Studie über erneuerbare Energien zum Klimaschutz: In den USA ein Flop – in Europa Top

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Die Energieversorger halten die Atomenergie zur Eindämmung des Klimawandels auch langfristig nicht für verzichtbar, berichtet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in einer Pressemitteilung. Bis zum Jahr 2050 werde Nuklearenergie eine maßgebliche Rolle bei der Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen spielen, glauben knapp 60 Prozent der von PwC befragten Top-Manager. Von erneuerbaren Energien wie Wind-, Wasser- und Solarkraft erwarten 54 Prozent einen wesentlichen Beitrag, wie aus der Studie „Utilities Global Survey 2008“ hervorgehe. Allerdings gebe es erhebliche regionale Unterschiede bei der Bewertung erneuerbarer Energiequellen. Während diese nur für 35 Prozent der amerikanischen Befragten langfristig wichtig sind, glauben in Europa und der Region Asien-Pazifik rund 70 Prozent der Versorger an einen wichtigen Beitrag erneuerbarer Energien zum Klimaschutz.

Energiesparen hat Priorität; deutlicher Stimmungsumschwung zu Gunsten der Solarenergie
Um den weltweit steigenden Energiebedarf zu decken, reicht eine Ausweitung der Kapazitäten laut Studie allein nicht aus. So sind fast 80 Prozent der Versorger der Ansicht, dass neue Technologien zur Energieeinsparung in den kommenden zehn Jahren die stärksten Auswirkungen auf den Energiemarkt haben werden – annähernd 20 Prozentpunkte mehr als in der Umfrage von 2007. Bei der Energieerzeugung könnten Gaskraftwerke nach Einschätzung von knapp 70 Prozent der Versorger am meisten von neuen Technologien profitieren, gefolgt von Wind- (62 Prozent) und Kernkraftwerken (57 Prozent). Bemerkenswert sei der Stimmungsumschwung zu Gunsten der Solarenergie, betont PwC: Glaubten in der Umfrage von 2007 in diesem Bereich nicht einmal 30 Prozent an nennenswerte Effizienzgewinne durch neue Technologien, sagen dies nunmehr 54 Prozent.

Politik soll Führung übernehmen
Bei der Förderung effizienter Energienutzung und -erzeugung sieht die klare Mehrheit der befragten Energieversorger (59 Prozent) die Regierungen in einer Schlüsselposition. Demgegenüber halten nur 18 Prozent die eigene Branche und 13 Prozent die Energieverbraucher in den kommenden zehn Jahren für die Schrittmacher des technologischen Wandels. Bemerkenswert ist der Stimmungsumschwung im Vergleich zur Vorjahresumfrage. So sprachen sich 2007 weniger als 20 Prozent der Befragten für eine Führungsrolle der Politik aus, über 40 Prozent sahen in erster Linie die Verbraucher in der Verantwortung.
„Die Energieversorger wollen Investitionen in klimafreundliche Technologien nicht alleine tragen. Daher sollen die Regierungen einerseits für hohe Energiepreise und deren Akzeptanz sorgen und damit Einsparungen fördern, andererseits finanzielle Anreize für Investitionen in effiziente Anlagen setzen. Zwar ist diese Erwartungshaltung nachvollziehbar, doch bleibt fraglich, ob die Politik eine derartige energiepolitische Strategie durchsetzen kann“, kommentiert Manfred Wiegand, Global Utilities Leader bei PwC.

Emissionshandel zeigt Ergebnisse
Ein prominentes Beispiel für staatliche Klimapolitik ist das EU-Emissionshandelssystem (Emissions Trading Scheme, ETS). Energieerzeuger und andere Industrien müssen im ETS die zur Produktion benötigten CO2-Mengen über Zertifikate erwerben. Da bis 2008 allerdings mehr Zertifikate zur Verfügung standen als benötigt, war der Anreiz zur CO2-Reduzierung in der Vergangenheit gering. Das scheint sich nun zu ändern. Mittlerweile hätten mehr europäische Versorger auf einen klimafreundlicheren Energiemix umgestellt (36 Prozent gegenüber 28 Prozent im Jahr 2007), außerdem haben der aktuellen Umfrage zufolge 53 Prozent der Befragten ihren Emissionsausstoß wegen des ETS gesenkt – ein Jahr zuvor gaben dies erst 14 Prozent der Versorger an.

Energiesicherheit beschäftigt Versorger
Angesichts steigender Preise und knapperer Verfügbarkeiten für Kohle, Gas und Öl bleibt die Versorgungssicherheit für die Versorger ein wichtiges Thema. So ist der Anteil der Befragten, die sich über Direktinvestitionen den Zugriff auf Energieressourcen sichern wollen, deutlich von 33 Prozent auf 51 Prozent gestiegen. Eine Ausweitung ihrer „Upstream“-Aktivität über ein Joint Venture oder andere Kooperationsformen erwägen 53 Prozent der Versorger und damit annähernd doppelt so viele als im Vorjahr (27 Prozent). Gleichzeitig müssen sich die Energieversorger mit neuen Wettbewerbern auseinandersetzen. So erzeugen energieintensive Industrien den benötigten Strom zunehmend dezentral in eigenen Kraftwerken. Diese Konkurrenz nehmen die Befragten mittlerweile genauso ernst wie den Wettbewerb mit anderen Energieversorgern.
„Die Trennlinien zwischen Rohstoffproduzenten, Energieversorgern und Verbrauchern verwischen. Gefördert wird diese Entwicklung durch Deregulierungsinitiativen, beispielsweise die angestrebte Trennung von Stromerzeugung und Leitungsnetz in der EU. Angesichts der Konkurrenz um Ressourcen, Marktanteile und Technologien sind in diesem Umfeld weitere Allianzen bis hin zu Mega-Mergern wahrscheinlich“, erwartet Wiegand.

12.05.2008 | Quelle: PricewaterhouseCoopers AG | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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