Max-Planck-Institut: Sonne seit 1940 aktiver denn je

Seit 1940 ist die Sonne ungewöhnlich aktiv, belegt eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Aeronomie zur Sonnenfleckenaktivität von 850 bis heute.  Der aktuelle Sonnensturm, die heftigste Eruption seit 30 Jahren, macht sich durch ein sehr starkes „Solarrauschen“ im Frequenzbereich um 1.000 Megahertz bemerkbar und beeinträchtigt den Luftverkehr über Deutschland, berichtet die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS). […]

Seit 1940 ist die Sonne ungewöhnlich aktiv, belegt eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Aeronomie zur Sonnenfleckenaktivität von 850 bis heute.  Der aktuelle Sonnensturm, die heftigste Eruption seit 30 Jahren, macht sich durch ein sehr starkes „Solarrauschen“ im Frequenzbereich um 1.000 Megahertz bemerkbar und beeinträchtigt den Luftverkehr über Deutschland, berichtet die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS). Im Jahr 1999 sei ein ähnlicher Fall beobachtet worden. Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts befindet sich die Sonne in einer Phase außergewöhnlich hoher Aktivität, die sich im häufigen Auftreten von Sonnenflecken, Gasausbrüchen und Strahlungsstürmen äußert, so das Max-Planck-Institut.

Forschern des Max-Planck-Instituts für Aeronomie (MPAE) in Katlenburg-Lindau und der Universität von Oulu (Finnland) ist es gelungen, die Sonnenaktivität anhand der Häufigkeit von Sonnenflecken bis ins Jahr 850 zurückzuverfolgen. Dazu kombinierten sie historische Aufzeichnungen über Sonnenflecken mit Messungen der Häufigkeit radioaktiver Isotope in Eisbohrkernen aus Grönland und der Antarktis.

Wie die Wissenschaftler jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Physical Review Letters berichten, ist die mittlere Sonnenfleckenzahl seit dem Jahr 1940 so hoch wie niemals zuvor in den vergangenen tausend Jahren und zweieinhalb mal so hoch wie der langfristige Mittelwert. Der zeitliche Verlauf der Sonnenaktivität weist über den gesamten Untersuchungszeitraum große Ähnlichkeit mit der Entwicklung der mittleren Temperatur auf der Erde auf. Daher rücken diese Forschungsergebnisse den Einfluss der Sonne auf das Erdklima und insbesondere ihren möglichen Anteil an der globalen Erwärmung im 20. Jahrhundert in den Brennpunkt des Interesses.

Forscher untersuchen Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und Treibhauseffekt

Die Sonne wirkt über verschiedene physikalischen Mechanismen auf die Klimaentwicklung ein: Einerseits schwankt die Gesamtstrahlung und insbesondere der Anteil im Ultraviolett-Bereich mit der Sonnenaktivität. Sind also viele Sonnenflecken zu sehen, ist die Sonne insgesamt etwas heller als in „ruhigen“ Zeiten und zeigt eine erheblich erhöhte Ultraviolettstrahlung. Andererseits schwankt die auf die Erdatmosphäre einfallende kosmische Strahlung im genau entgegengesetzten Rhythmus zur Sonnenaktivität, da sie vom Magnetfeld der Sonne jeweils mehr oder weniger abgeschirmt wird. Die von der kosmischen Strahlung erzeugten Ionen wirken – nach einem viel diskutierten Modell dänischer Forscher – als Kondensationskeime für größere Schwebeteilchen und fördern deshalb die Wolkenbildung. Bei hoher Sonnenaktivität (stärkerem Magnetfeld) nimmt folglich die kosmische Strahlung und mit ihr auch die Bewölkung Erde ab, so dass die Temperaturen auf der Erde sinken. Umgekehrt zieht eine geringere Sonnenaktivität niedrigere Temperaturen nach sich.

Treibhauseffekt vor allem durch Kohlendioxid verrusacht

Diese neuen Befunde rücken die Frage in den Brennpunkt der aktuellen Forschung, welcher Zusammenhang zwischen den Schwankungen der Sonnenaktivität und dem Klima auf der Erde besteht. Auf der Erde spielt der Einfluss der Sonne – neben der Emission des Treibhausgases Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Gas und Öl – eine zunehmende Rolle als Ursache für die seit 1900 beobachtete globale Erwärmung. „Doch auch nach unseren neuen Erkenntnissen über die Schwankungen des solaren Magnetfelds ist der seit 1980 eingetretene starke Anstieg der Erdtemperatur wohl vor allem dem durch das Kohlendioxid bewirkten Treibhauseffekt zuzuschreiben,“ sagt Prof. Sami K. Solanki, Sonnenphysiker und Direktor am Max-Planck-Institut für Aeronomie.

Weitere Informationen: http://www.mpg.de

Max-Planck-Institut für Aeronomie.

30.10.2003   Quelle: Max-Planck-Institut für Aeronomie

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