Leitszenario 2009: Erneuerbare Energien weiter auf dem Vormarsch

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Die Dynamik des Ausbaus der erneuerbaren Energien ist möglicherweise größer als bislang angenommen: Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie kann bis zum Jahr 2050 über die Hälfte des Energiebedarfs hierzulande decken. Zu diesem Ergebnis kommt das “Leitszenario 2009”, welches das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammen mit dem Ingenieurbüro für neue Energien (IfnE) im Rahmen eines laufenden Forschungsvorhabens für das Bundesministerium für Umwelt, Natur und Reaktorschutz (BMU) erstellt hat. Laut Leitszenario 2009 kann Deutschland seinen Ausstoß an Treibhausgasen auf etwa 20 Prozent der Emissionen von 1990 reduzieren, vorausgesetzt, die erneuerbaren Energien werden weiter ausgebaut, und die gewonnene Energie wird effizienter genutzt.

Wirksame Maßnahmen zur CO2-Emissionssenkung; 2020 kann der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bereits bei 35 Prozent liegen
Innerhalb weniger Jahre sind erneuerbare Energien ein bedeutendes Standbein der Energiebereitstellung in Deutschland geworden. Ihr Anteil betrug 2008 bereits rund 15 Prozent des Bruttostromverbrauchs und 9,5 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs. Wie das bereits im vergangenen Jahr erstellte “Leitszenario 2008” zeigt die aktuelle Untersuchung, dass das ehrgeizige Ziel, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2050 auf etwa 20 Prozent der Emissionen von 1990 zu senken, erreichbar ist. Dies ist allerdings nur möglich, wenn erneuerbare Energiequellen dazu einen zentralen Beitrag leisten und die Ausbaudynamik der vergangenen Jahre aufrechterhalten bleibt. Das Leitszenario 2009 zeigt sogar, dass die Dynamik beim Ausbau der Erneuerbaren Energien noch größer sein kann als bisher angenommen. Im Jahr 2020, so das Szenario, kann der Beitrag der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bereits bei 35 Prozent und ihr Anteil am Endenergieverbrauch bei etwa 20 Prozent liegen. Damit können in Deutschland auch die Ausbauziele, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie in der aktuellen Richtlinie der EU festgelegt sind, erreicht werden.
Bis 2050 kann der Beitrag der erneuerbaren Energien die 50 Prozent-Marke deutlich übersteigen. Der Stromsektor wäre dem Szenario zufolge zu diesem Zeitpunkt mit einem Anteil der erneuerbaren Energien von 84 Prozent bereits nahezu klimaneutral. Zur Wärmeversorgung trügen erneuerbare Energien dann 50 Prozent und zur Kraftstoffversorgung 30 Prozent bei.

Kraft-Wärme-Kopplung und Energieeffizienz spielen ebenfalls eine wichtige Rolle
Weitere Schwerpunkte einer wirksamen Treibhausgas-Minderung bilden in der Studie ein deutlicher Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und eine wesentliche Steigerung der Energieeffizienz in allen Nutzungsbereichen. Unter diesen Voraussetzungen kann der Primärenergieverbrauch Deutschlands bis 2020 auf 83 Prozent und bis 2050 auf 58 Prozent des heutigen Wertes sinken. Der Stromverbrauch sinkt bis 2020 um 10 Prozent. Erneuerbare Energien können zu jeder Zeit die schrittweise Reduzierung von Strom aus Kernkraftwerken ausgleichen, zum Teil sogar deutlich überkompensieren.
Zunehmender volkswirtschaftlicher Nutzen; 175 Milliarden Euro Investitionen in Anlagen zur erneuerbaren Strom- und Wärmeproduktion bis 2020
Der im Leitszenario 2009 vorgeschlagene weitere Ausbau der erneuerbaren Energien bewirkt einen zunehmenden volkswirtschaftlichen Nutzen. Im Inland entsteht ein stabiler Markt mit jährlichen Investitionen von rund 15 Milliarden Euro. Zwischen 2009 und 2020 sind insgesamt Investitionen von 175 Milliarden Euro in Anlagen zur erneuerbaren Strom- und Wärmeproduktion zu erwarten. Diese Entwicklung sichert deutschen Unternehmen auch weiterhin die Technologieführerschaft in zahlreichen Technologien und trägt damit zu weiter wachsenden Exportmärkten bei.
Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler vom DLR-Institut für Technische Thermodynamik erstellen und bewerten seit mehr als 30 Jahren Konzepte zur nachhaltigen Energieversorgung auf der Basis von technologischen Einzelanalysen und von Modellrechnungen mittels Szenarien zur zukünftig möglichen Struktur. Sie analysieren die Energieversorgung der Zukunft im Auftrag der Bundesregierung, verschiedener Landesregierungen, der Europäischen Kommission und anderer Auftraggeber. Untersuchungen für die Leitszenarien des Bundesministeriums für Umwelt, Natur und Reaktorschutz werden im DLR bereits seit 2003 durchgeführt.

13.10.2009 | Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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