Studie: „Klimawandel ist zumindest zum Teil hausgemacht“

Der Mensch scheint mit den von ihm produzierten Treibhausgasen tatsächlich zur globalen Erwärmung beizutragen. Das ist ein Ergebnis neuer Simulationsrechnungen, welche Meteorologen der Universität Bonn durchgeführt haben.  Die Ergebnisse hätten die Wissenschaftler mit einer intensiv geprüften Software ausgewertet, die auch von der Justiz verwendet werde, um die Aussagekraft von Indizien…

Der Mensch scheint mit den von ihm produzierten Treibhausgasen tatsächlich zur globalen Erwärmung beizutragen. Das ist ein Ergebnis neuer Simulationsrechnungen, welche Meteorologen der Universität Bonn durchgeführt haben.  Die Ergebnisse hätten die Wissenschaftler mit einer intensiv geprüften Software ausgewertet, die auch von der Justiz verwendet werde, um die Aussagekraft von Indizien abzuschätzen, so die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn in einer Pressemitteilung. Das Resultat habe auch vor Gericht Bestand: Mit großer Wahrscheinlichkeit seien sowohl natürliche Faktoren als auch die vom Menschen verursachten Treibhausgase für die Erwärmung verantwortlich, beispielsweise Kohlendioxid und Methan.

Historische Berechnungen entsprechen den Fakten

Um prinzipiellen wissenschaftlichen Einwänden bezüglich der Aussagekraft von Klimamodellen zu begegnen, haben die Bonner Forscher den Supercomputer des Max-Planck-Instituts die Klimaentwicklung der letzten 140 Jahre sechsmal nachvollziehen lassen. Sie fütterten den Rechner mit den verfügbaren Messwerten der „angeklagten“ Klimafaktoren aus der Zeit von 1860 bis 2000 – darunter beispielsweise die Sonnenaktivität, die CO2-Konzentration, große Vulkanausbrüche sowie der kühlende Wirkung von Schwefelschwebteilchen die auf das Konto des Menschen gehen. „Die errechnete Temperaturkurve ähnelte immer stark dem tatsächlich beobachteten Verlauf“, betont Professor Dr. Andreas Hense, Leiter des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts.

Auf der Grundlage von rund 30 Modellen untersuchten die Meteorologen, wie sich die Jahresdurchschnittstemperatur der Erde im 20. Jahrhundert mit und ohne den Einfluss der Klimagase entwickelt hätte. Die Bonner Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 0,7 Grad in den letzten 120 Jahren und der angestiegenen Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre im gleichen Zeitraum. „Ohne Einfluss der Treibhausgase hätte die Jahresdurchschnitts-Temperatur bis heute nur um 0,4 Grad zugenommen“, so Prof. Hense. Die Schwankungen Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beruhten aber überwiegend auf natürlichen Faktoren wie Sonnenaktivität und Vulkanausbrüchen, so Hense weiter.

Durchschnittstemperatur steigt trotz Kyoto-Protokoll

Für die Vergangenheit scheinen die Modelle also zu funktionieren, stellen die Bonner Wissenschaftler in einer Pressemitteilung fest. Die Meteorologen an der Bonner Universität rechneten zusätzlich auch Szenarien bis zum Jahr 2100 durch, mit dem Ergebnis, die globale Temperatur werde selbst unter optimistischen Annahmen weiter ansteigen. Sogar bei stark verminderten Treibhausgas-Emissionen verharre die Temperaturkurve nach 2050 bei etwa einem Grad über dem Stand von 1860. Gehe die Klimagas-Produktion nur wenig zurück, wie es etwa nach dem Kyoto-Protokoll der Fall sein könnte, liege die Durchschnittstemperatur im Jahr 2100 sogar mehr als zwei Grad höher.

Wenn die Menschheit und die Weltwirtschaft weiter wachsen und die Treibhausgase ungebremst zunähmen, erwarten die Forscher bis 2100 einen Anstieg von fast 3,5 Grad. In einer jüngst veröffentlichten Science-Studie seien US-Forscher mit anderen Rechenmodellen zu ganz ähnlichen Vorhersagen gekommen. Die Ergebnisse seien nur Jahresdurchschnittswerte für die komplette Erdkugel, betont Hense: „Welche Auswirkungen im Einzelnen z.B. für Europa zu erwarten sind, können wir jetzt noch nicht sagen“.

02.05.2005   Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn   Solarserver.de   © EEM Energy & Environment Media GmbH

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