SPD: Atomlobby will AKW-Kapazität bis 2020 verdoppeln

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Mueller kritisiert die Unionsparteien und die FDP: Deren „Planspiele“, den Atomausstieg rückgängig zu machen, hätten zu erheblicher Beunruhigung in der Öffentlichkeit geführt. Die Interessenverbände der Atomindustrie planten vor diesem Hintergrund bereits, die Kapazitäten der Atomkraftwerke auszubauen, moniert Müller.  Auch „Trittbrettfahrer“ würden in dieser Richtung…

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Mueller kritisiert die Unionsparteien und die FDP: Deren „Planspiele“, den Atomausstieg rückgängig zu machen, hätten zu erheblicher Beunruhigung in der Öffentlichkeit geführt. Die Interessenverbände der Atomindustrie planten vor diesem Hintergrund bereits, die Kapazitäten der Atomkraftwerke auszubauen, moniert Müller.  
Auch „Trittbrettfahrer“ würden in dieser Richtung bereits aktiv: Müller nennt hier die „Deutsche Gesellschaft zur Information über Kernenergie“ (DGK). Diese habe alle Gemeinden in Deutschland auf die Pläne der CDU/CSU und FDP hingewiesen und gebeten, mitzuteilen, ob Möglichkeiten zum Ausweisen eines Bauplatzes für ein neues Kernkraftwerk bestünden. Ein solches Kernkraftwerk könne dann bereits in den kommenden fünf bis zehn Jahren realisiert werden. Allerdings sei unklar, wer hinter dieser Gesellschaft steckt und was sie mit dieser Umfrage bezweckt, heißt es in der SPD-Pressemitteilung. Die DGK sei im Juli gegründet worden und bisher nicht bekannt. Trotz einer durchaus professionellen Vorgehensweise spreche vieles dafür, dass es sich dabei um ein „makabres Störmanöver für die Bundestagswahl“ handle. Die Perspektive, welche die DGK in ihrer Umfrage aufzeichne, stimme jedoch der Richtung nach mit den Vorstellungen der Interessenvertreter der Atomwirtschaft überein.

So fordere die Kerntechnische Gesellschaft e.V. (KTG), berufsständische Organisation der Atomexperten, in ihrer jüngsten Stellungnahme zum Energiebericht des Bundeswirtschaftministers den Ausbau der AKW-Kapazitäten an allen Standorten, den Ersatz von Reaktoren, die älter als 40 Jahre sind, und den Bau eines weiteren Reaktors an Standorten, an denen bisher nur ein Reaktor betrieben wird. Dies entspräche mehr als einer Verdoppelung der heutigen Kapazität an Atomkraftwerken in den kommenden 18 Jahren, betont der SPD-Fraktionsvorsitzende – dagegen werde der von der Regierung eingeleitete Atomausstieg innerhalb dieses Zeitraums abgeschlossen sein.

19.09.2002   Quelle: SPD Bundestagsfraktion

Schließen