EUROSOLAR-Präsident Scheer fordert Stopp für neue fossile Großkraftwerke und Festhalten am Atomausstieg

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In dem Memorandum „Jenseits von Kohle und Atom“ nimmt Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR und SPD-Bundestagsabgeordneter, Stellung zu den Herausforderungen an eine nachhaltige und klimawirksame Energiepolitik. Scheer argumentiert unter anderem, dass es weder sachlich notwendig noch politisch-strategisch ratsam ist, als Ersatz für den Atomausstieg auf neue Großkraftwerke zu setzen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Wer angesichts der alarmierenden Klimadaten auf neue fossile Großkraftwerke setze, riskiere damit, dass die Akzeptanz des Atomausstiegs in der Öffentlichkeit sinke, so Scheer. In der Denkschrift zeigt der Vorsitzende des Weltrats für Erneuerbare Energien, dass und wie ein Atomkraftwerksersatz bei gleichzeitiger Senkung der CO2-Emissionen möglich ist und wie innerhalb der nächsten 15 Jahre der Anteil erneuerbarer Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung an der Deckung des Strombedarfs auf über 60 % gesteigert werden kann.
Scheer spricht sich nicht nur für ein unbedingtes Festhalten am Atomausstieg aus, sondern auch für einen Baustopp fossiler Kraftwerke (Moratorium), wenn keine Kraft-Wärme-Kopplung stattfindet. Außerdem beschreibt Scheer, warum es weder nötig noch ratsam sei, auf so genannte „Clean Coal“-Kraftwerke zu setzen.

Regierungen werden der Energiewende nicht angemessen gerecht
Einem beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und der Nutzung der Effizienz- und Sparpotentiale stünden keine technischen und wirtschaftlichen Hindernisse entgegen, sondern „Denkverweigerungen“ und „willkürliche politische Blockaden“, betont Scheer. Der Klimawandel sowie der gleichzeitig wachsende Unterschied zwischen beschränkten fossilen und atomaren Energieangeboten und der steigenden weltweiten Energienachfrage gebieten laut Scheer eine unverzügliche und grundlegende Umstrukturierung der Energieversorgung zur zwingenden Verantwortung. Lester Brown, Präsident des Earth Policy Institute in Washington, plädiere sogar für eine politisch-industrielle Mobilmachung zur Abwendung politischer Risiken, wie sie in den USA bisher nur in Kriegszeiten aufgewandt wurde („war-time mobilisation“). „Im Kern muss es dabei um den umfassend angelegten Wechsel zu erneuerbaren Energien gehen, mit Hilfe der Beschleunigungsfaktoren der Effizienzsteigerung und des Einsparens herkömmlicher Energien, denen eine Brückenfunktion zukommt“, so Scheer. Dafür dürfe keine Zeit mehr verloren werden, doch dieser wahrhaft historischen Herausforderung werde bisher keine Regierung angemessen gerecht, stellt der EUROSOLAR-Präsident fest.

Vollversorgung mit Strom aus erneuerbare Energien bis 2040 möglich
Wenn die Summe der Potenziale von Windkraft, Photovoltaik, Kraft-Wärme-Kopplung mit wachsenden Bioenergieanteilen, Wasserkraft und Geothermie genutzt werden, können laut Scheer 80 Prozent der Stromversorgung innerhalb von 15 Jahren mit erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung kommen. Selbst unter Berücksichtigung von Trägheitsmomenten in einer Größenordnung von einem Viertel dieser Summe käme immer noch ein Anteil von 60 % zustande, gegenüber gegenwärtig 12 %. „Daraus ergibt sich auch, dass eine Vollversorgung bis zum Ende des vierten Jahrzehnts realisierbar ist“, unterstreicht Scheer.
Die Denkschrift zeigt detailliert das Grundlast- und Reservepotential erneuerbarer Energien und plädiert für die Beseitigung „maßstabsloser administrativer Hemmnisse, vor allem in Sachen Windenergie. Und sie kritisiert das „unerfüllbare Versprechen der clean coal-Option“, die Scheer vor allem als virtuelles Instrument zur Ablenkung von der Perspektive erneuerbarer Energien sowie zur Legitimierung des Baus neuer fossiler Großkraftwerke ohne CO2-Abscheidung charakterisiert.
Das vollständige Memorandum „Jenseits von Kohle und Atom“ ist im Internet zugänglich unter http://www.hermann-scheer.de und http://www.eurosolar.org.

13.03.2007 | Quelle: EUROSOLAR | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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