US-Marktforscher zur Intersolar North America: Optimismus trotz schwieriger Marktlage

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Gartner Inc. (Stamford, Connecticut), ein US-Forschungs- und Beratungsunternehmen für Informationstechnologien, veröffentlichte am 20. Juli 2009 eine Zusammenfassung seiner Eindrücke von der Intersolar North America, die vom 14.-16. Juli 2009 gleichzeitig mit der Semicon West im Moscone Center in San Francisco stattfand. Die bedeutendsten Unternehmen der Photovoltaik-Branche seien entweder als Aussteller oder als Besucher der Messe präsent gewesen, so Gartner in einer Pressemitteilung. Trotz kurzfristiger Herausforderungen der PV-Industrie registrierten die Gartner-Analysten James Hines und Alfonso Velosa bei den Intersolar-Teilnehmern sowohl eine merkliche Begeisterung als auch große Erwartungen, im starken Gegensatz zu einer eher bedrückten Stimmung auf der Semicon West.
Gespräche mit Vertretern von Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Photovoltaik bestätigten laut Gartner, dass der Markt im laufenden Jahr schwach bleibe, eine Nachfrageerholung aber bereits für das Jahr 2010 erwartet wird. Laut Pressemitteilung beherrschten vier Themen die Messe: Fortwährender Preisdruck entlang der ganzen Beschaffungskette; Finanzierungshilfen der PV-Modulhersteller, um die Nachfrage anzukurbeln, das Warten auf den Fluss von Finanzmitteln aus dem Konjunkturprogramm und ein besonders großes Interesse an Wechselrichtern und Systemlösungen für die Stromumwandlung für PV-Systeme.

Niedrigere Modulpreise für Silizium-Photovoltaik erhöhen Druck auf Dünnschicht-Hersteller
Die Solarmodulpreise sind laut Gartner weiter stark gesunken, es sei jedoch eine geringe Erholung der Nachfrage erkennbar. Die auf der Messe gehandelten Preise seien deutlich niedriger gewesen als die von den Marktforschern für den Beginn des Jahres vorhergesagt worden waren. Markenprodukte seien zwischen 2,25 US-Dollar (1,58 Euro) und 1,80 USD (1,26 Euro) gehandelt worden, die Produktpreise weniger bekannter Unternehmen hätten sich zwischen 1,90 USD (1,33 Euro) und 1,50 USD (1,05 Euro) bewegt. Die Spot-Preise für Polysilizium blieben laut Gartner relativ konstant bei 60 USD (42,15 Euro) pro Kilogramm und verschiedene Quellen bestätigten einen deutlichen Angebotsüberhang, der vermutlich auch im Jahr 2010 andauern werde. Deshalb rechnet Gartner mittelfristig nicht mit steigenden Preisen für Polysilizium. Die niedrigen Preise bedeuten laut Gartner, dass auch Dünnschicht-Modulhersteller einem steigendem Preisdruck ausgesetzt sind. Sinkende Preise in der Beschaffungskette für Silizium-Photovoltaik verringern die Kostenvorteile der Dünnschicht-Module und Gartner erwartet, dass Dünnschicht-Produzenten in den kommenden Quartalen mit geringeren Gewinnspannen arbeiten müssen und einem erheblichem Preisdruck ausgesetzt sein werden. Viele neue Unternehmen in dieser Sparte werden laut Gartner nicht überleben.

EPC- und PPA-Unternehmen genießen starke Verhandlungsmacht und können sich die günstigsten Konditionen aussuchen
Laut Messeanalyse scheinen sich die Finanzierungsmöglichkeiten langsam zu verbessern: Dies sei aber kurzfristig nicht genug, um die Marktdynamik zu verändern, so die Marktforschung. Der Begriff “Bankability” scheine momentan das Schlüsselwort der Solarbranche zu sein und die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens sei das wesentliche Kriterium von Vertragsabschlüssen für neue Projekte. Laut Gartner ist eine neue Entwicklung, dass größere Modulhersteller ihren Kunden Produkte auf Kreditbasis anbieten und für die Finanzierung von Solar-Projekten sorgen. Für die Analysten war es offensichtlich, dass Unternehmen, die EPC- (engineering, procurement, construction) und PPA- (power purchase agreement) Dienstleistungen anbieten, in der Lage waren, nach Projekten mit den vorteilhaftesten Vertragsbedingungen Ausschau zu halten. Die PV-Branche gehe davon aus, dass die Förderung im Rahmen des US-Konjunkturpakets ein positives Signal geben wird, sich aber wegen der langen Projektentwicklungszeit erst 2010 deutlich auf den Markt auswirken wird. Die staatlichen Darlehen sind für Unternehmen mit denen Gartner gesprochen hat nicht so interessant, weil sie keine beschleunigte Abschreibung enthalten. Die Unternehmen wollen eher von den Steuerkrediten für Solarinvestitionen (investment tax credit, ITC) und Kreditbürgschaften Gebrauch machen, um ihre PV-Projekte voranzutreiben. Es werde erwartet, dass PPA-Unternehmen diese Bürgschaften in Anspruch nehmen, um damit Kapitalkosten zu senken.

Wechselrichter am meisten diskutiert
Wechselrichter und Systemlösungen zur Umwandlung von Strom waren laut Gartner die wesentlichen Themen der Aussteller auf der Intersolar, wovon viele entweder gut finanzierte Startups oder Tochterunternehmen großer Halbleiterunternehmen sind. Gespräche mit Endkunden hätten gezeigt, dass keines der Systeme den Markt dominiert. Die Analysten zeigten sich vorsichtig optimistisch hinsichtlich der Entwicklung der Branche, doch der Markt werde relativ klein bleiben. Die erwartete Konsolidierung werde großen Unternehmen zu Gute kommen, die Unternehmen mit Schlüsseltechnologien aufkaufen können. Große, bereits etablierte Verkäufer hätten gegenüber Startups wegen ihrer besseren “Bankability” einen Vorteil, doch es bleibe ein Markt mit viel Wettbewerb. Laut Gartner ist noch nicht abzusehen, welche Technologie sich durchsetzen wird.

22.07.2009 | Quelle: Gartner, Inc. (Jim Hines and Al Velosa) | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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