Brennstoffzellen-Entwicklung: Experten brüteten über „Henne-Ei-Dilemma“

Im Rahmen eines zweitägigen Workshops am 14. und 15. Juli 2005 suchten 30 Experten im Weiterbildungszentrum Brennstoffzelle (WBZU) in Ulm Wege, die Kosten für Niedertempertur-Brennstoffzellen zu senken und diese damit marktfähig zu machen. „Ohne Hennen keine Eier und ohne Eier keine neuen Hennen“, lautete das Motto des Workshops. Übertragen auf die Brennstoffzellentechnik heiße dies: Ohne […]

Im Rahmen eines zweitägigen Workshops am 14. und 15. Juli 2005 suchten 30 Experten im Weiterbildungszentrum Brennstoffzelle (WBZU) in Ulm Wege, die Kosten für Niedertempertur-Brennstoffzellen zu senken und diese damit marktfähig zu machen. „Ohne Hennen keine Eier und ohne Eier keine neuen Hennen“, lautete das Motto des Workshops. Übertragen auf die Brennstoffzellentechnik heiße dies: Ohne Stückzahlen keine Kostenreduktion und ohne Kostenreduktion kein Markt.  Die Brennstoffzellen-Experten aus Industrie und Forschung betrachteten das Dilemma am ersten Workshoptag aus drei Blickrichtungen: Aus Sicht der Produktentwickler, der Stack- und Komponentenhersteller sowie der Forschungszentren. Am zweiten Tag suchten die Experten Strategien und Lösungsansätze. Am Ende des Tage waren sich die Teilnehmer einig: Das Kücken sei zwar noch nicht geschlüpft, aber das gemeinsame aussitzen der Brutzeit sei fruchtbar und konstruktiv gewesen.

Großserienfertigung soll Kosten senken

Die Brennstoffzellenentwicklung ist in den meisten Anwendungsfeldern im Bereich der Felderprobung von Prototypen angelangt. Die letzte und größte Hürde für eine erfolgreiche Markteinführung ist laut WBZU das Erreichen eines Kostenlevels, vergleichbar mit Markt etablierten konventionellen Produkten. Vor dem Hintergrund, dass Brennstoffzellen bisher nur in kleinen Stückzahlen und oft manuell gefertigt werden sind die Hersteller davon überzeugt, dass in einer Großserienfertigung die Herstellkosten mit heutigen Materialien auf die Zielwerte gesenkt werden können. Die Experten-Runde erarbeitete ein strategisches Konzept um das Henne-Ei-Problem in Griff zu bekommen. Die wichtigsten Lösungsansätze der Experten sind:

1. Die Bündelung aller Kräfte vor dem Markteintritt („gemeinsamer Hau-Ruck“). Erst nach der Markteinführung belebe Konkurrenz das Geschäft.
2. Erarbeitung und Kommunikation einer „Marschrichtung“ mit einer klaren Darstellung von Entwicklungslinien, Kostenzielen und Stückzahlen (Roadmap). Die Gesamtkoordination und Strategieerarbeitung soll über das Brennstoffzellen-Bündnis Deutschland (BZB, Kontakt: axthammer@brennstoffzelle-nds.de) erfolgen. die Zulieferindustrie will sich sich über den VDMA koordinieren (Kontakt: johannes.schiel@vdma.org), welcher wiederum Mitglied im BZB ist.
3. Aufruf an die Förderpolitik: Vermehrte Förderung von Markteinführungsmaßnahmen, beispielsweise Demonstrationsvorhaben, sowie eine Schaffung finanzieller Anreize, Brennstoffzellenprodukte auf den Markt zu bringen, z.B. durch Vergütungsmodelle (ähnlich dem EEG) oder Unterstützung von Start-Ups und KMU.
4. Sensibilisierung der Öffentlichkeit für energiepolitische Gesamtsituation: Darstellung der Notwendigkeit und Dringlichkeit eines konkreten Handlungsbedarf vor dem Hintergrund begrenzter fossiler Energieträger durch Verbände (BZB und WBZU)
5. Fokus auf Marktanforderungen: produktorientierte Entwicklung (Market-Pull) über Konsortien (vgl. Punkt 6), bessere Analyse von Kundenbedürfnisse, Nutzten der Technologie, Akzeptanz der Technik, Nischenmärkte.
6. Entwicklungskonsortien: Bildung produktorientierter Entwicklungskonsortien über die gesamte Wertschöpfungskette mit der Zielsetzung einer besseren Harmonisierung von Komponenten und Baugruppen der Hersteller sowie besser abgestimmten Entwicklungslinien der F&E – Institute.

Abgestimmtes Vorgehen zur Steigerung der Produktionskapazitäten

Die Expertenrunde wies darauf hin, dass nur ein abgestimmtes und gemeinsames Vorgehen zu einer Steigerung der Produktionskapazitäten und damit aus dem Dilemma führen könne. Einzelne Lösungsansätze würden beim Verbraucher, den Medien und der Politik für Verwirrung sorgen und seien eher kontraproduktiv. Ziel der Experten-Workshops des Ulmer Weiterbildungszentrums sei, Synergieeffekte herauszuarbeiten und den Erfahrungsaustausch der beteiligten Interessensgruppen anzuregen und voranzutreiben. „Es ist an der Zeit mit der Brennstoffzelle offensiv, aber abgestimmt auf dem Markt zu gehen. Die Brennstoffzelle hat sich erfolgreich im Alltagseinsatz bewährt, auch wenn Verbesserungs- und Optimierungsprozesse niemals abgeschlossen sind. Am Verbrennungsmotor wird beispielsweise schon seit über 100 Jahren weiterentwickelt. Wir vom Weiterbildungszentrum wollen alle Beteiligten an einen Tisch bekommen und dazu beitragen die Technologie auf den Markt zu bringen“, so der neue Vorstandsvorsitzende des WBZU Prof. Dr. Werner Tillmetz.

12.08.2005   Quelle: Weiterbildungszentrum Brennstoffzelle Ulm e.V. (WBZU)   Solarserver.de   © EEM Energy & Environment Media GmbH

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