„Passiv-Haus 2002“ im Zeichen der EnEV

Fachpublikumsmagnet der diesjährigen Tagung für energie-effizientes Bauen und Sanieren vom 22.-23.02. in Böblingen war das Seminar zur neuen Energieeinsparverordnung (EnEV): Architekten, Planer und Handwerker füllten den Vortragsraum bis zum letzten Platz: Die Referenten beleuchteten das komplexe Regelwerk bis ins Detail.  Schritt für Schritt wurden die zum Teil recht komplizierten Berechnungen…

Fachpublikumsmagnet der diesjährigen Tagung für energie-effizientes Bauen und Sanieren vom 22.-23.02. in Böblingen war das Seminar zur neuen Energieeinsparverordnung (EnEV): Architekten, Planer und Handwerker füllten den Vortragsraum bis zum letzten Platz: Die Referenten beleuchteten das komplexe Regelwerk bis ins Detail.  Schritt für Schritt wurden die zum Teil recht komplizierten Berechnungen vorgestellt, anhand derer künftig Neubauten nach dem Niedrigenergiehaus-Standard geplant und gebaut werden müssen. Zusammen mit den Nachrüstpflichten für den Gebäudebestand erwartet die Bundesregierung auf Grund der EnEV Energie-Einsparungen und CO2-Reduktionen von rund 30%.

Insgesamt bewerteten Referenten und Publikum die EnEV als Schritt in die richtige Richtung. Der Übergang zu einem Primärenergiekennwert führe zu einer deutlichen konzeptionellen Verbesserung und biete die Chance einer ganzheitlichen Bewertung des Energieaufwands bei größtmöglicher Planungsfreiheit. Ob die EnEV tatsächlich den gewünschten Spareffekt bewirke, bezweifelten einige Referenten: Insbesondere die Wahl einer ungünstigen Referenzanlage (Niedertemperaturkessel mit konventionellem Wärmeverteilsystem), die unter dem durchschnittlichen Standard neu eingebauter Heizsysteme liege, verleite zu überhöhten Einschätzungen. Tatsächlich läge die erreichbare Minderung zwischen 5 % und 25 %. Auch der geplante Energiebedarfsausweis konnte nicht restlos überzeugen: Zu unübersichtlich und vor allem für die Verbraucher wenig nachvollziehbar, lautete das Urteil der Experten.

Auf der begleitenden Messe „erneuerbare energien 2002“ informierten sich in drei Tagen laut Veranstalter rund 7.600 Besucher bei rund 190 Ausstellern über Sonne, Wind, Biomasse und Passivhäuser. Der Kongress beschäftigte sich unter anderem mit Wind und Wasserkraft sowie den Perspektiven der Brennstoffzelle. Weitere Schwerpunkte der Passivhaus-Tagung waren die Luftdichtheit der Gebäudehülle, Altbausanierung und Passivhäuser im Gewerbebau. Beim Bau von öffentlichen Gebäuden, Büros und Industrieanlagen zeichnet sich verstärktes Interesse am Passivhaus-Standard ab. Die vorgestellten Projekte und Bauten belegen, dass Gebäude mit einem um zirka 80% niedrigeren Heizenergiebedarf als Bauten nach dem Standard der Wärmeschutzverordnung ohne höhere Baukosten möglich sind – mit optimierter und integraler Planung. Einige süddeutsche Kommunen entdecken inzwischen die Niedrigstenergie-Bauweise für den Nachwuchs: Passivhaus-Kindergärten liegen im Trend. Fertig gestellten Projekten, beispielsweise in Lindau und in Stuttgart-Feuerbach, sollen weitere folgen, die sich derzeit im Stadium der Planung befinden, zum Beispiel in Gemmrigheim. Zum fünften Mal beantwortete Deutschlands größte Querschnittsveranstaltung zum Thema energie-effizientes Bauen und Sanieren Fragen zu Technik, Planung und Ausführung sowie zur Förderung.

27.02.2002   Quelle: Eigener Bericht

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