Dena-Studie zeigt Wege zur Integration der Windenergie

Die Endfassung der Studie „Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore“ wurde am 24.02.2005 von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Mit der fertigen Studie liege nun auf über 500 Seiten das erforderliche Konzept zur Netzintegration von Stromerzeugern, besonders von…

Die Endfassung der Studie „Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore“ wurde am 24.02.2005 von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Mit der fertigen Studie liege nun auf über 500 Seiten das erforderliche Konzept zur Netzintegration von Stromerzeugern, besonders von Windkraftanlagen in das elektrische Versorgungssystem vor, so die dena.  Koordinierte Planung der Elektrizitätsversorgung

„Mit der ‚dena-Netzstudie‘ können wir nun die machbare und sinnvolle Weiterentwicklung des Gesamtsystems präsentieren,“ sagte dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. „Dies ermöglicht eine grundlegende, von den beteiligten Akteuren gemeinsam getragene und vor allem langfristige energiewirtschaftliche Planung mit aufeinander abgestimmten Lösungswegen. Zudem wird mit einer koordinierten Planung die Elektrizitätsversorgung als wichtiger Standortfaktor für Wirtschaftsentwicklung und Investitionsentscheidungen der Unternehmen nachhaltig stabilisiert,“ resümiert Kohler.
„Die Studie entwickelt laut dena Strategien für die verstärkte Nutzung regenerativer Energieträger und ihre Auswirkungen auf das Verbundsystem bis zum Jahr 2015“, erläutert Kohler. „Schwerpunkt der Studie ist die Integration der im Jahr 2015 zu erwartenden Windkraftleistung im On- und Offshore-Bereich von ca. 37.000 MW in das elektrische Verbundsystem, da diese mittelfristig das größte Potenzial hat, den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung zu erhöhen“, so Kohler weiter.

20 Prozent Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung machbar

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass das von der Bundesregierung geplante Ziel eines Anteils von mindestens 20 Prozent der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland zwischen 2015 und 2020 erreichbar sei, heißt es in der dena-Pressemitteilung. Voraussetzung dafür sei jedoch die Umsetzung der in der Studie aufgezeigten Maßnahmen in Hinblick auf die Weiterentwicklung des Stromversorgungssystems. Auf dieser Basis würden in der Studie die wichtigsten Fragen beantwortet:

– Rund 400 km des vorhandenen 380 kV-Verbundnetzes müssen verstärkt, rund 850 km neu gebaut werden.

– Die Versorgungssicherheit kann bei Realisierung von bestimmten Maßnahmen auf heutigem Niveau gewährleistet werden.

– Je nach Struktur des dann bestehenden Kraftwerksparks können 2015 rund 20 bis 40 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden.
– Die Mehrkosten für den Ausbau der Windenergie betragen für private Haushalte im Jahr 2015 zwischen 0,39 und 0,49 Cent je kWh.

Verstärkte Windenergienutzung erfordert Netzausbau

Der mit dem Windenergieausbau einhergehende notwendige Ausbau des bestehenden 380 kV-Verbundnetzes sei einerseits in seinem Umfang überschaubar, andererseits jedoch in seiner genehmigungsrechtlichen Durchführung nicht einfach umzusetzen, so die dena: Bis 2015 müsse die bestehende Trassenlänge des deutschen Verbundnetzes um rund 5% verlängert werden. Rund 400 km des bestehenden Verbundnetzes müssten verstärkt und rund 850 km neu gebaut werden. Die Kosten für diesen Netzausbau Jahre betragen laut dena insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Dieser durch die Windenergie initiierte Ausbau stehe dann auch dem Stromhandel im liberalisierten EU-Elektrizitätsbinnenmarkt zur Verfügung. Die Versorgungssicherheit bleibe bei dem unterstellten Ausbau der Windenergie im Untersuchungszeitraum bis 2015 auf heutigem Niveau gewährleistet. Dazu sei jedoch die Umsetzung der Netzausbau- und Verstärkungsmaßnahmen notwendig. Für bestimmte Fehlersituationen im Verbundnetz zeige die Studie jedoch durchaus kritische Betriebssituationen auf. Zur Lösung dieses Problems werden technische Maßnahmen im Netz und für Windenergieanlagen vorgeschlagen, bei deren Umsetzung die Systemsicherheit auch in kritischen Fehlersituationen gewährleistet bleibe.

Erhöhte Anforderungen an Regel- und Reserveleistung

Der weitere Ausbau der Windenergie führe zu erhöhten Anforderungen an die Bereitstellung von Regel- und Reserveleistung, so die dena. Dieser Bedarf werde durch bestehende fossil befeuerte sowie Pumpspeicher-Kraftwerke gedeckt. Im Zuge des anstehenden Kraftwerkserneuerungs-zyklus würden altersbedingt stillgelegte Kraftwerke künftig stärker als bisher durch Gasturbinenkraftwerke ersetzt. Insgesamt könne der konventionelle Kraftwerkspark des Jahres 2015 im Vergleich zum Jahr 2003 durch Nutzung der Windenergie jedoch um rund 2.200 MW reduziert werden.

Trotz Atomausstieg können CO2-Emissionen gesenkt werden

Eine positive Bilanz zieht die Studie bezüglich der CO2-Emissionen: Durch den Ausbau der Windenergie können im Jahr 2015 in Abhängigkeit von der Struktur des gesamten Kraftwerksparks rund 20 bis 40 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden, betont die dena. Das heiße, trotz des beginnenden Ausstiegs aus der Kernenergie, der im Jahr 2015 zu einem Drittel vollzogen sein werde, könnten die CO2-Emissionen je nach Szenario stabilisiert beziehungsweise gesenkt werden.

Mehrkosten durch Windenergie-Ausbau für Stromkunden sowie CO2-Vermeidung liegen vor

Die Kosten für den weiteren Ausbau der Windenergie beziffert die dena für das Jahr 2015 je nach Szenario zwischen 0,39 und 0,49 Cent je kWh für nicht privilegierte Stromkunden (z.B. private Haushalte). Für privilegierte Stromkunden (Industrie) steigen die Kosten um 0,15 Cent pro kWh. In diesen Kosten enthalten sind die Einspeisevergütung, die Regel- und Reservehaltungskosten und die Kosten für den Netzausbau, abzüglich der vermiedenen Kosten im konventionellen Kraftwerkspark. Die CO2-Vermeidungskosten durch die Windenergie werden laut dena bis zum Jahr 2015 zwischen 41 bis 77 Euro pro Tonne CO2 liegen. Eine besondere Bedeutung hätten in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Preise für konventionelle Energieträger (Öl, Gas, Kohle) sowie die weitere Effizienzsteigerung (Kostenreduktion) bei den Windkraftwerken. Insgesamt betragen die Mehrkosten durch den Windenergieausbau im Kraftwerkspark im Jahr 2015 je nach Szenario zwischen 1,6 und 2,3 Milliarden Euro, so die dena.

Kraftwerkserneuerung und Klimaschutzprogramm fordern Entscheidungen

Hintergrund zur Erstellung der Studie sind die anstehende Kraftwerkserneuerung in Deutschland sowie die Ziele der Bundesregierung zum Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, besonders aus Windenergie. Durch die altersbedingte Abschaltung fossiler Kraftwerksleistung sowie die beschlossene Stilllegung von Kernkraftwerken muss ein Ersatz für 40.000 MW Kraftwerksleistung geschaffen werden, die bis 2020 vom Netz geht. „Unabhängig von den immer häufiger spürbaren globalen Klima- und Umweltproblemen fordern auch Kyoto-Protokoll und Klimaschutzprogramm der Bundesregierung rechtzeitige Entscheidungen, um den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2020 auf die geplanten 20 Prozent zu steigern“, heißt es in der dena Pressemitteilung. Damit setze die Bundesregierung die von der EU vorgegebenen Ausbauziele auf nationaler Ebene um.

Strategie im Konsens

Die dena-Netzstudie wurde von Verbänden und Unternehmen der Windenergie-, Netz- Anlagenhersteller- und konventionellen Kraftwerksbranche sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit gemeinsam finanziert. Auch die Rahmenbedingungen zur Erstellung der Netzstudie wie beispielsweise die Energiepreisentwicklung seien innerhalb der verantwortlichen Projektsteuerungsgruppe (PSG) im Konsens festgelegt worden. Die Finanziers der Studie haben auf der PSG-Sitzung am 23. Februar 2005 beschlossen, in einem zweiten Studienteil den Ausbau der regenerativen Energietechnologien bis zum Jahr 2025 zu untersuchen sowie bestimmte Themenfelder weiter zu vertiefen.

24.02.2005   Quelle: dena   Solarserver.de   © EEM Energy & Environment Media GmbH

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