Foto: Covestro

PPA steht für power purchase agreement und meint bilaterale Verträge zur Lieferung und Abnahme von Strom. Ein wachsender Markt sind PPA zum Austausch von grünem Strom. Hintergrund ist neben den gefallenen Stromgestehungskosten für regenerative Energien die wachsende Nachfrage von Unternehmen, die ihren Energiebedarf CO2-neutraler gestalten wollen und deshalb Strom fossilen Ursprungs durch grünen ersetzen.

Grüner Strom ohne Förderung

Erst in den letzten Jahren haben grüne PPA in Deutschland und Europa an Bedeutung gewonnen. Die Vergütungen für die Einspeisung des Stroms nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) machten solche Stromlieferverträge für Grünstromerzeuger wirtschaftlich zumeist unattraktiv. Wer außerdem einmal die EEG-Vergütung erhält, kann den Strom dann nicht noch zusätzlich per PPA als Grünstrom vermarkten.

In den USA haben PPA eine längere Geschichte. So haben fehlende Einspeisevergütungen insbesondere in sonnenreichen Bundesstaaten die Ausbildung bilateraler Grünstromabkommen begünstigt. Dazu kam bei der Photovoltaik ein insbesondere durch China forcierter Preisverfall, der die Stromgestehungskosten immer stärker senken half.

PPA beinhalten also in der Regel immer Strom, der keine staatliche Förderung erhält. Die grüne Eigenschaft des Stroms kann dabei extra vermarktet werden, und zwar in Form von Herkunftsnachweisen. Die grüne Herkunft bietet den Käufern die Möglichkeit, zum Beispiel eigene CO2-Minderungspflichten nachzuweisen.

Verschiedene Partner

Für den Abschluss von PPA gibt es verschiedene Konstellationen. Auf der einen Seite stehen die Produzenten des regenerativen Stroms. Das kann eine Partei sein, die beispielsweise einen Photovoltaikpark baut und betreibt oder mehrere Parteien, die von einem Dritten zu einem Versorger gebündelt werden. Auch die Entwicklung des Projektes, seine Finanzierung und sein Betrieb kann jeweils in unterschiedlichen Händen liegen.

Auf der anderen Seiten stehen die Abnehmer des grünen Stroms. Dazu zählen zum Beispiel Stromversorger, die so ihr eigenes Erzeugungsportfolio nachhaltiger gestalten, oder Unternehmen, die damit die regenerative Quote ihres Stromverbrauchs erhöhen. Bei einem solchen Liefervertrag geht es immer um konkrete Erzeugungsanlagen, die den Strom liefern.

Physischer PPA: Der Stromerzeuger beliefert direkt den Kunden, Grafik: HCOB

Physisch oder synthetisch

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Typen. Die Partner können zum einen die physische Lieferung des Stroms vereinbaren. Dabei sorgt der Erzeuger dafür, den Strom in den Bilanzkreis des Abnehmers zu liefern. Bei rein finanziellen bzw. synthetischen Abschlüssen ist das anders. Dabei halten die Vertragspartner fest, dass der in den betreffenden Anlagen erzeugte Grünstrom vor Ort produziert, eingespeist, aber nicht zum Kunden geliefert wird. Stattdessen bezieht der Käufer eine vereinbarte Menge des Stroms über den klassischen Einkauf wie etwa den Großhandelsmarkt. Der Käufer erwirbt vom Erzeuger zusätzlich in der Regel grüne Herkunftsnachweise des über den PPA erzeugten Stroms. Synthetische PPA dienen also im Prinzip nur dem Austausch der grünen Eigenschaft des Stroms. Das ermöglicht länderübergreifende PPA. Denn die physische Lieferung von beispielsweise Solarstrom aus einem spanischen Park an einen Verbraucher in Deutschland wäre technisch aufwändig und ökonomisch teuer.

Synthetischer PPA: Der Kunden kauft grüne Herkunftsnachweise, Grafik: HCOB

Vertragsbausteine

PPA-Verträge beinhalten mehrere zentrale Bausteine. Zunächst definieren sie die jeweiligen Erzeugungsanlagen, die den Strom produzieren. Ein Stromeinkauf über reinen Handel ist dabei nicht möglich. Außerdem enthalten die Verträge Preise und Laufzeiten. Standard-PPA für PV-Strom in Deutschland enthalten nach Auskunft des Energieunternehmens Enervis meistens einen Fixpreis. Die Laufzeiten betragen zwischen acht und zwölf Jahren. Dabei handelt es sich um Neuanlagen, die ohne Förderung auskommen. Außerdem sind die meisten Verträge nach dem Prinzip „pay-as-produced“ abgeschlossen. Das heißt, dass der Abnehmer den Strom so erhält, wie es dem Erzeuger am besten möglich ist. Verpflichtungen, bei einem Systemausfall oder bei Abregelungen Ersatz zu beschaffen, gibt es in der Regel nicht.

Feste und flexible Preise

Insbesondere bei größeren PPA für gewerbliche oder industrielle Großkunden sind die Preise flexibel gestaltet. So können diese über die Laufzeit an einen Inflationsindex gekoppelt sein. Außerdem gibt es Verträge mit Preiskorridoren, die Chancen und Risiken bei schwankenden Preisen abbilden. Dabei richtet sich der Korridor an einem Vergleichs-Marktpreisindex aus. Bis zu einem bestimmten Ober- und Unterwert folgt der im PPA vereinbarte Preis diesem Vergleichspreis. Die Chance für Verkäufer besteht darin, bei einem höheren Marktpreis auch höhere PPA-Erlöse zu erzielen. Bei den Abnehmern ist es umgekehrt, sie profitieren von fallenden Marktpreisen. Solche Preisvereinbarungen sind meist komplex und werden deshalb vor allem von Großunternehmen abgeschlossen.

Auch das Redispatch im Stromnetz, also die Abregelung von Kapazitäten, kann eine Rolle spielen, denn ein solcher Eingriff kann die Sicherheit der Versorgung für den Kunden in Frage stellen. Deshalb können Regelungen zum Umgang mit der Kompensation, die der Erzeuger für die Abregelung erhält, Eingang in die Vertragsgestaltung finden.

Neu- und Altanlagen

Aktuell dominieren in Deutschland Neuanlagen den PPA-Markt. Das sind meist PV-Anlagen, die neu gebaut werden und ohne Förderung auskommen. Zukünftig könnten mehr und mehr Altanlagen für PPA in Frage kommen, die aus dem EEG fallen. Derzeit sind das Windenergieanlagen, deren Strom gebündelt als PPA vermarktet wird. Die Laufzeiten dieser Verträge sind deutlich geringer als bei Neuanlagen und liegen oftmals bei nur einem Jahr. In Zukunft werden auch größere PV-Anlagen bei PPA eine Rolle spielen. Es existieren zudem auch erste Vermarktungsmodelle zur Bündelung kleinerer PV-Anlagen.

Neue Geschäftsmodelle

Mit dem Ende der EEG-Vergütung kommen immer mehr Altanlagen für eine PPA-Vermarktung in Frage. Auch für neue Kundengruppen, wie kleinere und mittlere Unternehmen sowie Haushaltskunden mit Standardlastprofilen, kann dieser Markt als Alternative zum klassischen Ökostromeinkauf interessant werden. Denn PPA bieten Strom aus ganz konkreten Anlagen. Dieser Markt ist noch am Anfang und bietet Chancen zur Entstehung neuer Geschäftsmodelle.

Luftaufnahme eines PV-Parks in Spanien mit Windenergie im Hintergrund
Spanien ist ein bedeutender Standort für Photovoltaik und PPA: hier ein Park in Castilla La Mancha, der PPA-Solarstrom produziert , Foto: Solaria Energia

Solarparks dominieren

Laut einer Analyse der Hamburg Commercial Bank (HCOB) schlossen Partner 2020 in Europa Unternehmens-Verträge in einer Größenordnung von 1,8 Gigawatt (GW) ab. Das war infolge der Coronakrise weniger als 2019 (2,5 GW) und 2018 (2,3 GW). Dafür lag aber erstmals die Photovoltaik im PPA-Markt unter den Technologien vorne. Bezogen auf die einzelnen Staaten gab es 2020 in Schweden, Norwegen, dem Vereinigten Königreich, Spanien und Finnland die meisten Abschlüsse.

EU unterstützt PPA

Die EU-Kommission sieht PPA als wichtiges Instrument an, die Klimaschutzziele der Gemeinschaft zu erreichen. So dürfen die Nationalstaaten solche PPA nicht schlechter stellen als die Förderung. Die EU will dafür im Rahmen der novellierten Erneuerbaren-Energien-Direktive (RED II) den Einsatz von Herkunftsnachweisen (Guarantees of Origin) ausweiten.

Hier finden Sie aktuelle Meldungen aus den Sektoren Wärme, Strom und Mobilität und News aus der Solarthermie-Branche.