Öko-Institut: Längere Laufzeit der Kernkraftwerke ist keine Lösung

Die baden-württembergische Landesregierung sollte das Land als attraktiven Innovationsstandort vermarkten, statt Investoren und Innovatoren damit abzuschrecken, dass sie eine längere Laufzeit der Kernkraftwerke fordert. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des Öko-Instituts e.V., die im Auftrag der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne erstellt und Anfang April in Stuttgart…

Die baden-württembergische Landesregierung sollte das Land als attraktiven Innovationsstandort vermarkten, statt Investoren und Innovatoren damit abzuschrecken, dass sie eine längere Laufzeit der Kernkraftwerke fordert. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des Öko-Instituts e.V., die im Auftrag der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne erstellt und Anfang April in Stuttgart der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Energiewirtschaft in Baden-Württemberg sei nicht von der Kernenergie abhängig, betont das Öko-Institut. Der Atomausstieg sei vielmehr eine Chance, zu einem Vorreiter einer innovativen und nachhaltigen Energieversorgung zu werden.  Thema der Studie ist die Zukunft der Energiewirtschaft in Baden-Württemberg ohne Kernkraft. Die Landesregierung wolle zwar verhindern, dass Baden-Württemberg von Stromimporten abhängig werde, entwerfe jedoch gleichzeitig ein pessimistisches Bild des Erzeugungsstandorts Baden-Württemberg, in dem nur die Kernkraftwerke auf der Habenseite stünden, kritisiert das Öko-Institut. Die Freiburger Wissenschaftler plädieren für eine Strategie, die anerkenne, dass in einem europäischen Wettbewerbsmarkt der Stromhandel zunimmt und „Unabhängigkeit von Stromimporten“ kein Ziel sein kann, schon gar nicht auf der Ebene eines Bundeslandes.

Innovative Potenziale der Stromerzeugung im Land stärken

„Gerade in diesem Wettbewerbsmarkt geht es darum, die Chancen in Baden-Württemberg zu nutzen und die innovativen Potenziale der Stromerzeugung im Land zu stärken, anstatt lediglich zu fordern, die Laufzeit der Kernkraftwerke zu verlängern“, sagt Dierk Bauknecht, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut im Forschungsbereich Energie & Klimaschutz. Kernkraftwerke könnten einerseits durch hoch-effiziente Erdgas-Kraftwerke ersetzt werden. Daneben hätten auch die erneuerbaren Energien große Potenziale, besonders die Biomasse. Nötig sei auch die Erhöhung der Energieeffizienz auf der Seite der Verbraucher. „Und wer neue Technologien wie Stirling-Motoren international vermarkten will, sollte sie auch zu Hause einsetzen“, so das Öko-Institut.

Hoher Kernenergieanteil hat zu niedrigen Strompreisen geführt

Die Studie beschäftigt sich auch mit der Frage, ob die Strompreise durch den Kernenergieausstieg in Baden-Württemberg steigen werden. Sie mache deutlich, dass der hohe Kernenergieanteil im Land beziehungsweise der EnBW nicht zu niedrigen Strompreisen für die Verbraucher geführt habe. Die Strompreise in Baden-Württemberg gehören laut Öko-Institut zu den höchsten in ganz Deutschland und EnBW zähle zu den teuersten Anbietern in Baden-Württemberg. Als wesentliche „Stellschraube“ für niedrigere Strompreise nennt die Studie die hohen Netzkosten. Außerdem sei Wettbewerb zwischen verschiedenen Kraftwerksbetreibern Voraussetzung für eine effiziente Stromversorgung. Ein neues Erdgas-Kraftwerk am Standort Obrigheim, zum Beispiel gemeinsam betrieben von Stadtwerken, wäre daher das richtige Signal, so das Öko-Institut.

Die Studie kann als PDF-Dokument (842 kByte) kostenlos heruntergeladen werden http://www.oeko.de/dokum.php?id=244

16.04.2005   Quelle: Öko-Institut e.V., Büro Freiburg   Solarserver.de   © EEM Energy & Environment Media GmbH

Schließen