Chefvolkswirt der Deutschen Bank: fossile Energie nicht gut genug

Trotz der positiven Wohlstandseffekte ist die Nutzung fossiler Energien problematisch, erklärte Prof. Norbert Walter, Chefvolkwirt der Deutsche Bank Gruppe auf einer Pressekonferenz der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V. (UVS) am 18.11.2004 in Berlin.  Erstens führe die Verbrennung fossiler Energien zum Ausstoß von CO2, dem Klimakiller Nr.1. Zweitens sei die Versorgung mit fossilen…

Trotz der positiven Wohlstandseffekte ist die Nutzung fossiler Energien problematisch, erklärte Prof. Norbert Walter, Chefvolkwirt der Deutsche Bank Gruppe auf einer Pressekonferenz der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V. (UVS) am 18.11.2004 in Berlin.  Erstens führe die Verbrennung fossiler Energien zum Ausstoß von CO2, dem Klimakiller Nr.1. Zweitens sei die Versorgung mit fossilen Energien längerfristig nicht gesichert, besonders die Reichweiten für die Kohlenwasserstoffe Erdöl und Erdgas gäben Anlass zur Sorge, so Walter. Drittens würden die fossilen Energien zwar dem Ziel der Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung unter den gegebenen Marktbedingungen zumeist gerecht, aber nur weil der Staat aus vermeintlich übergeordneten versorgungs- und sozialpolitischen Gründen seit vielen Jahren den Einsatz der teuren heimischen Steinkohle mit Subventionen in Milliardenhöhe fördere. Der längerfristig zu erwartende Anstieg der Preise für die zunehmend knapper werdenden Kohlenwasserstoffe, vor allem Erdöl, mache auch aus ökonomischer Sicht alternative Energiequellen interessanter, betonte der Chefvolkswirt.

Fossil ist nicht gut genug

Wenn fossil derzeit zwar gut, perspektivisch aber keineswegs gut genug sei, stelle sich die Frage nach den Alternativen, denn ohne Energie werde es auch in Zukunft nicht gehen, so Walter. Hoffnungsträger seien, neben Einsparanstrengungen und neuen Konzepten wie der Entwicklung von CO2-freien Kohlekraftwerken, die regenerativen Energien. Sonne, Wind, Wasser und Gezeiten seien zwar vom Menschen nicht erneuerbar, aber auch nicht erschöpfbar. Biologische Energieressourcen (z.B. Energiegras, Raps, Wald) neigten nur bei exzessiver Nutzung zur Erschöpfung. Wenn die Abbaurate unter der natürlichen Regenerationsrate bleib, würden die Quellen nicht versiegen. Erneuerbare Energien, beispielsweise Energiepflanzen, haben gegenüber fossilen Energien überdies den großen Vorteil, dass sie CO2-neutral sind, wenn der ganze Lebenszyklus bilanziert wird.

Alle Energieträger mit ihren externen Kosten belasten

Ressourcenschonung und Umweltschutz gelten laut Walter als wirtschaftliche Werte (Assets) der alternativen Energien. „Ihr Beitrag zu Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit hängt international stark von den länderspezifischen natürlichen Gegebenheiten (z.B. Sonnenscheindauer, Wasserpotenziale) ab. In den Industrieländern sind neue Erneuerbare wie Wind- oder Sonnenenergie ohne spezielle staatliche Protektion derzeit zumeist noch nicht wettbewerbsfähig. Allerdings könnte sich ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, wenn alle Energieträger – nicht zuletzt die fossilen – mit ihren externen Kosten belastet würden“, betont der Chefvolkswirt. In der energie- und umweltpolitischen Debatte seien der Einfluss von Ökologie, Ökonomie und Politik derzeit nicht gleich verteilt. Perspektivisch bestehe jedoch Hoffnung, dass die tatsächlichen Entwicklungen – zunehmende Knappheit fossiler Energien und steigende Umweltbelastungen – auf politischer Ebene normative Kraft entfalten. Wenn bald ein Konsens darüber reife, dass fossil nicht gut genug ist, sei noch Zeit zum Handeln. In der sich an die Pressekonferenz zum Thema Solarwärmegesetz anschließenden Diskussion sagte Walter, dass aufgrund der fehlenden Netzanbindung im Wärmesektor regulatorische Instrumente zu bevorzugen seien, die lokal greifen.

„All dies macht deutlich, dass in einer Welt jenseits der Verfügbarkeit über fossile Energien keineswegs zwangsläufig das Licht ausgehen muss. Letztlich gibt menschliche Intelligenz, Erfindungsreichreichtum, Tatendrang und die Fähigkeit zur Einsicht in die Notwendigkeiten berechtigten Anlass zur Hoffnung auf eine nachhaltigere Energiebilanz in nicht allzu weiter Ferne“, fasst Walter zusammen.

20.11.2004   Quelle: UVS   Solarserver.de   © EEM Energy & Environment Media GmbH

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