Accenture-Studie: Mehr als jeder zweite Strom- oder Gasnetzbetreiber wird vom Markt verschwinden

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Für die deutschen Energieversorger brechen turbulente Zeiten an. In den kommenden sieben Jahren werde rund ein Viertel der Versorger vom Markt verschwinden, berichtet der Managementberatungs-Dienstleister Accenture GmbH (Kronberg im Taunus) in einer Pressemitteilung. Bei den Strom- und Gasnetzbetreibern werde sogar jeder zweite die härter werdenden Rahmenbedingungen nicht überleben, so eines der Ergebnisse der Accenture-Studie zur Entwicklung der deutschen Energiewirtschaft bis zum Jahr 2015. Für die Prognose wurden Entscheider von Energieversorgungsunternehmen, Strom- und Gasnetzbetreibern sowie Experten aus Wissenschaft und Forschung befragt.
Die Anfang 2009 in Kraft tretende Anreizregulierung, mit dem Ziel, geringere Preise für die Nutzung von Strom- und Gasnetzen durchzusetzen, werde die Branche tiefgreifend verändern, so die Studie. Den rund 1.100 Netzbetreibern werden dann Obergrenzen für ihre Erlöse durch die Bundesnetzagentur vorgegeben. Das Maßnahmenpaket soll zu mehr Wettbewerb und zu sinkenden Energiepreisen für die Verbraucher führen. Laut einhelliger Meinung der Befragten werde sich das Marktumfeld für Netzbetreiber durch die Anreizregulierung massiv verschlechtern, betont Accenture. Als Konsequenz der neuen Vorgaben zur Effizienzsteigerung sieht die Studie schwache Netzbetreiber in ihrer Existenz bedroht, da sie die geringeren Netznutzungsentgelte nicht durch entsprechende Kosteneinsparungen kompensieren können.

Accenture: ” Mehr als 900 Energieversorger und 1.100 Strom- und Gasnetzbetreiber sind zuviel”
Überdies kommt die Umfrage zu dem Ergebnis, dass selbst effiziente Netzbetreiber künftig keine deutlich überdurchschnittlichen Margen erwirtschaften können. Dennoch: Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Befragten erkennen im Anreizmechanismus auch wirtschaftliche Chancen: “Damit die Konsolidierungswelle nicht zur Gefahr, sondern zur Chance wird, müssen sich die Unternehmen einer grundsätzlichen Strategiediskussion stellen”, sagt Stephan Werthschulte, Geschäftsführer im Bereich Energieversorgungswirtschaft bei Accenture. Die Studie zeigt weiterhin: Um die geforderten Effizienzsteigerungen zu realisieren und weiterhin erfolgreich am Markt bestehen zu können, werden bei vielen Strom- und Gasnetzbetreibern horizontale Zusammenschlüsse in Form von Kooperationen oder Zukäufen notwendig. “Deutschland leistet sich teure Strukturen in der Energieversorgungswirtschaft”, sagt Stephan Werthschulte. “Mehr als 900 Energieversorger und 1.100 Strom- und Gasnetzbetreiber sind zuviel. Die Branche muss sich auf eine Konsolidierungswelle vorbereiten.”

Zwei Fusionen pro Woche?
In den kommenden zwei Jahren stehen laut der Erhebung zahlreiche Zusammenschlüsse bei den Netzbetreibern an. Die Mehrheit der befragten Experten (55 Prozent) ist überzeugt: Bis 2015 wird die Anzahl der Energieversorger in Deutschland um mindestens ein Viertel und die Anzahl der Netzbetreiber sogar um rund die Hälfte zurückgehen. Bei 1.100 Netzbetreibern geht die Studie im Schnitt von zwei Fusionen pro Woche aus. Neben Zusammenschlüssen und Kooperationen werden sich die Netzbetreiber stärker differenzieren und sich auf spezialisierte Geschäftsmodelle konzentrieren. Vertrieb, Netz und Erzeugung werden sich künftig viel eigenständiger entwickeln, und es kristallisieren sich spezialisierte Geschäftsmodelle heraus.
Die veränderten Rahmenbedingungen werden auch Einfluss auf die Eigentümerstrukturen haben und neue Investoren anlocken. Die Besitzverhältnisse im Vertrieb und Netz werden sich künftig stärker unterscheiden. Zum einen erwarten die Befragten, dass eine eigentumsrechtliche Entflechtung für Übertragungsnetzbetreiber vorgeschrieben und auch für Verteilnetzbetreiber diskutiert wird. Zum anderen werden unterschiedliche Risiko- und Renditeerwartungen in den Bereichen Erzeugung, Verteilung und Vertrieb verschiedene Investorentypen ansprechen. Kommunale Anteilseigner werden sich weiter aus der Energiewirtschaft zurückziehen. Schon in den kommenden zwei Jahren werden auf Infrastruktur spezialisierte Finanzinvestoren wie Macquarie oder Babcock Brown sich in die Branche einkaufen. Laut Studie werden im Jahr 2015 etwa 15 bis 30 Netzbetreiber einen Finanzinvestor als Anteilseigner haben. Einige Netzbetreiber werden sogar den Gang an die Börse wagen.
Für die Studie “Zukunftserwartungen über die Entwicklung der deutschen Energiewirtschaft” hat von Accenture 48 Entscheider in Netzgesellschaften und Leiter von Strategieabteilungen bei großen und mittleren Energieversorgern sowie Experten aus Wissenschaft und Forschung befragt. Die Studie beruht auf der Delphi-Methode. Dabei handelt es sich um ein systematisches, mehrstufiges Befragungsverfahren, das dazu dient, zukünftige Ereignisse, Trends und Entwicklungen möglichst exakt einschätzen zu können.

28.01.2008 | Quelle: Accenture GmbH | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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