G8-Kompromiss zum Klimaschutz: Umweltverbände kritisieren mageres Ergebnis und warnen vor Euphorie

NULL

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt sich nur teilweise zufrieden mit dem Ergebnis des G8-Gipfels zum Schutz des globalen Klimas. Das Fehlen konkreter Klimaschutzziele werde mit „pseudoharmonischer Tünche und schwammigen Versprechungen“ überdeckt, heißt es in einer BUND-Pressemitteilung. Die G8 hangele sich weiter mit vagen Absichtserklärungen von Gipfel zu Gipfel, so der BUND.

BUND: Die EU und Deutschland müssen ihre Klimaschutzziele jetzt ohne Vorbedingungen zügig umsetzen
„Am Klimaproblem gemessen ist das Ergebnis überaus mager. Die Absichtserklärung zur Halbierung der Treibhausgase bis 2050 begrüßen wir jedoch. Jetzt müssen völkerrechtlich verbindliche Ziele her. Das richtige Forum für mehr Klimaschutz ist die entschlossene Fortsetzung des Kyoto-Prozesses im Rahmen der Vereinten Nationen. Das zumindest konnte Kanzlerin Merkel gegen George W. Bush durchsetzen“, kommentiert BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm. Die EU müsse ihr Ziel, bis 2020 ein Drittel weniger Treibhausgase zu emittieren, jetzt ohne Vorbedingungen zügig umsetzen, so der BUND. Deutschland solle sich mit minus 40 Prozent daran beteiligen. Es gehe darum, bis zur Kyoto-Anschlusskonferenz im Dezember in Bali eine „Koalition der Klimaretter“ zu bilden. Darin müssten auch die Schwellenländer einbezogen werden.

WWF erkennt Fortschritte an und warnt vor Euphorie
Die Einigung der G8-Staaten auf einen Kompromiss zum Klimaschutz ist für den World Wide Fund For Nature (WWF) ein Lichtblick. „Kanzlerin Angela Merkel hat zweifellos gute Überzeugungsarbeit geleistet“, erkennt Regine Günther, Leiterin des Bereichs Energiepolitik und Klimaschutz beim WWF Deutschland an. Insbesondere die Fortsetzung der internationalen Klimaverhandlungen unter dem Dach der UN sei ein großer Fortschritt. Die Verhandlungen über den Klimaschutz nach 2012 sollen in diesem Jahr starten und bis 2009 abgeschlossen werden. Durch das konkrete Datum für den Abschluss der Verhandlungen bekomme der Prozess mehr Verbindlichkeit.
„Was der Kompromiss von Heiligendamm wert ist, wird sich spätestens beim nächsten Klimagipfel auf Bali zeigen“, so Regine Günther. Die Regierungschefs haben sich auf dem G8-Gipfel dem Ziel, den Ausstoß an Treibhausgasen bis 2050 zu halbieren, zumindest angenähert. „Leider konnte man sich nicht auf das Basisjahr 1990 festlegen“, kritisiert der WWF. Hier müsse noch nachgebessert werden. Auch gab es keine verbindliche Zusage, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen unter zwei Grad zu begrenzen. Es sei aber zu begrüßen, dass die Führungsrolle der Industrieländer beim Klimaschutz festgeschrieben wurde.

NABU: G8-Gipfel hat das Klassenziel klar verfehlt
Der Naturschutzbund NABU ist enttäuscht vom Ergebnis des G8-Gipfels in Heiligendamm: „Das Klassenziel für den G8-Gipfel ist klar verfehlt worden“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Es sei „nett“, dass auch Kanada und die Vereinigten Staaten eine Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 „ernsthaft in Betracht ziehen“ wollten, heißt es in der Pressemitteilung des NABU. Erforderlich seien dafür aber eine Reduzierung um 80 % in den Industrienationen und verbindliche Zwischenziele. „Der Gipfel läuft Gefahr, sich in bedeutungslosen Absichtserklärungen zu verlieren“, so der NABU-Bundesgeschäftsführer.

08.06.2007 | Quelle: BUND, WWF World Wide Fund For Nature, NABU | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

Schließen