Dorfstromversorgung aus Hessen als Tsunami-Hilfe für Sri Lanka

Der Standort für den gemeinsam von der SMA Technologie AG Niestetal und dem Landkreis Kassel finanzierten „Energiecontainer“ für ein von der Flutkatastrophe am 26. Dezember 2004 besonders betroffenes Gebiet von Sri Lanka ist gefunden. Das berichtet der Landkreis Kassel in einer Pressemitteilung.  „Chief Minister Berty Premalal Dissanayake, der für die Koordination der Hilfe für die […]

Der Standort für den gemeinsam von der SMA Technologie AG Niestetal und dem Landkreis Kassel finanzierten „Energiecontainer“ für ein von der Flutkatastrophe am 26. Dezember 2004 besonders betroffenes Gebiet von Sri Lanka ist gefunden. Das berichtet der Landkreis Kassel in einer Pressemitteilung.
 
„Chief Minister Berty Premalal Dissanayake, der für die Koordination der Hilfe für die Südprovinz Sri Lankas zuständig ist, hat uns vorgeschlagen, den Container auf dem Gelände eines technischen Berufsschulzentrum bei Hambantota aufzustellen,“ informiert Landrat Dr. Udo Schlitzberger über ein Ergebnis des Besuchs einer hochrangigen Delegation aus Sri Lanka im Landkreis Kassel. Die Lieferung des netzunabhängigen Stromversorgungssystems ist Teil der Solar- und Qualifizierungspartnerschaft zwischen dem Landkreis Kassel und der Südprovinz Sri Lankas.

Erneuerbare Energie für 80 Häuser und eine Wasserpumpe

Das mobile Energieversorgungs-System, das speziell für Sri Lanka entwickelt wurde, ist ein so genanntes Inselstromsystem, das hauptsächlich mit erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind betrieben werden kann. Aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen in dieser Region, liefere dieses System genug Energie um die elektrische Grundversorgung von bis zu 80 Häusern und einer Wasserpumpe zu ermöglichen. Das Gebiet um Hambantota gehört laut Landkreis Kassel zu den mit am stärksten betroffenen Gebieten in Sri Lanka. „Wir wollen mit dieser Anlage, die Häuser und eine Wasserpumpe mit Strom versorgen kann, beispielhaft zeigen, wie Solarenergie im Süden Sri Lankas beim Aufbau der zerstörten Dörfer eingesetzt werden kann,“ erläutert Chief Minister Berty Premalal Dissayanake. Die Unterstützung durch den Landkreis Kassel und die SMA Technologie AG sei für die verstärkte Nutzung von Sonnenenergie in Sri Lanka sehr wertvoll. „Die Wahl eines Standortes in der Nähe eines Berufsschulzentrums ermöglicht es die praktische Nutzung von Sonnenenergie mit der Qualifizierung im Umgang mit regenerativen Energien zu verbinden,“ ergänzt Deputy Minister Duminda Dissanayake, Stellvertretender Minister für Fortbildung und Berufsbildungsangelegenheiten Sri Lankas.

Großes Interesse an weitergehender Zusammenarbeit

Über den Solarcontainer hinaus bestehe großes Interesse an einer weitergehenden Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Stromerzeugung aus Sonnenenergie, so Chief Minister Dissayanake weiter. So könne er sich vorstellen, eine Mustersiedlung von hundert Häusern mit Solarenergie zu versorgen. Für die Entwicklung der Tsunami-Regionen sei es besonders wichtig, dass beim Wiederaufbau innovative Technik eingesetzt werde, um so die Zukunftsperspektiven für die Menschen zu erhöhen. „Auch auf unserer Seite ist die Bereitschaft sich auf Sri Lanka zu engagieren groß,“ bestätigt SMA-Vorstandsmitglied Günther Cramer. Sein Unternehmen sei als weltweit führender Hersteller von Solarwechselrichtern mit ähnlichen Projekten bereits in China aktiv. Die ersten Gespräche mit der Delegation aus Sri Lanka seien sehr gut verlaufen. „Wir werden die nächste Zeit nutzen, um die entstandenen Kontakte zu vertiefen“, so Cramer. Dass die Chance bestehe, die Hilfe für die Flutopfer und den Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen der Region Kassel mit Sri Lanka zu verknüpfen, ist für Landrat Dr. Schlitzberger mehr als nur ein positiver Begleiteffekt: „Ob mit dem Waldviertel in Niederösterreich oder mit der Region Csepel in Ungarn – auch bei unseren europäischen Partnerschaften stehen der Auf- und Ausbau von wirtschaftlichen Beziehungen und Fragen der Berufsbildung und Qualifizierung im Mittelpunkt.“ Wenn sich ähnliches mit der Südprovinz Sri Lankas realisieren lässt, sei das für alle Beteiligten ein Glücksfall.

Solar- und Qualifizierungspartnerschaft als Hilfe zur Selbsthilfe

Die nächsten konkreten Schritte der Solar- und Qualifizierungspartnerschaft betreffen den weiteren Ausbau des von der Abfallentsorgung des Landkreises Kassel zur Verfügung gestellten Solarcontainers. Ein von SMA speziell für den Einsatz in Sri Lanka entwickeltes portables Energieversorgungs-System soll gemeinsam mit Schülern und Lehrern der Herwig-Blankertz-Schule Hofgeismar sowie Elektronik-Auszubildenden des Niestetaler Unternehmens bis Ende November fertiggestellt werden. In den Solarcontainer werden ein SMA-Batteriewechselrichter vom Typ „Sunny Island“ und zwei SMA-Fotovoltaikwechselrichter vom Typ „Sunny Boy“ eingebaut. Die für den Betrieb notwendigen Solarmodule könnten in Sri Lanka ohne großen Aufwand auf dem Dach des Containers installiert werden, so dass höchste Flexibilität dieser kompakten Versorgungseinheit gewährleistet sei. Nach dem Einbau der Technik soll der Container nach Columbo verschifft und per LKW an seinen Bestimmungsort bei Hambantota gebracht werden. Um den störungsfreien Betrieb des Solarcontainers von Anfang an sicherzustellen, werden drei Elektriker aus der Region Hambantota im November zu Gast bei der SMA Technologie AG in Niestetal sein und in Aufbau und Wartung der im Container vorhandenen Technik geschult. Parallel dazu wird eine Schulpartnerschaft der Herwig-Blankertz-Schule mit dem Berufsschulzentrum Hambantota angestrebt.

Mehrere hessische Städte und Gemeinden helfen

Auf Initiative von Dr. Schlitzberger hatte der Kreistag des Landkreises Kassel am 3. März 2005 beschlossen, als nachhaltigen Beitrag zu den von Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgeschlagenen kommunalen Hilfen für die von Tsunami-Regionen in Südostasien eine Solar- und Qualifizierungspatenschaft zu organisieren, berichtet der Landkreis Kassel. In Zusammenarbeit mit der in Niestetal (Landkreis Kassel) ansässigen SMA Technologie AG und den Berufsschulen im Landkreis Kassel waren die Vorbereitungen für eine Solar- und Qualifizierungspatenschaft mit Sri Lanka vorangetrieben worden. Um eine Anschubfinanzierung sicherzustellen, stünden im Kreishaushalt 10.000 Euro zur Verfügung. Mittlerweile hätten sich eine Reihe von Landkreiskommunen entschieden, die Solar- und Qualifizierungspatenschaft zu unterstützen (Calden, Fuldabrück, Kaufungen, Niestetal und Vellmar). Auch die Stadt Kassel prüfe, ob sie sich der Patenschaft anschließe – weitere Unterstützer für das Projekt sind nach Auskunft des Landkreises willkommen.

08.07.2005   Quelle: Landkreis Kassel   Solarserver.de   © EEM Energy & Environment Media GmbH

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