV-Module sofort elektrisch vom Stecker, wenn dieser gezogen wird. Die Technologie ist lange bekannt, in einer eigenen Norm definiert und Standard in den Mini-PV-Geräten aller seriösen Hersteller. Sie ist zudem als Anforderung an Mini-PV-Geräte im DGS-Standard beschrieben und soll auch Gegenstand der geplanten Produktnorm werden. Noch ist jedoch nicht klar, ob der normale Schuko-Stecker tatsächlich in Mini-PV-Anlagen, die dieser Norm entsprechen, zulässig sein wird.

Netzanschluss und Anmeldung

Ebenso wie ortsfeste PV-Anlagen müssen auch die Stecker-Solargeräte beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Im Gegensatz zu großen Photovoltaik-Anlagen, bei denen die Anmeldung beim Netzbetreiber über eine Fachkraft laufen muss, können die Nutzer:innen das bei den Mini-PV-Geräten selbst tun. Dafür gibt es bei vielen Netzbetreibern ein vereinfachtes Verfahren. Doch die Formulare und das Prozedere der Netzbetreiber unterscheiden sich dabei stark. Mindestens werden Standort, Kontaktdaten sowie Leistung und Fabrikat der angeschlossenen Module gefordert.

Die weiteren Forderungen der Netzbetreiber sind weiterhin oft Gegenstand von Diskussion. In den meisten Fällen verlangen diese eine schriftliche Bestätigung, dass der Anschluss über einen Sicherheitsstecker erfolgt. In einzelnen Kommunen, wie Freiburg und Bad Oeynhausen, bezuschusst die Kommune Anlagen mit den speziellen Steckern oder die Installation der speziellen Steckdosen.

Ist für Mini PV ein Zählertausch erforderlich?

Ein häufiger Konfliktpunkt sind die Kosten für einen möglichen Zählertausch. Einige Netzbetreiber verlangen, dass die Kunden diesen beauftragen und die Kosten übernehmen. Andere tauschen den Zähler auf eigene Kosten oder haben ohnehin bereits geeignete Zähler im Einsatz.

Wenn der Nutzer selbst die Installation von speziellen Steckdosen und den Zählertausch zahlen muss, ist der Betrieb einer Mini-PV-Anlage in der Regel unwirtschaftlich. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bezeichnet diese Forderung einiger Netzbetreiber allerdings als nicht rechtmäßig und erklärt, die Netzbetreiber würden damit ihre Kompetenzen überschreiten. Sie betont, dass allein der Messstellenbetreiber für die Auswahl und Installation des geeigneten Messgerätes zuständig sei. Standardmäßig ist der Netzbetreiber meist auch der Messstellenbetreiber. Es ist jedoch möglich, den Messstellenbetreiber zu wechseln. Das kann sich lohnen, da die Messstellenbetreiber in der Praxis durchaus unterschiedlich mit den Balkon-Solaranlagen umgehen.

Montage und baurechtliche Vorschriften

Ein Solarmodul vor einem Gartenhaus auf der Wiese
Viele Mini-PV-Geräte sind im Garten oder auf Garagendächern aufgestellt. Das ist unkompliziert und je nach Sonnenstand und Engagement kann man sie auch neu ausrichten.

Die Montage an Balkongeländern ist eine sichtbare Veränderung am Gebäude. Daher ist hierfür die Zustimmung der Eigentümer nötig. Im Falle von Eigentümergemeinschaften heißt das: Ein gemeinsamer Beschluss muss her.

Darüber hinaus dürfen die Module niemanden gefährden. Glas-Folien-Module dürfen für die sogenannte Über-Kopf-Montage (d.h. wenn sich Personen unter den Modulen aufhalten können) zum Beispiel gar nicht eingesetzt werden. Die Sicherheit der Montagesysteme soll auch Gegenstand der für 2022 erwarteten Produktnorm sein. Allerdings liefern nur wenige Anbieter ihre Mini-PV-Systeme inklusive Montagezubehör. Besonders rar sind Systeme, die man von außen an Balkongeländer montieren darf. Viele Mini-PV-Systeme werden allerdings gar nicht auf Balkonen aufgestellt, sondern zum Beispiel auf Garagendächern oder in Schrebergärten. Eine Übersicht über die Systeme und das verfügbare Zubehör gibt es bei PV-Plug.

Auf dem Solarserver finden Sie zahlreiche aktuelle Artikel zum Thema Mini-PV.

Aktualisiert: 3. November 2021