Neues Biomasse-Nahwärmenetz in Rheinland-Pfalz

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Am 31. Oktober 2008 hat Margit Conrad, Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, im Rahmen der Kraft-Wärme-Kopplungs-Offensive des Landes ein Biomasse-Nahwärmenetz in der Ortsgemeinde Konken im Westpfälzer Bergland eröffnet. „Es steht beispielhaft für ein schlüssiges kommunales Energiekonzept im ländlichen Raum“, lobte die Ministerin die Akteure vor Ort. Das Umweltministerium hat den Aufbau des Nahwärmenetzes in Konken mit einem Zuschuss von mehr als 101.000 Euro gefördert. Die Gesamtkosten für das Nahwärmenetz belaufen sich nach Angaben der Stadtwerke Kusel GmbH auf rund 560.000 Euro. „In der Gemeinde Konken wird vorbildlich demonstriert, welche Möglichkeiten die effiziente Ausnutzung regional verfügbarer Biomasse für die Strom- und Wärmeerzeugung bietet“, stellte Ministerin Conrad fest.

Wärme für 40 Neubauten und weitere Häuser im Ortskern
Konken hat im Neubaugebiet „Breitwies/Im Flur“ 40 Grundstücke erschlossen, die einen Anschluss an die Nahwärmeversorgung haben. Das Nahwärmenetz umfasst die 40 Häuser im Neubaugebiet sowie weitere Gebäude im Ortskern (z. B. Gebäude der Kirchengemeinde), eine Heizzentrale sowie eine 1,2 Kilometer lange Zuleitung von der Biogasanlage eines landwirtschaftlichen Betriebs zur Heizzentrale. Das Nahwärmenetz wird energieeffizient betrieben. Die Biogasanlage liefert bei einer Wärmeleistung von 119 kWth etwa 70 Prozent der jährlich benötigten Wärmeenergie. Nach Abschluss des Ausbaus rechnen die Stadtwerke jährlich mit rund 880.000 kWh bei einer Gesamtleistung von 532 kW Nutzenergie. Zusätzliche Erdgasbrenner zur Deckung der Spitzenlast haben eine Gesamtleistung von 600 kW. Die Biogas-Anlage, deren Abwärme in das Nahwärmenetz eingespeist wird, gehört zu einem landwirtschaftlichen Hof. Das Biogas wird durch Vergärung von Mais und Grünschnitt sowie von Exkrementen einer Zuchtsauen- und Schweinemastanlage gewonnen. Das Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk verstromt. Die dabei anfallende Wärme wird zu rund einem Drittel für den Betrieb der Biogasanlage verwendet, die restlichen zwei Drittel fließen in das Nahwärmenetz.
Künftige Bauherren verpflichten sich zum Anschluss an das Nahwärmenetz. Das sei wichtig für die Wirtschaftlichkeit und die ökologische Wirkung, heißt es in der Pressemitteilung. Auf sie kommen Anschlusskosten von 6.500 Euro zu – etwas mehr als die Kosten für eine Erdgas-Brennwertheizung, aber weniger als eine Ölheizung kosten würde. Längerfristig lohne sich die Investition in jedem Fall. „Der Einsatz heimischer Energien bedeutet immer eine sichere Kostenbasis. Wer mit erneuerbaren Energien plant, macht sich ganz oder ein gutes Stück weit unabhängig von der Entwicklung auf den Weltrohstoffmärkten“, so Umweltministerin Conrad.
Der künftige Nahwärmepreis in Konken setzt sich aus zwei Anteilen zusammen: einem auf 10 Jahre festen Preis für das Biogas (70 Prozent) und einem Erdgaspreis (30 Prozent), welcher der allgemeinen Preisentwicklung folgt. Damit sei eine gute Kalkulierbarkeit gewährleistet, heißt es in der Pressemitteilung. Weitere Vorteile für die Nahwärme-Nutzer ergäben sich aus dem geringen Platzbedarf für den Anschluss sowie geringem Betriebs- und Wartungsaufwand. Durch die Nutzung der regenerativ erzeugten Nahwärme werde für die künftigen Bauherren der Zugang zu Fördermitteln für energieeffizientes Bauen erleichtert, betont das Umweltministerium.

Stadtwerke investieren in Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmenetze
„Wir wollen den Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 Prozent steigern; Ende 2007 lag dieser im Land bei ca. 11,5 Prozent. Der technologische Fortschritt beschleunigt sich und damit steigt die Wirtschaftlichkeit der Wärme- und Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Entscheidend sind dabei große Stadtwerke, die in Fernwärme- und Nahwärmenetze und in eine starke industrielle Kraft-Wärme-Kopplung investieren. Die Stadtwerke Kusel reihen sich hier ein. Sie eröffnen mit ihrer Initiative in Konken Möglichkeiten, die für die ganze Region Vorbildcharakter besitzen“, so die Ministerin weiter.

08.11.2008 | Quelle: | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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